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106. Frankreich-Rundfahrt
Tiefpunkt für Greipel - Kluge feiert mit Sieger Ewan

Von Patrick Reichardt und Stefan Tabeling, dpa / 17.07.2019, 18:30 Uhr - Aktualisiert 18.07.2019, 08:00
Toulouse (dpa) André Greipel verschwand enttäuscht direkt unter die Dusche im Teambus, die Freudenschreie seines alten Lotto-Rennstalls nebenan dürfte er aber kaum überhört haben. Sein Nachfolger Caleb Ewan feierte seinen ersten Tour-Etappensieg und verdrückte einige Freudentränen mit Roger Kluge.

"Ich bin superhappy, er ist superhappy, besser geht es nicht", sagte der deutsche Helfer Kluge nach dem Sieg, der auf der Ziellinie nur hauchdünn vor dem Niederländer Dylan Groenewegen gelang.

Routinier Greipel kam bei der Massenankunft auf der neunten Etappe von Albi nach Toulouse einen Tag nach seinem 37. Geburtstag nicht über einen enttäuschenden 37. Platz hinaus und muss seine Chancen auf einen Überraschungscoup bei dieser Tour de France wohl endgültig begraben. Der Rostocker lag beim Finale zwar aussichtsreich in Position, musste den Sprint nach 167 Kilometern dann aber vorzeitig abbrechen und wurde durchgereicht. Den Sieg holte sich Ewan vor Tony-Martin-Teamkollege Groenewegen und dem Italiener Elia Viviani.

"Er hat wieder alles richtig gemacht. Wir hatten weiter Vertrauen in ihn. Das ist eine riesige Erleichterung", lobte Kluge. Bei den Deutschen ruhen die Hoffnungen in der Sieglosigkeit immer mehr auf dem Gesamtfünften Emanuel Buchmann. "Die Beine haben sich ganz gut angefühlt nach dem Ruhetag. Es sollte schon passen für morgen", sagte der Ravensburger.

Sprinter Ewan, der nach mehreren knappen Niederlagen schon etwas frustriert schien, zeigte sich erleichtert. "Jetzt bin ich erstmals hier und gewinne auch noch eine Etappe. Das ist wirklich ein Traum für mich", sagte der 25-Jährige. Damit hat auch nach elf Etappen bei der Frankreich-Rundfahrt noch kein Profi zwei Etappen für sich entscheiden können.

Die Deutschen sind nach gut der Hälfte noch sieglos, das gab es zuletzt im Jahr 2010. Dreifach-Weltmeister Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe behauptete sein Grünes Trikot trotz Rang vier genauso souverän wie Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe seine Gesamtführung, der 27-Jährige darf auch in den Pyrenäen in Gelb starten. "Das war ein sehr schöner Tag für mich", befand Alaphilippe. Auch Buchmann fuhr auf der Flachetappe mit zwei leichteren Bergprüfungen locker mit dem Hauptfeld ins Ziel und liegt weiter 1:45 Minuten hinter Alaphilippe auf Platz fünf.

Das erste Teilstück nach dem ersten Ruhetag nicht mehr bestreiten konnte Rick Zabel vom Team Katusha-Alpecin. Der 25-Jährige stieg krankheitsbedingt als erster deutscher Fahrer bei der diesjährigen Tour aus, er verbrachte bereits den Dienstag mit Fieber im Bett.

Ab Donnerstag (11.50 Uhr/One und Eurosport) wird es auch für die deutsche Gesamthoffnung Buchmann und Vorjahressieger Geraint Thomas vom Team Ineos wieder ernst. Auf den 209,5 Kilometern von Toulouse nach Bagnères-de-Bigorre stehen die ersten beiden schweren Pyrenäen-Pässe auf dem Programm. "Vor uns liegen noch fünf schwere Tage, aber wir sind gut vorbereitet", sagte Thomas, der in der Gesamtwertung schon auf Platz zwei hinter Alaphilippe liegt.

Auch Buchmann kann mit seiner bisherigen Tour zufrieden sein. Kletterstark und aufmerksam präsentierte sich der 26 Jahre alte Bora-hansgrohe-Profi, vor Pyrenäen und Alpen ist er aussichtsreich dabei. "Es ist eine schöne Überraschung, aber ich habe noch keine Zeit rausgefahren", sagte Buchmann, der den erstmaligen Sprung unter die besten Zehn als großes Ziel ausgegeben hat. Eine Attacke plant er nach eigener Aussage auch am Donnerstag nicht. Ein Top-10-Resultat im Gesamtklassement hatte als Deutscher zuletzt Andreas Klöden im Jahr 2009 geschafft.

Nach der ersten Pyrenäen-Etappe am Donnerstag wartet am Freitag das 27,2 Kilometer lange Einzelzeitfahren, am Wochenende dürfte dann bei zwei schweren Bergankünften am Tourmalet und oberhalb von Foix am Prat d’Albis bereits eine Vorentscheidung fallen.

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