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Vier weibliche Musketiere trumpfen auf

Gunnar Reblin / 27.01.2016, 19:38 Uhr
Wittstock (MZV) Vier Mädchen aus Hennigsdorf schrieben am Mittwoch in Wittstock Geschichte im Schulsport-Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia". In Unterzahl beim Regionalfinale angetreten, spielten sie bravourös auf, hatten gar Titelchancen. Auch wenn es nicht zu Gold reichte, durften sie sich als Sieger fühlen. Den Turniersieg schnappte schließlich Oranienburg den Neuruppinerinnen vor der Nase weg.

Mit den drei zu vergebenen Extra-Auszeichnungen würdigte die Turnierleitung um Schulsportkoordinator Axel Simon dann auch den einzigartigen Auftritt des Quartetts. "Denn so etwas", betonte Simon, "haben wir noch nicht erlebt. Dieses Turnier war ein ganz besonderes."

Auch das Alexander-Sergejewitsch-Puschkin-Gymnasium hat seine vier Musketiere - und die sind weiblich. Sie heißen Chantal Lange, Sophie Ladewig, Johanna Tuitjer und Louise Protze. Diese vier Handballerinnen schlugen sich am Mittwoch in der Wittstocker Stadthalle so tapfer, kämpften aufopferungsvoll und eroberten die Herzen aller Anwesenden im Sturm, sodass Team-Betreuer Mathias Wellmer in Anlehnung an den Roman von Alexandre Dumas seine vier Musketiere taufte. "Ich bin megastolz. Ich kann vor dieser Leistung nur den Hut ziehen", zeigte sich Wellmer tief beeindruckt vom Gala-Auftritt seiner Mädels.

Dass sein Team überhaupt nur zu viert auf der Platte stand, lag an dem Umstand, dass die vier anderen Teammitglieder allesamt zu jung - Jahrgang 2003 (erlaubt sind die Jahrgänge 1999 bis 2002) - waren. Sie durften nicht am Turnier teilnehmen. "Wir hatten diesbezüglich keine andere Wahl. So sind die Statuten. Es ist leider so", schwang in Simons Stimme ein Hauch von Wehmut mit. Hennigsdorfs Betreuer Mathias Wellmer war "megabaff", als er vor dem Turnier den Ausschluss seines Küken-Quartetts quittieren musste. "Ich habe die anderen Mädels gefragt, ob sie dann überhaupt antreten wollen." Die erwiderten: "Na klar. Wieso denn nicht?"

In der selben Besetzung hatten die Hennigsdorferinnen das Kreisfinale in Oberhavel noch spielen dürfen - und auch gewonnen. Anscheinend wurden bei der Vorrunde die Listen nicht genau geprüft. "Ich kann das nicht mehr nachprüfen, da keine Listen vom Kreisfinale mehr vorliegen", war Oberhavels Schulsportkoordinator Uwe Peter selbst ein wenig ratlos.

Mathias Wellmer, der an diesem Tag als Betreuer eingesprungen war, waren die Hände gebunden. Und so ließ er eben die verbliebenen vier Mädels von Leine. Und die drückten dem Turnier ihren Stempel auf. Im ersten Spiel noch knapp gegen Pritzwalk unterlegen (11:12) - "Da mussten sich die Mädels erst finden" (O-Ton Wellmer), blieben sie fortan ungeschlagen. "Bei ihnen hat alles Hand und Fuß", brachte es Kampfrichter Heinz Lange auf den Punkt. Selbstbewusst, laufstark, technisch brillant und mit jeder gelungenen Aktion den Gegner zusehends verunsichernd, so versetzten sie die Zuschauer ins Staunen. Die hohe individuelle Qualität - alle vier spielen seit Jahren im Verein (Motor Hennigsdorf), bekamen vor allem die Lokalmataorinnen zu spüren. Mit sage und schreibe - Achtung kein Druckfehler - 27:6 fegten vier Hennigsdorfer Musketiere sieben Wittstockerinnen von der Platte. Großes Kino.

Und es kam noch dramatischer. Im Spiel gegen Neuruppin verletzte sich mit Louise Protz einen der vier Akteurinnen nach einem Sprungwurf am Ellenbogen. Sie konnte nicht weiterspielen. So stellten sich drei Puschkin-Schülerinnen der Übermacht aus Neuruppin. Erst dachte die Turnierleitung an einen Spielabbruch, doch Axel Simon erklärte nach kurzer Besprechung: "Weiterspielen". Für ihn war spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, ein "absolutes Novum" im Schulsportwettbewerb zu erleben.

Und beinahe hätte es eine Sensation gegeben. Mit ihrem Tor drei Sekunden vor dem Ende bewahrte Megan Gellhorn die Fontanestädterinnen vor einer ganz großen Blamage. Endstand: 12:12. In den letzten Minuten dieser Partie standen alle Spielerinnen, Betreuer und Zuschauer direkt neben der Platte, der Applaus für die famose Leistung des Oberhavel-Trios wollte nicht enden.

Große Spannung herrschte dann vor dem letzten Turnierspiel. Neuruppin hätte ein Remis gegen Oranienburg zu Platz eins gereicht. Im zunächst ausgeglichen Match zogen die Oberhavelländerinnen zum Ende hin davon, siegten 15:10 und holten sich die Goldmedaille. Sie fahren am 2. März zum Landesfinale nach Elsterwerda.

Turnier-Statistik

Wittstock - Oranienburg 3:10Hennigsdorf - Pritzwalk 11:12Neuruppin - Wittstock 11:14Oranienburg - Hennigsdorf 11:11Pritzwalk - Neuruppin 7:10Wittstock - Hennigsdorf 6:27Oranienburg - Pritzwalk 8:6Hennigsdorf - Neuruppin 12:12Pritzwalk - Wittstock 7:3Neuruppin - Oranienburg 10:15
■ Endstand 1. Louise-H. Oranienburg 44:20 72. Schinkel-Gymn. Neuruppin 43:35 53. Puschkin Hennigsdorf61:41 44. J.-W.v.-Goethe Pritzwalk 32:32 45. Städtisches Gymn. Wittstock13:55 0
■ Aufstellungen: Oranienburg: Ullmann - Dammenhagen (5), Ulrich (2), Güll (3), Herzog, Maurer (1), Huter (6), Müller (1), Engelbrecht (15), Raasch (7), Krause (4) Neuruppin: Grünberg - Labs (5), Gellhorn (15), Dayss (9), Neumann (13), Posch, Werner (1), Benz, Mertzky, Habener Hennigsdorf: Ladewig (7), Lange (17), Tuitjer (22), Protze (15) Pritzwalk: Steinhäuser - Käpernick (4), König (3), Kolloch (3), Kremp (5), Röpert, Spitzner (6), Voß (11) Wittstock: Nöhmke - Ronneburg (4), Leuchtenberger, Hilgert (3), Rinker (1), Knop (2), Kölpin, Meschter, Voigt (3), Mews

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