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Ohne Abschluss die Schule verlassen

Das ging nicht gut: In Oberhavel blieb 2015 nach einer Caritas-Studie jeder 18. Schüler ohne Schulabschluss.
Das ging nicht gut: In Oberhavel blieb 2015 nach einer Caritas-Studie jeder 18. Schüler ohne Schulabschluss. © Foto: Dpa/Ina Fassbender
Burkhard Keeve / 20.07.2017, 07:15 Uhr
Oranienburg (OGA) Eine ganze Reihe von Schulabgängern in Oberhavel beginnen demnächst ihr Berufsleben ohne formal richtigen Schulabschluss. Ihnen fehlt selbst die niedrigste Stufe - die einfache Berufsbildungsreife -, auch Hauptschulabschluss genannt.

Alle 23 Schülerinnen und Schüler der Oranienburger Linden-Schule, die am Dienstag aus ihrer Förderschule entlassen wurden, gehören dazu. Ohne jede Perspektive seien sie deshalb aber nicht, sagt Schulleiterin Maria Tiller am Mittwoch. So habe sie gerade erst mit zwei ehemaligen Schülern gesprochen, die über gezielte Förderungen "jetzt eine Ausbildung zum Koch und zum Schlosser machen", sagt Maria Tiller. Dann widerlegt sie noch einen allgemeinen Mythos: "Man benötigt nicht zwangsläufig einen Schulabschluss." In vielen Berufen werde kein Abschluss verlangt, "Hauptsache die Leistung stimmt".

Damit diese irgendwann stimmt, werden die Förderschüler nach ihrer Schulkarriere an die Arbeitsagentur vermittelt. Dort können sie einen Reha-Status erhalten. Damit wird ihnen ermöglicht, ein Berufsvorbereitungsjahr zu absolvieren. Anschließend sei zum Beispiel eine Theorie-reduzierte Lehre zum Fachpraktikanten möglich, die wiederum eine vollständige Ausbildung nach sich ziehen könne, so Maria Tiller. Die Berufsvorbereitung beginnt in der Linden-Schule schon während des Unterrichts. In der neunten Klasse gebe es für manche Schüler eine Berufseinstiegsbegleitung.

Nach einer aktuellen Caritas-Studie beendete 2015 in Brandenburg jeder 14. Schüler ohne Hauptschulabschluss seine Schulzeit. In Oberhavel war es jeder 18. Im Durchschnitt ging in Deutschland jeder 17. Jugendliche von der Schule, ohne den Hauptschulabschluss geschafft zu haben. Das haben Untersuchungen der Caritas ergeben, für die Daten aus 2015 von mehr als 400 kreisfreien Städten und Kreisen ausgewertet wurden (siehe Kasten).

Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss stieg demnach bundesweit. Gegen den Trend entwickelten sich die Zahlen in Oberhavel. Hier sank der Prozentsatz der Schulabgänger ohne Abschluss von 6,17 in 2014 auf 5,68 Prozent 2015.

Im Bundesdurchschnitt lag die Quote bei 5,9 Prozent. Beim Ländervergleich bildete Sachsen-Anhalt mit 9,9 Prozent das Schlusslicht, gefolgt von Berlin mit 9,3 Prozent. In Brandenburg lag die Quote bei 7,1 Prozent, das bedeutet eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (7,8 Prozent). Berlins Tendenz wies hingegen nach unten (von 8,7 auf 9,3 Prozent).

Insgesamt haben laut Caritas-Studie 2015 bundesweit 47 435 Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Trotz aller Unterstützungs- und Fördermaßnahmen haben junge Menschen ohne Schulabschluss deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und damit keine guten Aussichten für die Zukunft.

Schulsozialarbeit und Schulverweigerer-Projekte seien "unverzichtbare Bausteine für jede Schule", sagt Gabriele Pollert, die mit dem Kinder- und Jugendhilfeträger Theophanu gGmbH in Berlin und Brandenburg einen Schwerpunkt auf die Schulsozialarbeit legt. "Wir erreichen damit tausende von Schülerinnen und Schülern, die in den großen Klassenverbänden ansonsten untergehen würden", so Pollert. Theophanu ist Mitglied des Caritasverbandes.

In Brandenburg wurde auf einen Ausbau der Schulsozialarbeit gesetzt, mit einem positiven Ergebnis. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss sinkt, bestätigte Caritas-Jugendhilfereferent Jens-Uwe Scharf. Sehr wichtig seien zudem eine intensivere Elternarbeit und die Kooperation mit Jugendhilfe und Arbeitsagenturen.

Beim Blick auf die Landkreise Brandenburgs treten laut Studie deutliche Unterschiede hervor. Während 2015 im Landkreis Oberhavel nur jeder 18. Schüler keinen Hauptschulabschluss hatte, war es in der Uckermark jeder Achte, in Ostprignitz-Ruppin war es jeder 13., im Havelland jeder 16 und im Barnim beendete wie in Oberhavel jeder 18. Jugendliche seine Schule ohne Abschluss.

Zahlen zum Vergleich


■ Laut der Caritas-Studie waren im Jahr 2015 in Oberhavel 5,68 Prozent Schulabgänger ohne Abschluss. Der Anteil der Förderschüler lag bei 2,44 Prozent.
■ Zahlen aus anderen Landkreise aus 2015:- Ostprignitz-Ruppin 8,37 Prozent ohne Abschluss (4,8 Prozent Förderschüler)- Barnim 5,97 Prozent ohne Abschluss (4,64 Prozent Förderschüler)- Havelland 6,17 Prozent ohne Abschluss (2,11 Prozent Förderschüler)- Uckermark 11,77 Prozent ohne Abschluss (6,02 Prozent Förderschüler)- Brandenburg 7,15 Prozent ohne Abschluss (3,71 Prozent Förderschüler)- Deutschland 5,87 Prozent ohne Abschluss (3,87 Prozent Förderschüler) (bu)

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Berufsbildungsreife Jens - Uwe Scharf Hauptschulabschluss Maria Tiller Schulabgänger

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