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Vereinsleben
Basdorfer suchen die Chance in der Krise

Meister an der Rolle: Niclas Ernst vom FSV Basdorf beim Klopapier-Jonglieren. Der 20-Jährige schnitt die Videos seiner Mannschaftskollegen zusammen.
Meister an der Rolle: Niclas Ernst vom FSV Basdorf beim Klopapier-Jonglieren. Der 20-Jährige schnitt die Videos seiner Mannschaftskollegen zusammen. © Foto: Britta Gallrein/MOZ
Britta Gallrein / 27.03.2020, 19:52 Uhr
Basdorf (MOZ) Der FSV Basdorf hat seit der Corona-Pandemie seinen Bekanntheitsgrad vermutlich um 100 Prozent gesteigert. War der Barnimer Verein, dessen 1. Männermannschaft nach letztem Stand in der Kreisliga West gegen den Abstieg kämpft, zuvor wohl nur ortsansässigen Fußballfans ein Begriff, so verbreitet sich derzeit ein Video der Kicker deutschlandweit im Netz.

Schon vor zwei Wochen machten die Basdorfer Fußballer von sich reden. Sie waren eines der ersten Sport-Teams, die Hilfe während der Krise anboten. Initiator war Marcus Bock, Co-Trainer der Ü 35. "Als das mit der Krise losging und es hieß, dass ältere Menschen als Risikopatienten am besten zu Hause bleiben sollen, habe ich mich gefragt, wie ich sie unterstützen könnte, zum Beispiel mit Hilfe beim Einkaufen." Marcus Bock fand einen Mitstreiter. "Ich habe unser Vorstandsmitglied Alexander Spranger angerufen und interessanterweise hatte er genau die selbe Idee." Flugs fragten die beiden bei den Fußballern nach und stießen auf große Hilfsbereitschaft. "Alle waren sofort bereit, mitzumachen", berichtet Bock. Er erstellte eine WhatsApp-Gruppe, über die seitdem alles koordiniert wird.

Wer Hilfe benötigt bei Gängen zum Einkaufen oder zur Apotheke, kann sich telefonisch bei Marcus Bock oder Alexander Spranger melden. "Wir wissen ja ganz gut, welcher Helfer wo in der Nähe wohnt und bringen die beiden dann zusammen", erklärt Bock das Prozedere. "Die beiden sprechen sich ab und vereinbaren so etwa zwei Einkäufe pro Woche. Der Helfer holt bei den Senioren den Einkaufszettel und Geld ab und stellt danach Einkäufe und Wechselgeld vor die Tür." Über entsprechende Hygienemaßnahmen wurden die Fußballer aufgeklärt.

20 Fußballer sind dabei

Inzwischen unterstützenden die Fußballer rund 20 Senioren auf diese Art und Weise. "Das ist schon gut, aber es könnten immer noch mehr sein", findet Marcus Bock. "Erst heute morgen hab ich im Geschäft wieder so viele ältere Leute beim Einkaufen gesehen. Ich spreche die dann auch an und biete Hilfe an, aber es sind immer noch zu viele, die es lieber nicht nutzen." Warum, darüber kann Bock nur spekulieren. "Vielen sagen, sie seien doch noch nicht so alt und sie bräuchten ihre Bewegung. Bei vielen ist aber denke ich auch der Grund, dass sie sich ihre Hilfsbedürftigkeit nicht eingestehen wollen."

Die Basdorfer werben im Internet für die Aktion und haben Flyer verteilt. Darauf sind Bock und Spranger mit Portraitfotos zu sehen. "Damit wollen wir Vertrauen aufbauen. Aus diesem Grund sollen die Leute auch einen festen Helfer bekommen, der sie begleitet und nicht ständig wechselnde Leute." Mit ihren 20 Helfern könnten die Basdorfer etwa 60 Menschen versorgen, wirbt Marcus Block, der sich darüber freuen würde, wenn andere Vereine nachziehen.

Und wirklich macht das Beispiel Schule. Auch Eintracht Wandlitz ist inzwischen bei der Nachbarschaftshilfe dabei (siehe Infokasten).

Mit ihrem Hilfsangebot haben es die Basdorfer in die nationale Medienlandschaft geschafft. In der Mediathek der "Welt" wird unter dem Titel "Corona-Krise - Shutdown Stadt vs. Land" über ihre Aktion berichtet.

Doch nicht nur damit machen die Basdorfer derzeit von sich reden. Auch ihr Video unter dem Motto #wirbleibenzuhause auf der Facebookseite des Vereins wurde bis Donnerstag 10 000mal aufgerufen. Bei der #stayathomechallenge zeigen die Fußballer, dass sie nicht nur mit dem Ball jonglieren können, sondern auch mit den derzeit heiß begehrten Klopapierrollen eine gute Figur abgeben. Im Film ist jeweils ein Spieler zu sehen, der die Rolle ein paarmal von Fuß zu Fuß springen lässt und sie dann weiter schießt.

Spaß mit ernster Botschaft

Die Idee kam von Spieler Max Langnick. Er hatte ein Video gesehen, in dem ein Fußballer das Klopapier-Jonglieren zeigte. So kam ihm der Gedanke, dies mit mehreren Spielern zu verbinden. Und mit einer Botschaft. "Wir bitte euch alle: Bleibt zu Hause, haltet euch an die Regeln, die uns allen schwer fallen, aber die durchgezogen werden müssen, damit wir alle endlich wieder Fußball spielen, uns treffen und das Leben genießen können", appelliert er, während im Hintergrund der Klassiker "Football`s coming home" zu hören ist.

Niclas Ernst hat die einzelnen Video am Ende zusammen geschnitten. "Bei manchen hat es schon ein paar Anläufe gebraucht, bis sie das im Kasten hatten", erzählt der 20-jährige Mittelfeldspieler lachend.

"Komme bald ins Stadion"

Für ihr cooles Videos bekommen die Basdorfer viel Zuspruch. Ein Kommentar bei Facebook: "Ich habe euch noch nie spielen sehen. Der Punktspielbetrieb wird irgendwann weitergehen und dann bin ich im Stadion. Bei der Klopapierrollenbehandlung, was erwartet mich dann mit Ball?"

Übrigens: In der nächsten Woche wird es noch eine Überraschung auf der Facebookseite geben, verspricht der Verein.

Hier gibt es den Kontakt zu den Helfern:

FSV Basdorf: Wer in Basdorf wohnt und zur Risikogruppe gehört, kann sich für Hilfe beim Einkaufen wenden an Alexander Spranger (Telefon0179 8060432) oder an Marcus Bock (0162 7718021).

Eintracht Wandlitz: Bürger aus Wandlitz können das Kontaktformular auf der Internetseite des Vereinsausfüllen (www.eintracht-wandlitz.de), sich über die Facebook-Seite an die Fußballer wenden oder unter der Telefonnummer 0171 2292900.⇥bag

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