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Sportvereine
Es herrscht Alarmstimmung

Ein Bild aus besseren Tagen: Hier können die Fußballer des FSV Bernau nach einem Treffer im Barnim-Derby der Brandenburgliga gegen die Nachbarn von Preussen Eberswalde noch jubeln. Derzeit aber ist die Stimmung eher gedrückt.
Ein Bild aus besseren Tagen: Hier können die Fußballer des FSV Bernau nach einem Treffer im Barnim-Derby der Brandenburgliga gegen die Nachbarn von Preussen Eberswalde noch jubeln. Derzeit aber ist die Stimmung eher gedrückt. © Foto: Britta Gallrein/MOZ
Britta Gallrein / 24.03.2020, 17:30 Uhr
Bernau (MOZ) Es wird nach der Krise nichts mehr so sein wie vorher im Amateur-Fußball", prophezeit Olaf Skotnik. Der Vorsitzende des Fußball-Brandenburgligisten Einheit Bernau hofft, dass sein Verein die Krise überstehen wird. "Es ist momentan aber zu früh, eine Prognose darüber abzugeben. Wir lassen unsere Sponsoren derzeit in Ruhe, denn ich glaube, es ist jetzt nicht die richtige Zeit dafür. Die haben jetzt alle andere Sorgen. Aber wir haben ja auch keine Ausgaben dadurch, dass nichts stattfindet."

Chance für den Neuanfang

Vielleicht sei die Krise ja auch eine Chance für einen Neuanfang in Sachen Aufwandsentschädigung für die Spieler. "Es hat in den letzten Jahren ja eine Spirale nach oben bei den Forderungen der Spieler gegeben, die schon heftig war. Vielleicht merken die jetzt mal, dass es eben doch nur ein Hobby ist. So könnte die Krise einiges bereinigen."

Auch beim Nachbarn Union Klosterfelde ist man guter Dinge, die Corona-Pandemie gut zu überstehen. "Wir bieten neben dem Fußball ja auch Tischtennis, Volleyball und Frauengymnastik an. Es ist natürlich schade, dass wir das jetzt alles ruhen lassen müssen und dass die sozialen Kontakte weg brechen, aber finanziell denke ich, sind wir als Verein nicht gefährdet", sagt Vereinsvorsitzender Rolf Weinhold.

In Klosterfelde ist das Sponsoring auf breite Schultern verteilt. "Wir haben 46 Bandensponsoren, die zwischen 500 und 12 000 Euro zahlen, dazu kommen noch Werbung auf Fahnen. Wir sind da breit aufgestellt", erklärt Rolf Weinhold. "Vor drei, vier Jahren, als sich der Verein neu sortiert hat, gab es zwei Großsponsoren, die den Verein unterstützen und Richtung vierte Liga führen wollten. Wir als Vorstand haben uns damals dagegen entschieden und wollten es lieber auf viele Firmen verteilen", erklärt er. Eine Entscheidung, die dem Verein jetzt zugute kommen könnte, weil die finanzielle Last verteilt ist.

Zuversicht bei Preussen

Auch bei Preussen Eberswalde ist man noch zuversichtlich. "Es kann sich ja ständig ändern, aber bislang haben wir noch keine Probleme. Es hat sich bisher bei uns kein Sponsor gemeldet, der abspringen will", verkündet der Vorsitzende des Brandenburgligisten, Danko Jur.

"Es ist nicht absehbar, wohin uns diese Krise führen wird", sagt Mark-André Krüger, Vorsitzender des Fußball Brandenburgligisten FSV Bernau. Der Bauunternehmer ist der einzige Sponsor der ersten Männermannschaft. "Zum Glück trifft es unsere Branche derzeit noch weniger als viele andere, aber auch das kann sich natürlich ändern, wenn sich zum Beispiel Lieferengpässe ausweiten. Derzeit läuft es aber noch", berichtet Krüger. Für die übrigen Teams des Vereins gibt es andere Sponsoren. "Von denen gibt es bislang aber auch keine Anzeichen, dass die weg brechen."

Bei einem der größten Vereine im Barnim, dem SSV Lok Bernau, beschäftigt man sich derzeit dagegen schon intensiv mit dem Thema. "Wir hoffen derzeit alle, dass sich nach den Osterferien wieder alles normalisiert und dass unsere Camps und Ferienfahrten stattfinden können", so der Vereinsvorsitzende Sebastian Weege. "Wenn das nicht klappt, wird es schwierig." Derzeit müsse man zunächst alle Kosten minimieren. "Eine Überlegung ist da natürlich auch, die fest angestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken." Man werde die weitere Entwicklung daher ständig beobachten. "Unser Verein hat zum Glück Rücklagen. Also zwei Monate Stillstand können wir irgendwie verkraften, aber dann wird es eng."

Auch die Spieler der ersten Männermannschaft, die in der 2. Basketball Bundesliga ProB spielt, müssen mit Einschränkungen rechnen. Die ProB hat die Saison vorzeitig beendet. "Da kommt es auf die Verträge an, die unterschiedlich sind. Eventuell müssen wir da auch über Kurzarbeit nachdenken", kündigt Sebastian Weege an. "Wir sind derzeit einfach noch in der Sichtung und müssen lernen, wie wir den Verein gut durch die Krise bekommen."

Wie nach dem Mauerfall

Dass auch Sponsoren weg brechen könnten sei ebenfalls ein Szenario, mit dem man rechnen müsse. "Wir haben zum Glück auch mehrere Sponsoren statt einen Großsponsor. Auch da können wir nur abwarten, wie es mit denen weiter geht", sagt Weege.

"Für alle Vereine ist das eine ganz neue Phase. Damals nach dem Mauerfall, das war auch schwierig, weil man alles neu strukturieren musste. Das war eine Situation, die man gut mit der heutigen vergleichen kann." Die Ungewissheit und Verunsicherung sei  damals ähnlich gewesen.

Sportbund-Präsident stellt Hilfe in Aussicht

Der Landessportbund richtet sich in einer Erklärung an seine Vereine.

Präsident Wolfgang Neubert dankt darin allen Funktionären und Sportlern "für Ihr umsichtiges und bedachtes Verhalten in dieser so außergewöhnlichen Situation". Die im Sportland umgesetzten Maßnahmen "werden ihren Teil zur Verlangsamung der Corona-Pandemie beitragen". Die gesellschaftliche Isolation sei notwendig, falle den Sportlern aber besonders schwer.

Neben den Ängsten im Privat- und Berufsleben würde viele nun auch die bange Frage beschäftigen, welche finanziellen Auswirkungen die Pandemie auf ihren Verein hat. "Umso mehr ist die Solidarität und ein fairer Umgang in unserer Sportfamilie gefragt. Denn nur, wenn jeder einzelne von uns seinen ganz persönlichen Beitrag in dieser Krise leistet, können wir größeren Schaden von der gesamten Sportfamilie abwenden."

Sportvereine und Verbände würden seit Jahren ehrenamtliche Leistungen bieten, die nicht mit Geld aufzuwiegen und die durch die Mitgliedsbeiträge der Einzelnen auch nicht "bezahlt" sind. "Ich bitte deshalb alle Mitglieder, zu ihrem Verein zu stehen und nicht durch Beitragsentzug oder Austritt in dieser schwierigen Situation zusätzliche Belastungen für die vielen ehren- und hauptamtlichen Mitstreiter in den Vereinen zu schaffen."

Härtefälle werde es geben, "aber dafür können sicher Lösungen vor Ort gefunden werden". Von Seiten des Bundes und des Landes sei bereits Hilfe für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens avisiert – "und dabei wird mit Sicherheit auch der Sport bedacht". Was, wieviel und wofür, sei natürlich noch nicht geklärt.

Alle Einbußen werde der Staat nicht ausgleichen können. "Wir als Landessportbund stehen in engem Kontakt mit unserem zuständigen Ministerium. Wir haben vereinbart, dass sich Vereine mit existenzbedrohenden finanziellen Problemen direkt an uns, an den LSB wenden sollen."

Anfragen zu diesem Thema per Mail an coronahilfe@lsb-brandenburg.de.Weitere aktuelle Informationen vom Verband gibt es unter www.lsb-brandenburg.de.⇥red

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