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Johanna Lux
"Ich bin immer das Highlight"

28.05.2020, 15:26 Uhr - Aktualisiert 25.06.2020, 12:12
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Johanna Lux lässt Tassen verschwinden und zaubert 100-Euro-Scheine aus dem Ärmel. Auf ihr Kommando "hex-hex" lösen sich in Kitas aber auch bunte Kleider auf. Für Aufsehen sorgte die Weddingerin, als sie vor einer Fernsehkamera mal eine Prognose für die Lottozahlen wagte. "Allerdings konnte ich nicht sagen, für welche Ziehung", so Lux augenzwinkernd. Ob große Gala in Wien oder Firmenevent in Dresden, ob Show auf der MS "Queen Mary" oder Soloabend im Theater am Wandlitzsee: Johanna Lux scheint ihr Publikum mit Magie und weiblichem Charme zu verzaubern: "Ich hoffe, es klingt nicht zu überheblich: Aber da wo ich hinkomme, bin ich immer das Highlight!" Das gelte auch für kleinere Familienpartys.

Um die 80 Tricks, die jeweils nochmals variieren, hat die Illusionskünstlerin drauf. Als Vorstandsmitglied im Magischen Zirkel Berlin hält sie auch Kontakt zu anderen Zauberern, u.a. auch zum Magischen Zirkel in Potsdam. Rund 80 Magier haben sich in der Hauptstadt zusammengeschlossen, darunter acht Frauen. 20 Berliner Zauberer machten ihr Hobby zum Beruf.

Aus ihrem hohen Zylinder zaubert Johanna Lux übrigens keine Häschen oder dergleichen. "Der Hut soll nur ein Blickfang sein. Damit auf Partys oder Messen alle wissen: Jetzt kommt die Zauberin", erklärt Lux, deren Zylinder schon ihr Großvater trug. "Magie und Zauberkunst wurden mir in die Wiege gelegt. Schon meine Uroma war Zauberin und meine Mutter ist es immer noch", sagt die Frau, die ihr Hobby vor acht Jahren zum Hauptberuf machte. "Zu Hause waren wir fünf Geschwister, die beschäftigt werden wollten. Meine Mama schaffte das mit ihrer Zauberei. Irgendwann sprang der Funke auf mich über", erinnert sich die gebürtige Darmstädterin. Bei ihrem ersten Auftritt sei sie zur allgemeinen Verwunderung aus einem mit einem Vorhängeschloss gesicherten Sack gestiegen.

Dann berichtet die studierte Diplomingenieurin etwas unvermittelt vom "Zauber-Seminar Geldvermehrung" bei einem Berliner Berufskollegen. Das neu erworbene Wissen haben sie im Bio-Laden um die Ecke gleich angewendet und beim Kassierer für einen echten Wow-Effekt gesorgt. Aus einem Fünf-Euro-Schein machte sie mal eben einen "Fünfziger". Natürlich nur aus Jux, beteuert Johanna Lux. "Ich würde niemals Leute übers Ohr hauen. Das gehört zum Ehrenkodex unseres Berufs", so die zweifache Mutter.

An ihrem Beruf liebe sie den direkten Draht zum Publikum und dessen unmittelbare Reaktion. Ihre Arbeit, die sie manchmal auch im Duo mit einer Kollegin aus Schweden ausübt, verlange Kreativität, Empathie und Spontanität. Das Publikum und sein Humor würde sich kaum nach Ost und West, Nord und Süd unterscheiden. "Aber Frauen lehnen sich schon eher zurück und genießen, während Männer Tricks und Magie hinterfragen", plaudert Johanna Lux aus ihrem Bühnenalltag. Zur Berufsausübung selbst gehörten natürlich auch Buchhaltung, Steuerkram, Marketing und ständige Weiterbildung. Das alles erledigt die taffe Frau in Personalunion.

Ein Kunststück in eigener Sache sei, alle Auftritte akribisch genau vorzubereiten, Abläufe einzustudieren und Requisiten zurechtzulegen. Schließlich sei beinahe jede Show anders. "Sie müssen auch wissen: Zauberer sind echte Nerds ("Sonderlinge"), die permanent Zauberutensilien anschaffen", so Lux, die zuletzt auch einen Auftritt in Gebärdensprache absolvierte. Ihr Mann und die Kinder würden es mit Fassung tragen.

Die Frau, die mit doppeltem Boden und Zauberstäben manchmal die Gesetze der Physik auszuhebeln scheint, kam 17-jährig mit der Familie aus Hessen ins brandenburgische Fredersdorf-Vogelsdorf im Landkreis Märkisch-Oderland. "Aus familiären Gründen", wie Johanna Lux knapp erklärt. "Mein Uropa war Berliner und so kamen wir auf die Region mit dem Berliner Umland." Landschaft und Mentalität der Märker waren für Johanna Lux als Jugendliche eher gewöhnungsbedürftig, wie sie sagt. "Heute finde ich diesen Landstrich superschön, besonders die Seen östlich der Hauptstadt. Ich spüre hier draußen die Jahreszeiten viel intensiver als in Berlin oder früher in meiner alten Heimat", schwärmt die Mitte Dreißigerin, die am Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland in Strausberg eine kaufmännische Ausbildung absolvierte und später studierte. "Zauberer ist schließlich kein Ausbildungsberuf", lächelt Lux, die zeitweise noch in einem Landschaftsarchitekturbüro arbeitet.

Die Mutter der Wahl-Berlinerin lebt nach wie vor in Fredersdorf-Vogelsdorf. "Dort finden regelmäßig konspirative Zaubertreffen statt. Meine Mama tritt bis heute als ‚Zauberin Christella‘ auf." Hier im Umland steigt oft das Sonntagsfrühstück der Familie. Dazu gehören Vollkornbrot mit Aufstrich, Tomaten, selbstgezogene Sprossen und Käse. "Vorher trinke ich zur Mageneinstimmung ein Glas warmes Wasser, eine Empfehlung aus dem Ayurveda, und dann einen Kaffee." Danach ist Johanna Lux gern im Märkischen oder im eigenen Weddinger Kiez unterwegs. "In Berlin besuchen wir auch Britzer Garten und den Viktoriapark in Kreuzberg sehr gern."

Zukünftig peilt Johanna Lux verstärkt Messejobs an, um auch an Werktagen noch besser gebucht zu werden: "Meine Auftritte konzentrieren sich sehr auf die Wochenenden und auf Freitagabend. Ich arbeite eben dann, wenn andere feiern."

www.johanna-lux.de

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