Fast zweieinhalb Jahre hatten die Stadtwerke die Preise stabil gehalten. Die letzte „Anpassung“ hatte es zum November 2008 gegeben. Seitdem sind die Kosten nicht stehen geblieben. Insbesondere die gesetzlich vorgeschriebene Umlage laut EEG, mit der quasi alle Stromkunden die Förderung von Investitionen in diesem Sektor finanzieren, klettert. 2009 lag sie bei 1,05 Cent, 2010 bei 2,047 Cent und mit Jahresbeginn 2011 werden weitere rund anderthalb Cent pro Kilowattstunde plus Steuer mehr fällig. Der zusätzliche Aufwand liege somit inklusive Mehrwertsteuer bei knapp drei Cent – eine Steigerung um das Dreieinhalbfache.
Dies ist laut Gagel der Grund dafür, dass die städtische Gesellschaft nicht um die Verteuerung von knapp zwei Cent herumkommt. Zwei Drittel der Mehrbelastung würden im Arbeitspreis an die Kunden weitergegeben.
Das Unternehmen sieht sich damit in bester Gesellschaft: Gerade einen Tag zuvor hatte Regionalversorger E.ON edis eine Anhebung in ähnlicher Größenordnung angekündigt, andere E.ON-Gebiete folgen zum 1. Mai, und schon vorher hatten die großen Konzerne RWE, Vattenfall und EnBW den Preis für Elektrizität angehoben. Auch mehrere märkische Stadtwerke hatten zum 1. Januar beziehungsweise
1. Februar an der Preisschraube gedreht – so die Stromversorgung Angermünde (Erhöhung um 6,8 Prozent), die Stadtwerke Bernau (6,6 Prozent) und die Stadtwerke Frankfurt (Oder)(4,8 Prozent). In Strausberg liegt die Teuerungsrate bei etwa sieben Prozent.
Der Grundpreis bleibt für Privatkunden bei weiterhin 7,85 Euro und bei Geschäftskunden stabil bei 6,60 Euro pro Monat. Bei Jahresverbräuchen von mehr als 4000 Kilowattstunden entfällt dieser Anteil. Dann ist aber auch der Arbeitspreis höher.
Der Stadtwerke-Chef bezifferte die Mehrbelastung für einen Durchschnittsverbraucher (1500 bis 2500 kWh pro Jahr) mit rund 35 Euro im Jahr. Nach seinen Erfahrungen bringen derartige Veränderungen auch Bewegungen bei den Kundenzahlen mit sich. „Es ist ein Kommen und Gehen, je nachdem, wer für den Moment die besseren Preise hat“, erläuterte er. Allerdings halte sich die Abwanderung in Grenzen, fügte er hinzu. Derzeit versorgen die Stadtwerke rund 12 000 Kunden.
Laut Internetportal Verifox rangieren die Stadtwerke Strausberg mit ihrem aktuellen online-Tarif auf Rang 32, bei einem Jahresverbrauch von 2800 Kilowattstunden rund 65 Euro teurer als der dort ermittelte billigste Anbieter. Günstigere Lieferanten verlangen allerdings oft Vorkasse.
Der Stadtwerke-Chef verwies darauf, dass der Löwenanteil des Preises – gut 42 Prozent bzw. 11,6 Cent pro Kilowattstunde – mittlerweile an den Staat gehe. Beschaffung und Vertrieb machten derzeit 9,3 Cent bzw. rund ein Drittel der Kosten aus. Knapp ein Viertel (6,4 Cent) wird für Netzentgelte fällig.