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Frankfurter Ringer in der Corona-Krise
Laufeinheiten statt Mattentraining

Die Brüder Niklas und Franz Richter (rechts) trainieren nach dem Laufen noch mit dem Zugseil im heimischen Garten.
Die Brüder Niklas und Franz Richter (rechts) trainieren nach dem Laufen noch mit dem Zugseil im heimischen Garten. © Foto: Jörg Richter
Jörg Richter / 27.03.2020, 19:55 Uhr
Frankfurt(O (MOZ) Die Deutschen Meisterschaften wurden mit der Entscheidung des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) auf unbestimmte Zeit verschoben, die internationalen Meisterschaften wie die U-23-Europameisterschaft in Salzburg/Wals stehen auf der Kippe. Für die DRB-Auswahlringer Franz Richter,  Andre Ginc (beide RSV Hansa 90 Frankfurt) und Christian John (Eisenhüttenstädter RC), die diese Jahreshöhepunkte im Blick haben, eine schwere Zeit.

"Ringen ist eben ein Kontaktsport, die Ansteckungsgefahr daher besonders groß", sagt Franz Richter, der sein Training in den Kraftraum verlegt hat. Der Sportsoldat war am Anfang der Woche schon auf dem Weg nach Heidelberg, wo die deutsche Ringerauswahl zuletzt trainierte. Er wurde von Bundestrainer Michael Carl jedoch zurückgepfiffen, denn der dortige Olympiastützpunkt, in dem auch die Bundeswehr-Sportfördergruppe trainiert, schloss wie viele andere Trainingsorte ebenfalls die Pforten. "Die Sporthallen in Heidelberg sowie am Bundesstützpunkt Frankfurt sind geschlossen, Mattentraining regelrecht untersagt und damit Einfallsreichtum gefragt", berichtet Richter. Der Schwergewichtler trainierte zuvor gemeinsam mit Freundin Jule, die als Kanutin ebenfalls die leistungssportliche Schiene eingeschlagen hat und in den letzten beiden Jahren jeweils U-23-Weltmeisterin im Einer wurde, in einem abgeschotteten Kraftraum.

Ab dieser Woche ist für den Sportsoldaten der Bundeswehr-Sportfördergruppe Heimtraining angesagt. Franz Richter bestellte sich im Internet Kraftgeräte ins Elternhaus nach Leipzig, wo er mit seinem Bruder Niklas (17), der sich ebenfalls dem Ringkampf verschrieben hat, und seiner Schwester Lina Marie (15), die beim LHV Leipzig Nord Handball spielt, im heimischen Wohnzimmer trainiert, bis sich die Lage wieder entspannt.

Andrej Ginc und Lisa Ersel sind seit vielen Jahren ein Ringerpärchen und haben seit geraumer Zeit einen gemeinsamen Haushalt in Frankfurt in der Nähe des Kleistparks. Nun trainieren beide in der Wohnung aber auch im Park. Ausdauerläufe und Kraftübungen im Freien bestimmen den Trainingsplan der beiden Ausnahme-Ringer, die beide schon internationale Meisterschaftsmedaillen im Nachwuchsbereich gewannen.

Für Andrej Ginc liegt auch die Polizeiausbildung auf Eis. "Wir hätten kommende Woche Prüfung gehabt, ich habe mich gut darauf vorbereitet, doch nun fällt alles aus", berichtet der angehende Polizist. "Leider haben wir sehr unterschiedliche Gewichtsklassen, da wären Ringkämpfe untereinander nicht fair", lacht Ginc, der 2018 mit dem Europameistertitel bei den Junioren seinen bislang größten Erfolg feierte. Seine Lebensgefährtin Lisa Ersel, die ebenfalls am Bundesstützpunkt Frankfurt trainiert, jedoch für ihren Heimatverein SV Luftfahrt Berlin startet, wurde 2015 bei den Kadettinnen Europameisterin und holte im gleichen Jahr Bronze bei den Weltmeisterschaften dieser Altersklasse. Ein Jahr später gewann Lisa Ersel EM-Silber bei den Kadettinnen und auch 2017 jubelte die Hauptstädterin bei den Europameisterschaften der Juniorinnen ebenfalls über eine Silbermedaille.

Olympiaticket bereits vergeben

Kaum zum Trainieren kommt derzeit Schwergewichtler Christian John, der Sonderschichten bei der Polizei schieben muss. "Da ist an Leistungssport kaum zu denken", berichtet der Eisenhüttenstädter, der 2012 den Europameistertitel bei den Junioren gewann, 2015 und 2016 bei der U 23 jeweils Bronze holte und 2017 bei den kontinentalen Titelkämpfen der Männer nur hauchdünn an Bronze scheiterte.

In der schwersten Gewichtsklasse ist das Olympiaticket für Tokio bereits in Deutschland, Eduard Popp (VfL Neckargartach) holte sich die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen mit seinem 5. Platz bei den Weltmeisterschaften 2019 in Kasachstan.

Heimtraining gibt es auch für den Rest des Ringerteams aus dem Stützpunkt Frankfurt. So baute Fabian Jänicke das Arm-Ergometer im Trainingszentrum kurzerhand ab, der Rettungssanitäter der Berufsfeuerwehr übt nun zu Hause für die kommende Regionalliga-Saison, bis die Hallensperre aufgehoben wird.

"Es gibt zwar grobe Trainingspläne, doch jeder muss sehen, was er zu Hause davon umsetzen kann. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt", sagt Franz Richter, der diese Zeit nach einer langen verletzungsbedingten Pause zum Grundlagentraining nutzen will.

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