Sieben geplante Windkraftanlagen, die sich nach dem Willen des Investors schon in Kürze in den Gemarkungen Kerkow und Welsow drehen und jährlich rund 66 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wind produzieren sollen, sorgen seit Monaten für gespaltene Meinungen. Frust und Sorge liegen vor allem bei den unmittelbar betroffenen Einwohnern, die die 200 Meter hohen Mühlen künftig vor ihre Haustür gestellt bekommen.
Neben den schon proforma involvierten Trägern öffentlicher Belange, wie beispielsweise Naturschutzbehörden, Forst, Luftfahrtbehörde, Straßenbaubehörde, Landkreis, Stadt Angermünde und weitere, waren es betroffene Bürger, die ihr Beteiligungsrecht während der öffentlichen Auslegung der Planungsunterlagen in Anspruch nahmen und schriftliche Einwände erhoben. Der Erörterungstermin, der am Dienstag nach Abschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung in Pinnow einberufen wurde, bot ihnen Gelegenheit, ihre Argumente vor den Fachbehörden und der Genehmigungsstelle zu erörtern und zu begründen.
Anliegen dieser Anhörung ist es, sicher zustellen, dass bei der Abwägung und Entscheidungsfindung kein Aspekt übersehen oder falsch interpretiert wird und alle Seiten Gelegenheit bekommen, ihre Sicht auf die eingegangenen Einwände darzulegen. Davon wurde am Dienstag in tagesfüllender Veranstaltung rege Gebrauch gemacht. Allerdings wird beim Erörterungstermin noch keine Entscheidung gefällt.
Insgesamt zehn Einwendungen von Trägern öffentlicher Belange gingen frist- und formgerecht ein. Der Landkreis Uckermark und das Landesamt für Umwelt, Abteilung Naturschutz, stellten Nachforderungen. Die Stadt Angermünde versagte ihr Einvernehmen. Hinzu kamen Einwendungen durch Bürger und Bürgerinitiativen.
Die Firma Phase 5 GmbH - dahinter steht als alleiniger Kommandit Jan Teut - will zwischen Kerkow und Welsow insgesamt sieben neue Windkraftanlagen des Typs Senvion mit einer Gesamthöhe von 200 Metern errichten. Der geforderte Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung sei eingehalten, versicherte Jan Teut in seiner kurzen Präsentation des Vorhabens vor dem Gremium. Hier gibt es bereits seit 2004 ein 20 Hektar großes Windfeld mit fünf je 100 Meter hohen Windrädern, die zurückgebaut werden sollen.
Im Zuge der Fortschreibung des sachlichen Teilplans Windenergie in der Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim wurde dieses Windeignungsgebiet Nr. 32 nun auf 69 Hektar vergrößert. An diesem Plan ist nichts mehr zu rütteln. Er ist geltendes Recht. Insofern stießen Einwände der Bürgerinitiativen Crussow und Waldkleeblatt ins Leere. Sie zweifelten generell an, dass die Privilegierung von Windenergie im Baurecht noch gerechtfertigt sei. Gegenargument der Behörden: Dies seien politische Argumente, die nicht Gegenstand des konkreten Genehmigungsverfahrens seien.
Auch der Einwand der Bürgerinitiative Crussow, dass die 200 Meter hohen Windräder in den Erholungsraum Angermündes massiv eindringen und die Stadt dadurch vielleicht den Titel staatlich anerkannter Erholungsort verlieren könnte, spielte keine Rolle. Die Belange des Erholungsortes seien ebenfalls bereits im Regionalplanverfahren abgewogen worden und nicht mehr Gegenstand des aktuellen Emissionsschutzverfahrens. Eine geforderte Fünf-Kilometer-Schutzzone um die Erholungsort-Kulisse wurde als unangemessen bewertet. Weitere Einwände betrafen den Lärmschutz, den Infraschall, Artenschutz sowie die Verkehrsstruktur.