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Fußballtennis
Inoffizielle WM steigt in Rüdersdorf

Klare Ansage von Joshua Putze (links) und Darryl Geurts: "Wir wollen gewinnen!"
Klare Ansage von Joshua Putze (links) und Darryl Geurts: "Wir wollen gewinnen!" © Foto: Kai Beißer
Edgar Nemschok / 26.06.2020, 17:30 Uhr - Aktualisiert 26.06.2020, 19:27
Rüdersdorf (MOZ) Gefragt sind die Techniker. Die, die einen Ball mit Gefühl behandeln können, ihn geradezu streicheln. Es geht nicht darum, die Kugel mit Wucht aufs gegnerische Tor zu schießen. Nicht Dribblings, Zweikampfhärte, der perfekte Steilpass oder der knallharte Schuss in den Dreiangel stehen im Mittelpunkt. Das alles ist am nächsten Sonnabend (4. Juli) in der Glück-auf-Arena nicht gefragt. Der Ball muss nicht ins, sondern übers Netz. Es geht um Fußballtennis.

Die einen sind begeistert, die anderen verfluchen es: Wohl jeder Fußballern, egal Kreisklasse oder Regionalliga, hat eine solche Einheit schon mal in Training absolviert. Fußballtennis dient im Nachwuchsbereich als willkommene Technikschule, kann aber eben auch im gesetzteren  Kicker-Alter noch gespielt werden.

Marko Siebenwirth, Vereins-Chef des MSV Rüdersdorf, erinnerte sich an seine Jugendzeit in Neubrandenburg dachte: "Warum nicht mal hier so ein Turnier ausrichten?" Und da in diesem verkorksten Sportjahr 2020 ohnehin kaum Höhepunkte auf dem Plan stehen, hat er die Veranstaltung kurzerhand zu einer inoffiziellen Weltmeisterschaft erhoben. Und was noch vor Monaten ein wenig belächelt wurde, auf Grund der Corona-Krise kaum umsetzbar erschien, hat sich mittlerweile zu einem wahren Renner entwickelt. Und trotz der immer noch geltenden Abstandsregeln ist Fußballtennis bestens geeignet, wieder ein bisschen Normalität auf den Rasen zu bringen, denn es gilt als kontaktloser Sport.

Ein paar Bänke zusammen und los

Einer, der weiß wie es geht, ist Dieter Schäfer, Ehrenvorsitzender des Kreissportbundes  Märkisch-Oderland. Er hat sogar eine eigene Abteilung Fußballtennis beim FC Strausberg und schließlich auch ein Turnier ins Leben gerufen. Das wird jährlich zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvester ausgetragen.

Schäfer erzählt von den Anfängen, die in der Kurstadt Bad Freienwalde liegen. Vor knapp 60 Jahre hatten DTSB-Funktionäre nach einer langen Tagung die Idee, noch ein bisschen Fußball zu spielen. Es gab aber kaum Platz, und so schoben sie ein paar Bänke zusammen, bildeten kleine Mannschaften, und los ging’s. Später wurde recherchiert, und siehe da, Fußball-Tennis gab es tatsächlich.

Auch in Bad Freienwalde gibt es jährlich ein traditionelles Turnier, das inzwischen zum Gedenken an den Wriezener Fußballer Manfred Heisrath ausgetragen wird. "Schon seit Jahren habe ich den Traum, eine eigene Liga im Fußballtennis einzurichten", sagt Schäfer, der zudem ein paar positive Effekte nennt: "Kurz gesagt, ist es eine sanfte Art, Fußball zu spielen, denn die Verletzungsrisiken sind minimal und auch das Alter ist nicht ganz so entscheidend."

Ursprünge im Nachbarland

Wer in den Geschichtsbüchern  blättert, findet die Ursprünge für Fußballtennis im Nachbarland, in der ehemaligen Tschechoslowakei. Zunächst spielte man dort den Ball über eine Schnur. Später wurden die Spielfelder durch ein Netz getrennt. Der Begriff Fußballtennis bürgerte sich ein. 1987 gründete sich die FIFtA (Federation International Footballtennis Association), die 1991 die erste Europameisterschaft veranstaltete. In Deutschland wurde Fußballtennis erstmals in den 1950-er Jahren gespielt.  Schnürles, so wird dieses Spiel auch genannt, wurde vom Pforzheimer Fußballidol Fritz Schnürle eingeführt.

Zwei Ex-Profis als Mitfavoriten

In Rüdersdorf sollten zunächst bis zu 80 Teams zum Turnier zulassen werden. "Doch bei der Planung haben wir festgestellt, dass das kaum zu bewältigen ist", erklärt Marko Siebenwirth, auf dessen Tisch sich die Anmeldungen stapeln. "Es werden jetzt 60 Mannschaften an den Start gehen und den inoffiziellen Weltmeister ermitteln." Der MSV-Chef selbst spielt mit seinem Freund Tino Ramin (Team 1).

Mit dabei natürlich viele Paarungen, die in der Region bekannt sind. Zum Beispiel Paul Mitscherlich und David Karlsch vom Ortsnachbarn Germania Schöneiche, Tom Stedler und Maximilian Tutschke von der SG Bruchmühle. Andere kommen von weiter her: Team 41 bilden Nico von der Reith und Patrick Siefkes und Team 42 Jannes Wulff und Jannes Elfers. Alle vier spielen beim SV Drochtersen/Assel. Moment mal, welcher Verein? Richtig, der Nord-Regionalligist aus Niedersachsen, der im DFB-Pokal Schlagzeilen machte, als er 2016 und 2018 in der 1. Runde den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und Bayern München jeweils nur knapp mit 0:1 unterlag. Zuletzt schied die Spielvereinigung im August gegen Schalke 04 aus. Zu den Favoriten gehören ganz sicher die Berliner Ex-Profis Ronny Nikol/Björn Brunnemann sowie Darryl Geurts und Joshua Putze vom FSV Union Fürstenwalde. Die Regionalliga-Spieler machen jedenfalls eine klare Ansage: "Wir kommen, um zu gewinnen!"

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