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Sportlerporträt
Großes Ziel Tokio 2020

Nach dem Sieg des JC 90 in der Judo-Landesliga nimmt Betreuer und Kämpfer Oliver Lodtka (links) den Pokal von Landesligaleiter Klaus-Dieter Mielich entgegen.
Nach dem Sieg des JC 90 in der Judo-Landesliga nimmt Betreuer und Kämpfer Oliver Lodtka (links) den Pokal von Landesligaleiter Klaus-Dieter Mielich entgegen. © Foto: michael benk
Kerstin Bechly / 09.11.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 10.11.2019, 11:10
Frankfurt (Oder) (MOZ) Oliver Lodtka ist so etwas wie ein Tausendsassa. Im Gespräch kristallisiert sich aber schnell heraus, dass er intensiv und mit großem Rückhalt seiner Familie auf ein Ziel hinarbeitet. Der 31-Jährige will die Olympischen Spiele 2020 in Tokio als Physiotherapeut der deutschen Bahnradsportler miterleben.

"Als Sportschüler dachte ich, ich werde mal der weltbeste Judoka. Die Bronzemedaille des Frankfurters Marco Spittka 1996 in Atlanta war für mich Antrieb, von Olympia zu träumen. Doch ich war zu oft verletzt, zu lieb auf der Matte. Ich habe überlegt, wie ich es doch dorthin schaffe. Und kam drauf: Als Physiotherapeut kann das etwas werden", erzählt Oliver Lodtka offenherzig über die Entscheidung zu Abi-Zeiten.

In Eisenhüttenstadt ließ sich der gebürtige Frankfurter ausbilden, konnte aufgrund der räumlichen Nähe weiterhin trainieren und kämpfte fast zehn Jahre bis Ende 2015 für das 1. Bundesliga-Team des Frankfurter Judo Clubs 90. Während der Ausbildung absolvierte Lodtka Praktika in der Reha Nord, konnte dort seine Leidenschaft Sport ausleben und lernte den Physiotherapeuten des Frankfurter Handball-Clubs, Martin Bugge, kennen. "Er hat mir gezeigt, wie man ein guter Physiotherapeut wird – nur über Weiterbildung." Bei einer solchen zur manuellen Therapie saß Lodtka neben Hagen Bernutz. Es war der Anfang einer Win-Win-Situation: "Hagen ist deutlich älter und ich sollte ihm beim Lernen helfen. Meine Antwort war: Dann bekomme ich deinen Job. Wir haben beide drüber gelacht," beschreibt Lodtka. Bernutz hatte damals für ein Profi-Radsportteam in der World-Tour als Physiotherapeut gearbeitet.

"Als ehemalige Zehnkämpfer hat mein Papa seine Begeisterung für verschiedene Sportarten an mich weitergegeben. Sehr beeindruckend waren für mich die Duelle bei der Tour de France und das Olympia-Gold der Mannschaftsverfolger in Sydney", erklärt Lodtka seine Affinität für Radsport. Und das Lachen mit Bernutz sollte kein unverbindliches bleiben. Der Ältere empfahl ihn weiter und so durfte Lodtka 2014 mit zu einer Rundfahrt in den Pyrenäen, zeigte, dass er belastbar ist und wurde wieder eingeladen. Über Kontakte zum einstigen ASK-Auswahlfahrer Frank Augustin erfuhr Lodtka, dass Bundestrainer Sven Meyer einen neuen Physiotherapeuten sucht. "Ich wurde zu zwei kleinen Rundfahrten nach Polen mitgenommen, danach waren die Jungs und der Trainer begeistert. 2016 konnte ich bei der Vorbereitung für die Spiele in Rio de Janeiro reinschnuppern. Da war ich der Back Up, aber es war seitdem klar, dass ich auf Olympia hinarbeite", beschreibt Oliver Lodtka den weiteren Weg.

Zu der Zeit hatte sich Sven Meyer schon mit den Ambitionen seines strebsamen Mitarbeiters angefreundet, der Medizin studieren wollte. Lodtka war in der Reha Nord mit seiner direkten Art immer mal mit Ärzten angeeckt und wollte ihnen zeigen, dass er mindestens genauso gut ist wie sie. Lodtka und seine Freundin Annekathrin Zacharias bewarben sich beide für ein Studium der Humanmedizin in Magdeburg. Doch vor gut drei Jahren wurde zwar Lodtka angenommen, seine Freundin und damalige Handballerin beim FHC nicht. "Dabei hatte sie ein viel besseres Abi als ich", wundert er sich noch immer.Also begann er mit dem Studium, während sie in der heimischen Region beruflich Fuß fasste. Das kleine Familienglück macht seit zweieinhalb Jahren Tochter Alina perfekt, groß Hochzeit gefeiert wurde Ende September.

Oliver Lodtka hat es in diesem Gefüge, dass gemeinschaftliches Lernen mit Kommilitonen einschließt, geschafft, das Physikum zu bestehen, sagt mit seiner Erfahrung aus der Schulzeit: "Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel lernen kann." Er hat in der Zeit auf viele Stunden Schlaf verzichtet, um in den wenigen Freiräumen "mit Vollgas Papa sein zu können" und Zeit mit Annekathrin zu verbringen. "Der Leistungssport hatte mir beigebracht, was mit Kampf, Verzicht und Willen zu schaffen ist." Ohne dem wäre er wohl auch nicht direkt nach der Physikum-Prüfung zu einer weiteren Schulung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nach Köln gefahren, deren Abschluss Voraussetzung für die Mitarbeit in Tokio ist.

Ach ja, und mit dem Ringen hat Oliver Lodtka vordrei Jahren auch noch begonnen. Die Regionalliga- Ringer um Marc Wentzke suchten Freistiler und Judoka kennen Beinarbeit aus ihrer Sportart. Zudem bestehen weiterhin gute Kontakte zu einstigen Sportschul-Kumpels wie Erik Weiß, Brian Tewes und Damian Hartmann. Von ihnen lernt er genauso wie in einem Verein in Magdeburg, wie man ringt. Dort geht es außerdem einmal wöchentlich zum Judo-Training, auch, weil er dort ehemalige Freunde wie Sebastian Lehmann trifft.

Seine Eltern Irina und Hardy, von denen Oliver Lodtka voller Hochachtung spricht, machen sich Sorgen, wie ihr Sohn das alles schafft. Der wirkt voll in sich ruhend, sagt: "Anni und ich, wir sind entspannte Menschen. In Notsituationen tauschen einen kurzen Blick aus, dann lachen wir uns an und es geht weiter. Wäre Anni nicht so sportbegeistert, ginge das alles auch nicht. " Von seiner Hochschule bekommt der Student ebenso Freiräume. Zum Glück fallen die Radsport-Einsätze meistens in die Semesterferien. Außerdem sei da noch seine "geniale Familie" mit Eltern und Schwiegereltern, die unterstützen – damit zum Beispiel auch Anni jetzt beim HSC 2000 weiter auf Torejagd gehen kann. Selbst Treffen mit Freunden bleiben dank guter Organisation möglich.

Anfang Oktober kümmerte sich Oliver Lodtka kurzfristig bei der Bahn-EM in Apeldoorn (Niederlande) ein paar Tage um "seine" Männer, kurz nach der Rückkehr sicherte er sich mit dem JC-90-Team den Sieg in der Landesliga, ging am Abend als Ringer auf die Matte. Ein Bisschen-verrückt-Sein nennt das mancher. Was Lodtka Hobby und Ziel vereinfacht, ist, dass der Nationalkader regelmäßig in der Frankfurter Oderlandhalle zu Lehrgängen und Wettkämpfen weilt, wie im Dezember zu den Winterbahnrennen und den deutschen Omnium-Meisterschaften. Auf sein Dabeisein freuen sich selbst die Mechaniker. Warum? Lodtka lacht: "Hagen Bernutz hat mir gesagt: Das Wichtigste ist, dass es den Mechanikern gut geht. Dann rollen die Räder makellos und die Voraussetzungen für Topleistungen der Sportler sind gegeben." So verwöhnt er die Schrauber mal mit einer Massage, mal mit einem kühlen Getränk. Ansonsten reichen seine Aufgaben von der jederzeit abzusichernden Versorgung aller, selbstgemachte Müsliriegel eingeschlossen, bis eben hin zum Transport von Wettkampfmaterialien mit dem Auto durch ganz Europa und Behandlungen der Sportler.

Erst im Juni 2020 entscheidet sich nach der Prüfung beim DOSB für Oliver Lodtka, ob es mit Olympia tatsächlich klappt. Er ist zuversichtlich. "Als Judoka habe ich Japan als Mutterland des Sports nie erlebt. Das könnte ich dann nachholen, dann auch noch die Olympischen Spiele …" Lodtkas Augen leuchten. 2024 will er dann wieder mit zu den Spielen. Diesmal in Paris und am besten als Arzt.

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