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Die Plothos
Effi Briests wahre Vorfahren

Die Schlossfestspiele Ribbeck bringen Fontanes "Effi Briest" auf mehrere Bühnen der Region. Premiere ist am 12. Juli vor Schlosskulisse im Havelland.
Die Schlossfestspiele Ribbeck bringen Fontanes "Effi Briest" auf mehrere Bühnen der Region. Premiere ist am 12. Juli vor Schlosskulisse im Havelland. © Foto: Schlossfestspiele Ribbeck
René Wernitz / 08.03.2019, 11:00 Uhr
Havelland (MOZ) Wie es ihr Name anzeigt, war Elisabeth von Plotho (1853-1952) eine Vertreterin der Aristokratie. Die reale Frau hinter Fontanes "Effi Briest" gehörte einem Geschlecht an, das im Mittelalter nicht minder bedeutend  war wie die Bredows. Nur dass über die Plothos heute weit weniger gesprochen wird. Mit den Jerichows verhält sich das ebenso. Beide stammten aus dem Elb-Havel-Winkel.

Einige Landstriche westlich des heutigen Laufs der Unteren Havel und östlich des heutigen Laufs der Mittleren Elbe gehörten den sächsischen Machthabern in der sogenannten Nordmark. Das waren seit 1056 die Grafen von Stade. Ihr Vorgänger, Wilhelm, Graf von Haldensleben, hatte in dem Jahr in einer verlorenen Schlacht gegen ein slawisches Heer den Tod gefunden. Der König belehnte die Stader mit der Nordmark, deren Herrschaftsbereich sich formal von der Elbe bis zur Oder, also auch über das Havelland erstreckte. Bis hierher reichte der christliche Arm von Westen her nicht wirklich. Doch wurde es allmählich enger für die slawischen Stämme östlich der  Elbe.

Der Berliner Historiker Johannes Schultze (1881-1976) beschreibt die strategische Lage der Burgen Jerichow und Plotho (Altenplathow/heute Genthin) als vorgeschobene Posten der Grafen von Stade. Nachzulesen in Schultzes "Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte". Als Hartwig von Stade, der letzte Vertreter dieses Geschlechts im Mannesstamm, die Ländereien im Elb-Havel-Bereich dem Erzbistum Magdeburg übereignete, wurden die Burgherren zu Ministerialen des Erzbischofs. Ihre große Stunde sollte alsbald schlagen.

Der König musste der Schenkung zustimmen, was im Dezember 1144 erfolgte. In dem Zusammenhang wurde Milow das erste Mal urkundlich erwähnt.  Auch dort befand sich eine Burg, die zuvor den Stadern gehört haben und davor slawisch gewesen sein  muss. Der sächsisch-deutsche Einflussbereich hatte sich also schon bis dorthin vorgeschoben. Nun gehörten dem Erzbischof die Burgen und die dazu gehörigen Ländereien.

In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts bestanden bereits die Bistümer Havelberg und Brandenburg, allerdings wie die Nordmark nur auf dem Papier. Denn die Bischöfe waren im Zuge eines großen slawischen Aufstands (983) vertrieben worden. Der bereits christianisierte Herrscher auf der Brandenburg hatte sich diplomatisch so geschickt verhalten, dass ein 1147 in Gang gesetzter Kreuzzug um dieses Slawenreich einen weiten Bogen machte.

Über Havelberg fielen die Heere in östlich gelegene Regionen bis hin nach Stettin ein. Sehr wahrscheinlich beteiligten sich die Plothos und Jerichows an dem sogenannten Wendenkreuzzug. Denn in der Folge kamen sie zu reichlich Besitz und Einfluss in eroberten Gebieten. Die Herren von Plotho setzten sich bei Kyritz und Wusterhausen fest, die Herren von Jerichow im Ländchen Friesack.

Wie Historiker Schultze berichtet, sind die Herrschaftsrechte beider Geschlechter schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erloschen. Während aber die Jerichows sozusagen in der geschichtlichen Mottenkiste verschwanden, machten die Plothos weiter von sich reden.

Parey an der Elbe (etwa 15 Kilometer westlich Genthins) wurde zu ihrem Stammsitz. Im Jahr 1383 waren sie überdies vom Magdeburger Erzbischof mit dem nahen Zerben belehnt worden, wo  Elisabeth Freiin und Edle von Plotho 1853 als jüngstes von fünf Kindern zur Welt kam. Ihr Geburtsort ist heute Teil der Einheitsgemeinde Elbe-Parey im Landkreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt).

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