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Operation
Radsportler Roger Kluge und der Schreck am Morgen

Kann wieder angreifen: Roger Kluge (oben) mit seinem Partner Theo Reinhardt
Kann wieder angreifen: Roger Kluge (oben) mit seinem Partner Theo Reinhardt © Foto: ROTH/AUGENKLICK
Thomas Juschus / 16.11.2019, 07:45 Uhr
Cottbus Ich hatte hier noch nicht viel erwartet, trotzdem ist das Ergebnis natürlich nicht zufriedenstellend",  sagte Roger Kluge nach seinem 17. Platz beim Bahnradsport-Weltcup in Glasgow im Omnium. Eigentlich war der Cottbuser nach Schottland angereist, um nach den zuvor durchwachsenen Ergebnissen von Maximilian Beyer bei der EM (14.) und dem erstem Weltcup (13.) einen entscheidenden Schritt im Kampf um einen Startplatz für die WM in Berlin zu machen – doch der Plan ging daneben. "Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Max auch hier gefahren wäre", sinnierte Kluge.

Während das Resultat für Außenstehende in die Kategorie enttäuschend gehörte, war es für Kluge und sein engstes Umfeld keine Überraschung. Nach seiner vierwöchigen Saisonpause im September unterzog sich der Straßen-Profi Anfang Oktober einer Herzoperation. Danach war für den 33-Jährigen nur sehr dosiertes Training möglich. "Letztendlich war die OP der Grund, dass ich die Europameisterschaft und das Sechstagerennen in London nicht gefahren bin, weil ich noch keine Wettkämpfe bestreiten durfte."

Bei dem Eingriff am 7. Oktober in Antwerpen wurde bei Kluge eine PFO-Operation durchgeführt. Etwa jeder vierte Mensch hat ein offenes Foramen ovale (PFO), ein kleines Loch zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens. Bei Kluge war dieser Defekt  seit einigen Jahren bekannt, durch seinen Wechsel Anfang 2019 von Mitchelton-Scott zum belgischen Lotto-Soudal-Team und einem Vorfall aus dem Frühjahr 2018 wurde aber in diesem Jahr die Operation forciert.

Mitte März 2018 hat Kluge eine transitorische ischämische Attacke (TIA) erlitten – umgangssprachlich einen leichten Schlaganfall. "Ich wollte die Nase meiner Tochter sauber machen, in dem Moment ist mein Arm langsam runtergefallen, und ich konnte dem nicht entgegensteuern. Es war gruselig. Nach dreißig Sekunden war alles vorbei", erinnert sich Kluge an den Morgen zuhause in Berlin-Steglitz.

Am Tag nach der TIA reiste der gebürtige Eisenhüttenstädter zu einem Radrennen nach Belgien, wurde dort vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen. "Ich bin drei Tage ins Krankenhaus gekommen, für ein Dauer-EKG, Blutuntersuchungen und so weiter. Ich war bereit, Radrennen zu fahren und lag im Krankenhaus umgeben von Menschen, die wirklich krank waren." Im Hospital wurde das Gerinnsel im Kopf zwar nachgewiesen, ansonsten war Kluge aber kerngesund und stieg zwei Wochen später beim Klassiker Paris – Roubaix wieder ins Renngeschehen ein.

"Ich glaube, meine Freundin Judith hat die Sache mehr mitgenommen als mich. Ich habe damals nicht weiter darüber nachgedacht. Das bremst einen nur. Ich habe es runtergespült und weitergemacht wie vorher. Es kam seitdem auch nichts mehr", berichtet Kluge. Anfang Oktober dieses Jahres folgte auf Anraten von Lotto-Soudal-Teamarzt Jens De Decker die Operation des PFO, mit der das Risiko für einen Schlaganfall minimiert werden soll. "Die OP ist gut verlaufen, ich kann das ausblenden und spüre keinen Unterschied", sagt Kluge, der ab sofort in Training und Rennen wieder Vollgas geben darf.

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