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Fußball
"Eine echte Katastrophe"

Nachdenklich gestimmt: Marcus Lemke kann aufgrund einer hartnäckigen Bauchmuskel-Verletzung in der Spielpause nur bedingt an seiner Fitness arbeiten. Der MSV-Kapitän hofft, bald wieder gesund und in dieser Saison auch noch einmal spielen zu können.
Nachdenklich gestimmt: Marcus Lemke kann aufgrund einer hartnäckigen Bauchmuskel-Verletzung in der Spielpause nur bedingt an seiner Fitness arbeiten. Der MSV-Kapitän hofft, bald wieder gesund und in dieser Saison auch noch einmal spielen zu können. © Foto: Gunnar Reblin
Gunnar Reblin / 29.03.2020, 10:15 Uhr
Neuruppin (moz) Für viele verletzte Sportler bietet die Zwangspause infolge der Corona-Krise die Möglichkeit, ihre Blessuren ausheilen zu lassen oder nach einer Verlettung mit mehr oder auch weniger Training wieder fit zu werden. Bei Marcus Lemke läuft die Rekonvaleszenz, also der Gesundungsprozess, jedoch eher schleppend. Der 29-jährige Kapitän des Fußball-Brandenburgligisten MSV Neuruppin plagt sich bereits seit Februar mit einem Faserriss im Bauchmuskel herum. Wie er mit den Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie klar kommt und wann er hofft, wieder Fußball spielen zu können, erklärte der MSV-Kapitän im Gespräch mit Sportredakteur– telefonisch versteht sich. Darüber hinaus bewertet "Lemmi", wie er gerufen wird, die bisherige Saison des MSV, welche Rolle er bald wieder einnehmen will und verrät, was er von Geisterspielen hält.

Herr Lemke, in diesen Tagen kommt zuerst stets die Frage nach der Gesundheit. Wie geht es Ihnen?

Marcus Lemke: Gut. Danke. Zumindest was die Corona-Frage betrifft. Bezogen auf die Auswirkungen, die damit einhergehen und was meine aktuelle Verletzung betrifft, muss ich dann allerdings antworten: eher so lala.

Stichwort Verletzung: Sie sind bereits früh aus der Winter-Vorbereitung gerissen worden, genauer gesagt Anfang Februar nach dem zweiten Testspiel. Was genau ist passiert?

Lemke: Ich habe zu Beginn der Vorbereitung gespürt, dass etwas im Bauchmuskelbereich nicht stimmt. Ich dachte, es ist eine Zerrung, was ja mal vorkommt, die dann bald wieder verschwindet. Dann stand ich im Test gegen Luckenwalde noch auf dem Platz, das ging auch. Doch am Tag ging gar nichts mehr. Ich habe dann drei Wochen pausiert. Dann wollte ich wieder einsteigen, doch schon nach der ersten Einheit waren die Beschwerden wieder da. Eine echte Katastrophe. Es tat höllisch weh.

Und wie ist der Stand jetzt?

Die Verletzung ist leider noch da. Es ist auch keine Zerrung, sondern ein Faserriss. Das Problem ist, dass die Bauchmuskeln quasi immer beansprucht werden. Bei jedem Schritt. So kommt der lädierte Bereich leider nie zur Ruhe.  Dass sich die Verletzungspause so lange hinzieht, damit habe ich nicht gerechnet. Ich kann ja auch fast gar nichts machen, nur ganz leichte Übungen.

Bei solch einer Verletzung wird in der Regel von einem vier- bis sechswöchigen Heilungsprozess ausgegangen. Wann hoffe sie, wieder vollständig genesen zu sein?

Ich rechne jetzt noch mal mit einem Monat Pause. Ich hoffe es zumindest.

In Ihrem Fall: verletzt, nur ganz reduziert Sport treiben können, dazu Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise. Eine schwere Zeit, auch für den Kopf. Wie lenken Sie sich ab?

Tja, man kann nicht viel machen. Und ich noch weniger als andere. Ich bin bei meinen Eltern in Groß Haßlow. Da kann ich nur Haus und Hof hüten. Vielleicht mal telefonieren. Da ich im medizinischen Bereich tätig bin, kann ich zumindest noch arbeiten gehen.

Glüht wie bei vielen anderen Fußballern auch die Spielkonsole?

(lacht) Nein. Ich bin kein Zoccer.

Wirklich?

Ja. Ich kann dem nichts abgewinnen. Ich habe in meinem Leben vielleicht zehnmal Fifa gespielt.

Okay. Und falls doch der Spieltrieb einsetzt, zu was greifen Sie?

Ich spiele Darts. Und das schon längere Zeit. Ich habe auch ein Board Zuhause. Aber es macht natürlich mehr Spaß, wenn man mit den Kumpels ein paar Pfeile wirft.

Gibt`s diesbezüglich Vorbilder?

Aktuell ist das bei mir Michael van Gerwin. Früher war ich eiserner Barni-Fan (Raymond van Barneveld, d. Red.).

Zurück zum Fußball: Die ersten drei Rückrundenspiele hat der MSV allesamt gewonnen, gar dreimal ohne Gegentor (1:0 gegen Bernau, 1:0 gegen Sachsenhausen, 3:0 gegen Werder). Wie haben Sie die Spiele in der Zuschauerrolle gesehen?

Man hat gespürt, die Jungs haben alle richtig Bock. Sie haben sich von Spiel zu Spiel mehr reingebissen. Das war schön, mit anzusehen. Da will man natürlich selbst mit auf dem Platz stehen. Die Füße jucken gewaltig.

Zwischenzeitlich hieß es ja, der MSV kann ohne Marcus Lemke nicht gewinnen. Das wurde nun eindrucksvoll wiederlegt. Wie haben Sie die vermeintliche Abhängigkeit von Ihrer Person wahrgenommen?

Der Erfolg der Mannschaft steht an erster Stelle. Ich nehme mich da nicht so wichtig. Alleine gewinnst du kein Spiel. Daher freue ich mich auch so für die Jungs, dass sie diese Serie durchbrochen haben. Ich werde also nicht gebraucht (lacht). Aber die eine oder andere Spitze vom Trainer wird sicherlich noch kommen. Ich bin froh wenn ich dem Team helfen kann.

Wie ordnet der Kapitän die Hinrunde ein?

Ich glaube, durchwachsen trifft es ganz gut. Wir haben eine gute Mannschaft beisammen. Das erste halbe Jahr war es auch ein Anpassungs- und Reifeprozess, gerade bei so vielen jungen Spielern im Kader. Wir hatten auch richtig gute Spiele dabei, wie das 2:2 beim RSV Eintracht. Jedoch haben wir meiner Meinung nach auch viele Punkte verschenkt, weil jeder mal einen Bock drin hatte. Und das zu ungünstigen Zeitpunkten, so dass ein paar Spiele anders liefen als erhofft.

Nun ist der MSV aktuell Zweiter.

Ja, eigentlich eine gute Ausgangslage, um nochmal richtig Druck auf den Spitzenreiter ausüben zu können. Doch ob die Saison nach der Corona-Pause noch einmal fortgesetzt wird, steht ja in den Sternen. Und selbst wenn, der RSV Eintracht ist zehn Punkte weg. Und die machen das auch richtig super dort, ich staune, wie konstant die sind.

Sollte die Spielzeit eine Fortsetzung finden und Sie wieder fit sein, in welcher Rolle kehren Sie dann zurück auf den Rasen?

Ich hoffe als Taktgeber im Zentrum. Da sehe ich mich jedenfalls. Als jemand der verbal, aber auch mit seinen fußballerischen Mitteln Akzente setzt. Sechser, Achter, Zehner. Mir egal. Ich kann mich im Zentrum austoben – und auch torgefährlich werden.

Apropos torgefährlich: Sie erzielen viele Tore auch per Kopf. Das Kopfballspiel ist eine ausgewiesene Stärke von Ihnen. Wie kommt das? Waren Sie früher oft am Kopfball-Pendel?

Nein. Ich glaube, ich habe nur einmal am Kopfball-Pendel trainiert. Ich denke, es kommt auf das richtige Timing an, denn so groß bin ich ja bei 1,83 Meter auch nicht.

Sie springen aber auch durchaus hoch.

Wir haben früher zu Juniorenzeiten viele Sprünge gemacht, vielleicht zehre ich noch davon. Speziell trainiert habe ich Sprünge und Kopfbälle zuletzt jedenfalls nicht.

Um im Bild zu bleiben: Schafft der MSV noch einmal den Sprung in die Oberliga?

Von mir aus gern. Mein Ziel ist es jedenfalls, mit dem MSV in die Oberliga aufzusteigen. Denn ich bin in meiner Fußballer-Laufbahn auch noch nie aufgestiegen. Und wenn bei uns alle Bock drauf haben, richtig Gas geben, wir weiter zusammenwachsen, dann ist das auch möglich.

Bislang  hat der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) den Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt. Glaube Sie, dass danach die Saison fortgesetzt wird? Oder vielleicht später?

Puh, schwierig. Kann sich denn nach dem 19. April keiner mehr anstecken? Ich glaube nicht. Vielleicht geht dann nach zwei Wochen wieder alles von vorne los. Wenn man die Saison zu Ende spielen könnte, würden das wohl alle begrüßen.

Vielleicht dann ja durchweg nur mit Geisterspielen. Was halten Sie davon?

Möglich ist das. Aber Blödsinn. Denn es macht doch ein Stück weit diesen Sport auch aus. Da kommen Emotionen rein. Da kommt Feeling auf. Sonst kommst du dir ja vor wie in einem Freundschaftsspiel.

Als Junior in Wittstock und Cottbus am Ball

Das Fußball-Abc erlernte Marcus Lemke beim FK Hansa Wittstock (bis 2006). Es folgten die Stationen Energie Cottbus (2006 bis 2010), Sportfreunde Siegen (2012/2013) und Berliner AK (2013/2014). Seit der Saison 2014/15 spielt er für den MSV Neuruppin. Seitdem hat er in 127 Einsätzen 68 Tore erzielt.

Eine längere Ausfallzeit musste der Linksfuß bislang lediglich zu seiner Zeit bei Energie Cottbus hinnehmen. "Ich hatte eine Entzündung im Sprunggelenk und musste sogar drei Wochen lang einen Gips tragen", erinnert sich Lemke ungern an diese Zwangspause zurück. "Es war das bitterste überhaupt." Denn zu dieser Zeit trainierte der Blondschopf bei der Profi-Mannschaft mit. Mit 18 Jahren, zeitgleich spielte er für die Cottbuser A-Junioren in der Bundesliga, stand er vor dem großen Sprung. Dieser blieb ihm dann auch bei den Regionalliga-Stationen in Siegen und Berlin verwehrt.⇥gü

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