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Ex-Nationalspieler
Friedrichsthaler Eishockey-Legende steht mit 78 immer noch auf dem Eis

Stefan Zwahr / 16.05.2019, 15:14 Uhr
Friedrichsthal (MOZ) Ex-Nationalspieler Wolfgang Plotka aus Friedrichsthal ist Mitglied der Hall of Fame. Der 78-Jährige steht noch immer regelmäßig auf dem Eis und spielt an den ausgefallensten

Das Grundstück am Malzer Kanal ist top gepflegt, das Haus gemütlich eingerichtet. Die Plotkas haben es schön in Friedrichsthal. In Berlin wohnend, nutzten sie das Anwesen von 1965 an als Rückzugsort für die Freizeit. Seit 1998 hat das Ehepaar im Oranienburger Ortsteil seine feste Heimat gefunden – und mit ihr eine wahnsinnige Sammlung von Zeugnissen der Eishockey-Geschichte.

Diese schrieb Wolfgang Plotka über Jahrzehnte mit. Mit dem SC Dynamo war er dreifacher Deutscher Meister ("So hieß das damals tatsächlich"), nahm an den Olympischen Spielen in Grenoble und an sieben Weltmeisterschaften teil. Am heutigen Donnerstag feiert der 157-fache DDR-Nationalspieler seinen 78. Geburtstag. Anzumerken ist dem vitalen Rentner sein Alter nicht. "Der Sport hält ihn fit", sagt Ehefrau Karin. Das Programm: Montags Volleyball bei Fichte Friedrichsthal, an zwei Tagen in der Woche Fitness – und natürlich Eishockey bei den Eisbären.

Für diese steht Plotka noch regelmäßig als Spieler auf dem Eis. "Was die anderen rennen, macht er mit Köpfchen", bemerkt seine Gattin. Der Verteidiger, der sein Leben lang die Rückennummer 2 trug, genießt jeden Auftritt. "Ich liebe den Sport bis zum heutigen Tage. Eishockey ist mein Leben gewesen und wird es bis zum letzten Atemzug bleiben." Dass er älter geworden ist, merke er schon, trägt das aber mit Fassung. "So lange du Schmerzen hast, lebst du noch."

Der Skandal von 1966

Schmerzen gehören beim Eishockey dazu. Eine Verletzung kostete Plotka (der sich in früher Jugend auch als Ringer versucht hatte) 1961 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Ein Jahr später bekamen die DDR-Spieler kein Visum für die Titelkämpfe in Colorado Springs (USA). Dennoch sollten für den Dynamo-Spieler noch viele Auftritte auf internationaler Bühne folgen. "Bei der WM haben wir immer in der A-Gruppe gespielt. Das war für die kleine DDR schon eine Leistung." Bei der WM 1966 überraschte das Team in Jugoslawien mit Siegen gegen Schweden, Finnland und die BRD und wurde Fünfter. "Eingebettet war wie immer die Europameisterschaft. Das Ergebnis war ein Skandal." Bei diesem Turnier existieren bis heute unterschiedliche Versionen über das Abschlussergebnis. Eine Variante berücksichtigt wie in den Vorjahren allein die WM-Platzierung als Kriterium, die andere Version nur die Spiele der europäischen Teams untereinander. Bei Version A wird Schweden, in Version B die DDR als Bronzemedaillengewinner geführt. Letztere wird seit 1999 präferiert. Plotka: "Nach 33 Jahren haben wir damals in Augsburg unsere Medaille bekommen. Das war dann eine verspätete kleine Anerkennung." Zwei Jahre später wurde der Berliner in die deutsche "Hall of Fame" aufgenommen. Die Höhepunkte seiner Karriere will er bis heute nicht gewichten. "Die Olympischen Spiele waren ein tolles Erlebnis. Aber jede der sieben WM-Teilnahmen war etwas Besonderes."

"Meisterschaft war wie Inzucht"

Vom einen auf den anderen Tag beendete Wolfgang Plotka seine internationale Laufbahn. "Ich hätte länger spielen können. Mit 30 stand ich ganz gut im Saft. Aber der Reiz war weg." Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei Olympia 1968 (achter Platz) wurde Eishockey in der DDR kaum noch gefördert. "Die DDR sollte nur noch bei der B-WM starten. Ich durfte nicht mehr Nationalmannschaft spielen, weil ich zu gut war." Die Leistungszentren wurden aufgelöst – mit Ausnahme der Dynamo-Teams in Berlin und Weißwasser. "Die Meisterschaft war wie Inzucht", so Plotka. In Berlin stießen die Dauervergleiche auf wenig Interesse. "Für Weißwasser war es das Leben. Die hatten nichts anderes und waren euphorischer."

Die Zeit nach der Wende

Aus Enttäuschung über die Entwicklungen gründeten sich Betriebssportgemeinschaften. Die jeweiligen Bezirksmeister trafen sich zur Bestenermittlung. An dieser nahm Plotka 1982 mit der BSG Monsator teil. Nach der Wende spielte er zunächst in Thüringen und bis 2001 für Halle/Saale ("So bin ich noch Sachsenmeister geworden") und fungierte zudem bis 1991 als Schiedsrichter. "Ich war 20 Jahre als Referee auf internationaler Ebene unterwegs." Einer der Höhepunkte war die Leitung des Europapokalendspiels zwischen ZSKA Moskau und Dukla Jihlava. "Vor etwa drei Jahren traf ich dann auf Sven Felski." Dieser wurde mit den Eisbären Berlin sechs Mal Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – und ist nun Teamkollege von Wolfgang Plotka bei den Eisbären Juniors. "Da sind viele ehemalige Nationalspieler dabei." Diese sind regelmäßig unterwegs. So kann der Friedrichsthaler von Reisen und Spielen in Australien, Kanada, Dubai und Singapur (wo in der vierten Etage eines Einkaufszentrums gespielt wurde) berichten. "Unser Leben war nie langweilig. Eigentlich bin ich auch Meister von Asien und Australien."

Gedanken zur WM

Die Weltmeisterschaft, die derzeit in der Slowakei stattfindet, wird im Hause Plotka natürlich verfolgt – "wenn nicht gerade Training ist". Wer sich durchsetzen wird, sei noch nicht absehbar. "Wie beim Fußball gibt es heutzutage eine ganz andere Breite. Da mischen Nationen mit, die früher keine Rolle gespielt haben. Und die Mannschaften bekommen fast alle noch Spieler dazu, die in der NHL ausscheiden." Das deutsche Team dürfe nicht am Olympia-Auftritt von 2018 gemessen werden. "Da wuchsen sie als Finalist über sich hinaus. Ich wäre glücklich, wenn sie nun die nächste Runde erreichen."

Zur Person

Wolfgang Plotka wurde am 16. Mai 1941 in Berlin geboren. Seit 1998 lebt er in Friedrichsthal.

Als Eishockeyspieler feierte der Familienvater große Erfolge. Die Folge: Im Jahr 2001 erfolgte die Aufnahme in die "Hall of Fame" des deutschen Eishockeymuseums.

Von 1958 bis 1971 spielte der Verteidiger beim SC Dynamo Berlin, wurde 1966, 1967 und 1968 DDR-Meister.

Auf internationaler Bühne gab es Auftritte bei den Olympischen Winterspielen 1968 und bei den Weltmeisterschaften von 1963 bis 1970.

Nach 157 Länderspielen erfolgte zunächst der Rückzug. Dann kehrte Plotka aber zurück, trat Anfang der 80er-Jahre mit der BSG Monsator Berlin bei der DDR-Bestenermittlung an.

Nach der Wende spielte der frühere Ringer in der Saison 1992/93 für den Berliner SC und später für Brunndöbra und Halle/Saale.⇥sz

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