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Kathrin Heckmann
Mit "Fräulein Draußen" rund um die Welt

15.07.2020, 15:46 Uhr - Aktualisiert 15.07.2020, 16:45
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Australien, Amerika, Island, Südafrika: Kathrin Heckmann hat schon die halbe Welt gesehen und in ihrem Reiseblog darüber berichtet. Was nicht heißt, dass die gebürtige Münchnerin nicht auch heimischen Gefilden etwas abgewinnen kann. Ostsee, Nordsee, Schwarzwald und Uckermark bereist sie genauso gern. Ob Grizzlys in Alaska oder Grillen im Ruppiner Land: "Generell suche ich auf Reisen möglichst unberührte Landschaften mit wenig Anzeichen von Zivilisation. Das können Patagonien und Alaska sein, aber auch einsame Ecken in Brandenburg", so Kathrin Heckmann, die in ihrem Blog als "Fräulein Draußen" firmiert.

Den Job als Marketing-Managerin gab sie vor acht Jahren auf. Ihr Berufsalltag besteht seitdem aus Wanderungen und daraus folgenden Reiseberichten. Unterwegs sein, frei sein - nur das zählt für die Schreiberin, die die Touren durch Kooperationen mit Tourismusverbänden und Outdoor-Ausrüstern (für die sie im Blog wirbt) finanziert. Ihr Geld steckt sie fast komplett in die Reiserei, wie sie mitteilt. "Ich wüsste auch gar nicht, für was ich es sonst ausgeben sollte", erklärt Kathrin Heckmann. Deren Geschichten sind nicht einfach nur Storys, sondern jede für sich ein Abenteuer – vom Fernwanderweg in Großbritannien bis hin zu den Tagen als Leuchtturmwärterin in Norwegen.

Die beeindruckendsten Touren der Bayerin gibt jetzt ihr Buch "Wie ich unterwegs das Große in den kleinen Dingen fand" (Ullstein Buchverlag) wieder. Unterwegs ist sie den Schilderungen nach mit minimalem Gepäck: Im Rucksack hat sie meist nur Zelt, Kamera, Gaskocher, Titan-Topf, Zahnpasta in Tablettenform, Reiseführer und Kuscheltier. Die beschriebenen Reisen fanden allesamt in den letzten acht Jahren statt. Die erste Tour ging gleich in den Südwesten der USA – damals noch mit Mietwagen und Freundin. Später wurden vor allem die Wanderstiefel geschnürt. "Diese weiten wilden Gegenden und viele US-Nationalparks haben meine Begeisterung für Natur und unsere Erde überhaupt erst geweckt", blickt die heute 33-Jährige zurück.

Zu Lieblingswanderwegen wurden der "Pennine Way" in Nordengland sowie der "South West Coast Path" in Südengland. Allein drei Monate ging es durch Großbritannien. In deutschen Gefilden zählen Ost- und Nordsee zu Kathrin Heckmanns liebsten Reiseregionen – sehr gern bei Sturm und miesem Wetter. "Je stärker die Elemente um mich tosen, desto stärker fühle ich mich selbst, denn ich werde unweigerlich ein Teil von ihnen, nehme ihre Kraft und ihre Kompromisslosigkeit in mir auf", heißt es im Buch. Das sei auch der Grund, weshalb die frühere PR-Managerin jederzeit den Regenschirm auf Rügen einem Cocktail auf Cook Islands vorziehen würde.

Richtig brenzlig sei es auf all den Reisen nie geworden, ist im Interview zu erfahren. Zwar musste die Bayerin auf ihrer 1000-Kilometer-Wanderung durch Westaustralien tagelang durch überschwemmtes Gebiet waten. Wirklich gefährlich sei dies aber nicht gewesen. "Im Zweifel folge ich eher der Vernunft als Abenteuerlust", betont die Globetrotterin. Das gelte auch für Alaska, die Heimat von rund 30000 Grizzlys und ca. 90000 Schwarzbären. "Die ernähren sich zwar zu 90 Prozent vegetarisch und zeigen im Normalfall kein Interesse am Mensch. Doch komplett beruhigen konnte mich das nicht", schmunzelt die Buchautorin.

Kathrin Heckmann durchstreifte nicht nur die große weite Welt, sondern auch Brandenburg. "Eine Freundin schwärmte mir schon lange von der Uckermark vor." Die Schreiberin behielt den Landstrich im Auge, wie sie sagt, und wanderte für ihren Reiseblog schließlich auf der "Uckermärker Landrunde". "Diese Tour – für mich eine Mischung aus Heimatgefühl und Abenteuer – hat mich sehr begeistert", resümiert Heckmann. 2019 entdeckte die Autorin dann auch noch das Ruppiner Seenland für sich, wo sie von Neuglobsow nach Neuruppin wanderte. Nach einer stressigen Lebensphase zuvor sei sie am Großen Stechlinsee wie ausgewechselt und die Ruhe selbst gewesen: "Ich glaube, das ist einfach das, was die Landschaft Brandenburgs mit einem macht", sinniert Kathrin Heckmann über die Mark.

Die heimischen Alpen kennt die Bloggerin dagegen verhältnismäßig schlecht, wie sie auf Nachfrage einräumt: "Vielleicht liegt es daran, dass ich das Wandern erst relativ spät für mich entdeckt habe", mutmaßt die Berufswanderin. Doch bald soll alles anders werden. Kürzlich begab sie sich erstmals auf eine Route in Nähe der Zugspitze.

Das Frühstück komme auf Reisen grundsätzlich zu kurz – egal, ob sonn- oder werktags. "Auf Tour mache ich immer wieder den Fehler, Porridges oder ähnliches einzupacken. Das ist zwar wahnsinnig praktisch und auch gesund, schmeckt aber leider nicht. Zumindest nicht, wenn man es nur mit Wasser anrührt und ohne Früchte zu sich nimmt", sagt "Fräulein Draußen" mit sauerer Miene. Wird doch mal zu Hause – heute Poing bei München – gefrühstückt, gibt es frische, knusprige Brezen, allerdings ohne Weißwurst. Die Autorin ernährt sich seit rund zehn Jahren überwiegend vegan.

Kathrin Heckmann schreibt und philosophiert im Buch nicht nur über ihre Reisen, sondern auch über das eigene Dasein, das vor den Touren offenbar aus den Fugen geraten war. Letztlich sei dies der Grund gewesen, auszubrechen. Plötzliche Trennung nach mehrjähriger Beziehung, gesundheitliche Probleme und die kleine Einzimmerwohnung, deren Wände vor sich hin schimmelten. Dann kam immerhin der neue Job. "Ein Job, von dem ich wusste, dass er eine große Chance für mich war und den ich trotzdem nicht richtig wollte. Eigentlich wusste ich aber überhaupt nicht mehr, was ich wollte. Bis auf eins: Ich wollte raus."

Neben Naturschönheiten entdeckte Kathrin Heckmann auch Naturzerstörung. Bereits fünf Mal sei auf der Erde in den letzten 500 Millionen Jahren fast alles Leben ausgelöscht worden. Ursachen waren Eiszeiten, Vulkane oder ein Meteoriteneinschlag. Nun stehe das sechste große Artensterben bevor. Und zwar eins, das vom Menschen verursacht ist, bedauert "Fräulein Draußen". Im Buch heißt es dazu: "Regenwälder werden in unvorstellbar rasantem Tempo abgeholzt, zum Beispiel, um Soja anzubauen, das überwiegend für die Massentierhaltung verwendet wird. In einem Monat fällt so mal schnell eine Waldfläche, die mehr als doppelt so groß wie Berlin ist, der Kettensäge zum Opfer." Mit jedem Steak sterbe ein Stück Regenwald, mahnt Kathrin Heckmann. Deren Lektüre macht deutlich, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als wir selbst!

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