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Fußball
Erster Vertragsamateur bei Eintracht

Matthias Haack / 29.07.2020, 20:45 Uhr
Alt Ruppin (moz) Sicher kann sich ein Fußballverein nach dem 30. Juni eines jeden Jahres sein, dass er seinen Kader halten wird. Fast. Eine Ausnahme gibt es: Fällt die Entscheidung zum Vereinswechsel nach diesem Stichtag, dann lassen die Statuten dies zu, sofern derjenige Vertragsamateur wird. De facto ist er Angestellter des Vereins und erhält eine Vergütung von mindestens 150 Euro pro Monat. Steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Abgaben leistet ebenso der aufnehmende Verein.

Der Neustädter Jeffrey Kniestedt ist der einzige in Prignitz/Ruppin, der über diesen Status verfügte, Stand jetzt. Kniestedt wechselte jedoch zu Stahl Brandenburg. Eines der hoffnungsvollsten Talente im Kreis wird nun ebenso Vertragsamateur: Jannis Neumann, bislang Union Neuruppin, ein Unioner Urgestein. Der 19-Jährige wird sich dem SV Eintracht Alt Ruppin anschließen. So weit, so gut. Knackpunkt: Jannis Neumann ist in einem Testspiel für seinen Heimatverein eingesetzt worden, das nach dem 30. Juni stattfand.

Union ließ sich zu einer Partie gegen Grün-Weiß Brieselang überreden, wich am 11. Juli sogar auf die Sportanlage des TuS Dabergotz aus. Mit im Unioner Team: Jannis Neumann. 3:6 unterlagen die Neuruppiner, 140 Zuschauer kamen zu einer der ersten Begegnungen nach Lockerungen in der Corona-Pandemie. Nur: Die Frist zum regulären Vereinsaustritt eines Fußballers war verstrichen.

"Wir verlieren ein Juwel", bedauert Trainer Stephan Ellfeldt den personellen Einschlag. Nicht nur menschlich passe der junge Mann erstklassig zu den Gildenhallern, auch verfügt er über die Gabe, auf vielen Positionen eingesetzt werden zu können. Was Union ins Mark trifft: Die Mannschaft steckt inmitten eines Altersumbruchs. Jannis Neumann sollte eine Führungsrolle übernehmen. In den zwei Jahren im Männerbereich ist er an der Seite von Unioner Haudegen gereift. "Aber", so begründet er seinen Schritt, "ich habe immer gesagt, dass ich fußballerisch das Beste aus mir rausholen will. Wenn die Chance sich ergibt, höherklassig zu spielen, dann nutze ich sie, ehe ich mir das irgendwann mal vorwerfen muss."

Innerhalb der Spielklasse hätte Jannis Neumann nicht gewechselt. Da jedoch Eintracht als Staffelsieger der Landesklasse hochgeht, wurde der Unioner Nachbarverein interessant. "Mein Herz hängt an Union", unterstreicht Neumann, der aus "rein sportlichen Gründen" wechselt. "Es ist eine Entscheidung für mich und nicht gegen Union", manifestiert er.

13 Jahre lang trug er das Trikot der Unioner – erst im Kleinfeld-, später im Großfeldbereich. Er schaffte dann nahtlos den Sprung aus der Jugend in den Männerbereich und wurde tragende Säule auch außerhalb des Platzes. Bei den Querelen im Frühjahr um die Trennung vom Trainer zeigte er wie andere aus der Mannschaft klare Kante pro geschasstem Ellfeldt. Ergebnis: Die Abteilungsleitung legte eine Rolle rückwärts hin und holte den Coach zurück auf die Trainerbank.

Obwohl die Saison 19/20 nur zur Hälfte ausgetragen wurde, weckten die frischen Auftritte des 1,82-Meter-Mannes Begehrlichkeiten: Brandenburgligist Altlüdersdorf soll ebenso die Fühler ausgetreckt haben wie Landesligist Hansa Wittstock. Dass es Alt Ruppin wurde, liegt im stemmbaren Aufwand. Neumann steckt inmitten der Ausbildung zum Tischler, in Tarmow. Er wohnt näher am Waldstadion als am Platz in Gildenhall. "Zum Training kann ich also mit dem Rad" und muss nicht erst noch kutschieren.

"Auch für uns sind es rein sportliche Gründe, die uns veranlasst haben, Jannis zu verpflichten", lässt Frank Neumann jeden Unterton verstummen, wonach eine Rivalität zwischen den benachbarten Vereinen zu vermuten ist. Der Sportliche Leiter weiter: Eintracht habe Jannis den Weg aufgezeigt, wie er seine Karriere forcieren kann. Mit dreimal Training pro Woche punktet Alt Ruppin ebenso wie mit der Quantität. Frank Neumann: "Wir sind mindestens 16 Leute, oft über 20. Das ist logischerweise ein ganz anderes Level." Zudem werden die Spieler beim Landesligisten auch durch die Gegner auf ein neues Niveau gehoben. "Wir sind fest überzeugt", so der Sportliche Leiter, "dass Jannis sich entwickelt und uns weiterhilft. Wir freuen uns riesig, dass ein Junge aus der Region zum Team stößt."

Geht alles glatt, dann wird er zum 1. August spielberechtigt. Die Unterlagen sind am Dienstag zur Passstelle des Landesverbandes geschickt worden. Nimmt Eintracht die letzte Hürde auf dem Weg ins Endspiel, dann wartet darin entweder der MSV II oder aber die Mannschaft, die Jannis Neumann mit seinem Treffer beim 2:1-Erfolg über Wusterhausen erst ins Halbfinale geschossen hat.

Das Sommerprogrammder Eintracht

1. August, 15 UhrHalbfinale Kreispokal beim Kreisoberligisten Rot-Weiß Kyritz  7. August, 18 UhrEventuell das Pokalfinale im Volksparkstadion Neuruppin15. August, 15 UhrErste Runde Landespokal mit dem Spiel beim Pokalsieger Westhavelland. Im Rennen sind Golm, Blau-Gelb Falkensee, Busendorf sowie Nauen und Eintracht Falkensee, deren Viertelfinale am gestrigen Abend ausgetragen werden sollte.22. August, 15 UhrErstes Punktspiel in der Landesligabeim SSV Einheit Perleberg29. August, 15 UhrErstes Heimspiel gegen Grün-Weiß Brieselang⇥maha

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