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Handball
Gespanntes Abwarten beim Frankfurter HC

Matthias Braun, Hubertus Rößler / 07.04.2020, 05:30 Uhr
Frankfurt Der Spiel- und Trainingsbetrieb steht im Handball wie in anderen Sportarten wegen des Corona-Virus deutschlandweit still. Zunächst bis zum 19. April. Doch ob der Ball in dieser Saison noch einmal aufgenommen wird, ist offen. Die Handball Bundesliga Frauen (HBF) hat die Meisterschaftsrunde der 1. und 2. Bundesliga bereits abgebrochen. Absteiger aus diesen Ligen gibt es nicht, die Frage möglicher Aufsteiger werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, erklärte die HBF. Für die Klassen unterhalb der 3. Liga empfiehlt das DHB-Präsidium die Beendigung des Spielbetriebes in den Landesverbänden.

Für die 3. Liga beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des DHB mit der Situation und versucht in Einbindung der Vereine Lösungswege für die aktuelle und kommende Spielzeit zu finden. Vorerst werde eine Entscheidung über Abbruch oder Fortführung der laufenden Saison (ebenso wie in der Handball-Bundesliga der Männer und der Jugend-Bundesliga) abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und entsprechender behördlicher Auflagen auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, hieß es in einer Pressemitteilung des DHB am Freitag.

Im Falle von Saisonabbrüchen soll es keine Absteiger, sondern lediglich Aufsteiger in die Saison 2020/21 geben. Bezüglich der Wertung der Saison 2019/20 ist für diesen Fall noch keine Entscheidung getroffen. "Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben und damit auch den Handball fest im Griff. Absoluten Vorrang haben Gesundheit und eine bestmögliche Bekämpfung des Coronavirus. Wir stehen jedoch auch in der gemeinsamen Verantwortung, für den deutschen Handball eine rechtssichere und zukunftweisende Lösung im Umgang mit dieser noch nie dagewesenen Situation zu finden", sagt Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes.

Gespannt beobachtet man diese Situation unterdes beim Frankfurter HC. Das ambitionierte Team um Trainer Dietmar Schmidt hatte in dieser Saison den Aufstieg in die 2. Bundesliga angepeilt und rangiert derzeit mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TV Hannover-Badenstedt in Lauerstellung auf Tabellenplatz drei. Das vielleicht richtungsweisende Duell gegen die Niedersachsen in der Brandenburg-Halle war für den 18. April geplant. Die Oderstädterinnen hätten dann mit einem Sieg (vorausgesetzt sie hätten bis dahin alle weiteren Spiele ebenfalls gewonnen) am Aufstiegrivalen vorbeiziehen können. Das Hinspiel im Dezember hatte 28:28-Unentschieden geendet. Doch ob und wann nun überhaupt wieder gespielt wird, weiß momentan niemand.

Sollte die Saison analog der oberen Spielklassen abgebrochen werden, müsste satzungsgemäß nach einer sportlichen Lösung gesucht werden, um Auf- und Abstieg zu regeln. Das zumindest meint Rechtsanwalt Helge-Olaf Käding in einem Interview auf der Internetplattform handball-world.news. "Wenn man jetzt auf die Idee käme, die Liga einfach zu annullieren und mit den gleichen Mannschaften in die neue Saison zu starten, würde man … nach meiner Auffassung gegen den Satzungszweck verstoßen. Die sicherste Lösung wäre es, die Saison – wie auch immer – zu Ende zu spielen – im Zweifelsfall ohne Zuschauer in der Trainingshalle", meint der Experte für Handball-Recht.

Saison über den 30. Juni hinaus?

Die Handball-Bundesliga der Männer hatte am Freitag vorgerechnet, dass die Saison spätestens am 16. Mai wieder aufgenommen werden müsse, um sie bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen. Doch auch hier hat Käding seinen eigenen Standpunkt. "Nirgendwo in Spiel- oder Rechtsordnung steht, dass die Saison am 30. Juni zwingend zu Ende sein muss." Theoretisch könne also auch bis zum ersten Spiel der neuen Saison gespielt und gewertet werden. "Wenn das tatsächlich nicht funktioniert und die Serie abgebrochen werden muss, muss die gerechteste Lösung gefunden werden, die niemanden benachteiligt", fordert der Anwalt. Man könne dann jedoch nicht einfach einen Cut machen und die Saison nach der aktuellen Tabelle werten, findet er. "Ich kann aktuell nicht beantworten, wie man … eine rechtssichere Tabelle schaffen will. Die Mannschaften haben teilweise unterschiedlich viele Spiele absolviert. Ein Team hatte bereits mehr Heimspiele, ein anderes musste gegen die direkten Konkurrenten im Aufstiegskampf noch nicht antreten."

Der Rechtsexperte hält deshalb auch Relegationsspiele für möglich. "Wichtig ist, die Entscheidung auf breite Füße zu stellen und den Vereinen nicht überzustülpen, um eine möglichst breite Akzeptanz zu bekommen. Noch ist Zeit genug", sieht Käding einen möglichen Saisonabbruch zum aktuellen Zeitpunkt als verfrüht an und  spricht sich zunächst noch für eine Abwartetaktik aus.

Die Spielerinnen des FHC halten sich unterdes vornehmlich mit individuellem Training fit. Es solle mit "viel Bewegung an der frischen Luft" trainiert werden, hatte Dietmar Schmidt seinem Team als Aufgabe in die Zwangspause mitgegeben. Zudem stünden Kräftigungsübungen speziell für Arme, Bauch und Rücken auf dem Programm.

"Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten schwierig, da man nicht weiß, ob und wann man auf das Handballfeld zurück darf", erzählt Kapitänin Kathleen Müller. "Aber die Mannschaft hält sich im Athletikbereich individuell beziehungsweise maximal in Zweiergruppen mit Lauftraining, Radfahren oder verschiedenen Krafteinheiten in Form. Natürlich stehen wir untereinander und mit dem Trainerteam telefonisch oder über Textnachrichten und Mails in Kontakt, um relevante Dinge zu kommunizieren", verrät die 23-Jährige weiter. "Die Mannschaft ist motiviert und arbeitet konzentriert. Wenn es darauf ankommt, und wir auf die Platte zurück und weiter um den Aufstieg spielen dürfen, werden wir körperlich fit sein, um unseren Traum wahr werden lassen zu können", gibt die Spielmacherin des FHC die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Serie noch nicht auf.

Improvisieren auf allen Ebenen

Auch der Vorstand des Drittligisten ist weiterhin aktiv. Viele Dinge müssten geregelt werden, berichtet FHC-Präsident Wolfgang Pohl. In Telefonaten prüfe man die momentane Situation, wohl wissend dass in dieser Zeit erfahrungsgemäß auch Vertragsgespräche mit Spielerinnen und Sponsoren anstehen. Das sei aktuell jedoch alles andere als einfach. "Man darf sich ja auch nicht treffen, da muss man improvisieren. Aber das weitaus größere Problem ist die Planungsunsicherheit. Vor allem viele kleinere Betriebe müssen jetzt schauen, wie es für sie weitergeht – da sind auch einige unserer Sponsoren betroffen", erklärt Pohl. Im Budget fehlen zudem die Zuschauereinnahmen, allerdings hat der FHC nur noch zwei offene Heimpartien in dieser Saison. Die Spielerinnen sind durchweg Amateure und gehen entweder noch zur Schule oder sind in einer regionalen Firma angestellt.

"Fans weiterhin erwartungsvoll"

Auch aus sportlicher Sicht würde es der Präsident bedauern, wenn die Saison abgebrochen wird. "Wir wissen nicht, ob und wie es weitergeht. Aber wir stehen in den Top 3 und haben uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet. Jetzt müssen alle Beteiligten gemeinsam schauen, wie eine gerecht Lösung aussehen könnte. Wenn es nicht realisierbar ist, die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende zu spielen, könnte man vielleicht auch in Turnierform einen Aufsteiger ermitteln. Die Mädels haben dafür gekämpft und viele Fans sind erwartungsvoll, dass wir noch unser großes Ziel erreichen und in die 2. Bundesliga aufsteigen", bleibt Wolfgang Pohl optimistisch.

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