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Fußball
So arbeiten Spielerberater in Ostdeutschland

Lukas Grybowski / 29.01.2020, 08:00 Uhr
Berlin (MOZ) Pat Naumann hat sich als Spielerberater auf Ostdeutschland spezialisiert, auch wenn sein Job keinen guten Ruf genießt.

Geldgierig, egoistisch, unseriös oder einfach Menschenhändler – die Vorurteile gegenüber Spielerberatern im Fußballgeschäft sind vielseitig. "Viele dubiose Menschen nehmen am Markt teil. Sie wollen nur schnell Geld verdienen und gewisse Entscheidungen tragen nicht zum Berufsbild bei", beschreibt Pat Naumann. Der 27-jährige Dresdner ist selbst seit 2015 mit seiner Agentur DFI (Deutsche Fußball Invest) als Spielerberater tätig. Dabei konzentriert er sich vor allem auf den ostdeutschen Fußball. "Ich weiß, dass die Branche im Verruf ist, aber sie zu retten, ist nicht unbedingt meine Aufgabe", fügt er hinzu.

Für Außenstehende scheint es der einfachste Weg zu sein, um Millionär zu werden. Einfach im Jahr ein paar Fußballspiele schauen, die talentiertesten Spieler unter Vertrag nehmen, bei großen Clubs unterbringen und reichlich an Provision kassieren. "So einfach ist das alles aber nicht. Es sind nicht nur zwei Anrufe und dann ist alles geregelt", erklärt Naumann. Noch ist das Transferfenster in Deutschland bis Freitag geöffnet. Spieler, die sich bei ihren Vereinen nicht mehr wohl fühlen, beauftragen ihren Berater mit der Suche nach einem neuen Club. Laut Weltverband FIFA kassierten die Vermittler im vergangenen Jahr weltweit Provisionen in Höhe von 590 Millionen Euro. Dabei zahlen die Ligen in Deutschland, Spanien, England, Frankreich, Italien und Portugal zusammen mehr als 80 Prozent aller Provisionen.

Pat Naumann erhält für erfolgreiche Vertragsabschlüsse meist zwischen 8 und 12 Prozent vom Gehalt des Spielers oder der Ablösesumme. "In der 6. Liga verdienen Spieler nicht so viel und gehen nebenbei noch arbeiten. Da fällt es schwer, im Monat 50 oder 100 Euro abzuziehen. Das ist ein schmaler Grat, da muss man einfach mit dem Spieler eine Vereinbarung treffen," erzählt er.

Durch die Transferphasen im Sommer und Winter bezeichnet er sich selbst als Saisonarbeiter. Doch egal, wie viel vorgearbeitet wurde, oft können sich Wechsel bis zur letzten Minute ziehen, da Vereine um jeden Euro pokern würden. Und Transfers können auch in letzter Sekunde platzen. Der Wechsel des spanischen Nationaltorhüters David De Gea zu Real Madrid scheiterte an  einem kaputten Faxgerät. "Im Fußballbusiness gibt es keine Zufälle", kommentiert der Spielerberater.

Mit diesen Vereinen hat Naumann noch nicht verhandelt. Sein Fokus liegt auf Jugendspielern, die über 17 Jahre alt sind und Akteuren in der zweiten bis sechsten Liga. "Sportlich gesehen ist der Osten die am meisten unterschätzte Region in Deutschland", sagt er. "Die großen Agenturen gehen nur noch ganz nach oben, wo das große Geld zu holen ist. Aktuell habe ich mir gesagt, dass es auch in den unteren Ligen Spieler gibt, die Hilfe brauchen und sich dann vielleicht in höhere Ligen entwickeln können." Denn der Markt an Beratern ist ein komplett überfülltes und hart umkämpftes Geschäft. Weltweit gibt es circa 5000 Agenturen, von denen allein 1200 aus Deutschland kommen.

Aktuell arbeitet der 27-Jährige mit 22 Spielern und vermehrt auch mit Trainern zusammen. Einer von ihnen ist Daniel Hänsch, der bis zur 11. Klasse an der Sportschule in Frankfurt (Oder) spielte. "Dann bin ich zu Erzgebirge Aue gewechselt, weil ich es auf einer noch professionelleren Ebene versuchen wollte", erzählt der 24-Jährige. Nachdem er mehrere Jahre für Bischofswerda, Plauen, Bautzen und den Brandenburger SC Süd in der Regional- und Oberliga spielte, zog es ihn vor einem Jahr in seine Geburtsstadt Berlin, wo er nun für Sparta Lichtenberg auf dem Platz steht. "Mein damaliger Berater hat mich nicht richtig verstanden und nur das Fußballerische gesehen. Über Mitspieler kam ich mit Pat in Kontakt und er hat immer auch das Persönliche im Blick", erzählt Hänsch.

Zwei Spieler bei Aue

Für seine Spieler ist er ständig erreichbar. "Man hat eine brutale Verantwortung. Es gibt keine festen Arbeitszeiten, denn jeder Anruf kann  entscheidend sein." Auch Urlaub ist für ihn schwierig. "Ich fahre maximal eine Woche am Stück weg, aber schaue spätestens abends aufs Handy". Zukünftig könnten zwei seiner Klienten in der 2. Bundesliga auflaufen. Die Nachwuchsspieler Georg Kauk und Louis Böcker trainierten bereits mit der ersten Mannschaft von Erzgebirge Aue.

Jeder kann Spielerberater werden

Die Berufsbezeichnung ist seit dem 1. April 2015 nicht mehr durch eine spezielle Lizenz geschützt. Es genügt, sich beim DFB in ein Vermittlerregister eintragen zu lassen. Dafür muss man lediglich ein Antragsformular ausfüllen, ein Führungszeugnis einreichen und einmalig eine Gebühr von 500 Euro zahlen.

Zuvor mussten potenzielle Spielerberater eine Prüfung des DFB bestehen. Dort lag die Durchfallquote bei 80 Prozent. Ausgenommen von der Prüfung waren Rechtsanwälte und Familienmitglieder.

Spieler wie Mats Hummels, Lionel Messi, Mario Götze oder Ilkay Gündogan lassen sich von Familienmitgliedern beraten.

Einer der einflussreichsten Berater ist der Italiener Mino Raiola. Der Pizzabäcker soll laut "Football Leaks" beim Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United 45 Millionen Euro an Provision kassiert haben.  ⇥lgr

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