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Burg-Kino entführte in die Arktis

Anregende Gespräche nach dem Filmgenuss: Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Bildband über den Tierfilmer zu erwerben und ließen sich von Inge Sielmann (rechts) eine Widmung hineinschreiben.
Anregende Gespräche nach dem Filmgenuss: Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Bildband über den Tierfilmer zu erwerben und ließen sich von Inge Sielmann (rechts) eine Widmung hineinschreiben. © Foto: Iris Stoff
Iris Stoff / 28.09.2010, 08:43 Uhr
Storkow (In House) Das war ein zünftiger Abschluss des ersten Hoffestes auf der Storkower Burg! Im gut besetzten Großen Saal lief der Filmklassiker „Lockende Wildnis – Wildbahn Nordamerika“ von Heinz Sielmann. Als Ehrengäste waren Inge Sielmann und Sielmanns langjähriger Kameramann Dieter Hoese dabei.

44 Jahre ist es inzwischen her, dass sich der Tierfilmer Heinz Sielmann und seine Mitstreiter auf Expedition in die kanadische Arktis begeben haben. Eineinhalb Jahre lang waren die Männer mit Propellerflugzeug und Eskimoschlitten auf dem nordamerikanischen Kontinent unterwegs. Sie hatten abenteuerliche Situationen zu meistern, beobachteten Vögel und andere Tiere in den menschenfernen Brutrevieren der arktischen Steppe, an den Ufern des Eismeeres, in den Rocky Mountains, am Großen Sklavensee, auf den Pribilof Inseln in der Beringsee. Es entstanden Aufnahmen von atemberaubender Schönheit, die unter anderem die Verhaltensweisen von Karibus, Eisbären, Walrossen, Seeottern, Moschusochsen oder Gänsen dokumentieren. Mit der Kamera eingefangen wurden auch der seltene Grizzlybär, ein Wolf beim Lachsfang und ein Seeotter, der mit Hilfe eines Steines eine Muschel knackt.

Der Film „Lockende Wildnis“ mit seinen vielen einmaligen Momentaufnahmen hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Und er ist nur ein Streifen aus dem umfangreichen Lebenswerk des bedeutenden Tierfilmers Heinz Sielmann, dem es immer auch ein Anliegen war, auf die Verletzlichkeit der Natur hinzuweisen und der sich auch ganz praktisch für ihren Schutz eingesetzt hat. Gemeinsam mit seiner Frau Inge hat der Biologe und Verhaltensforscher 1994 die Heinz Sielmann Stiftung gegründet, die vor nunmehr fast zehn Jahren auch die Naturlandschaft Schauener Seenkette erwarb. Dort wird der Sielmannsche Leitsatz „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ mit Leben erfüllt. Ein Anliegen der Stiftung, deren Vorsitz Inge Sielmann seit dem Tod ihres Mannes 2006 innehat, ist auch die Umweltbildung. So sollen unter anderem auch künftig Filme von Heinz Sielmann auf der Storkower Burg gezeigt werden. „Das Erbe von Heinz Sielmann wird hier gut verwaltet“, betonte Inge Sielmann am Sonntag bei ihrem Besuch auf dem Hoffest in Storkow. Beeindruckt zeigte sich die 80-Jährige auch davon, mit welchen Ideen es der Stadt gelinge, Menschen für die Burg zu interessieren. Zu der Erlebnisausstellung „Mensch und Natur – Eine Zeitreise“ in der Burg hat auch die Sielmann-Stiftung beigetragen. So ist in der Schau Sielmanns Original-Filmkamera mit dazugehörigem, umfangreichem Equipment zu bestaunen.

Aus Anlass der Filmvorführung plauderte Inge Sielmann, die mit ihrem Mann 1960 die „Heinz Sielmann Filmproduktion“ gegründet hatte, auch ein bisschen aus dem Nähkästchen und beantwortete gern die Fragen von Besuchern, die sich ein Autogramm geben ließen. Während Heinz Sielmann oft monatelang auf Dreharbeiten rund um den Globus unterwegs war, führte sie die Geschäfte der Firma. Für den Film „Lockende Wildnis“ sei ihr Mann 18 Monate fortgewesen, so Inge Sielmann. „Und damals hatten wir kein Handy, kein Satellitentelefon, kein Internet, um eine Mail zu schicken. Das kann sich heute keiner mehr so richtig vorstellen.“ Nur ganz selten sei eine Verbindung über die deutsche Küstenfunkstelle Radio Norddeich zustande gekommen, „ansonsten hat mein Mann mir Briefe geschrieben, die gab er einem Flugzeug mit, wenn sie unterwegs an eine Station kamen.“ Diese vielen Briefe habe sie alle aufgehoben, so Inge Sielmann. „Ich bin jetzt gerade dabei, den Nachlass aufzuarbeiten.“

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