In Streitpose sitzen die beiden Siebtklässler nun vor Marie und Kendy. "Fang Du an", sagt Dario. "Nein, Du", entgegnet Wilhelm. Mit Vermittlung der Jugendlichen im grünen T-Shirt kommen die verstrittenen Freunde ins Gespräch. Schnell wird klar: Einer ist enttäuscht, weil sein Geld weg ist. Der andere wütend, weil der Freund ihm nicht vertraut und auf die Rückgabe wartet.
Das Gespräch ist fiktiv - in Wirklichkeit gehören auch Dario und Wilhelm zu den Streitschlichtern an der Eberswalder Goetheschule. In der Gruppe üben sie, zwischen Schülern zu vermitteln, die sich in die Wolle gekriegt haben - oder nicht mehr miteinander sprechen.
Seit 2008 gibt es die Arbeitsgemeinschaft. "Die ersten Streitschlichter sind schon aus der Schule raus", sagt Kerstin Hildebrandt vom Bund zum Schutz der Interessen der Jugend (BSIJ). Einmal in der Woche trifft sich die Mitarbeiterin des Eberswalder Vereins mit den Schülern - zur Zeit zehn Aktiven von der siebten bis zur neunten Klasse.
Jessica Ollmann, 15, ist als einzige Vertreterin aus der Neunten schon länger dabei. "Auf die Streitschlichter reagieren die Kinder mehr, als wenn Lehrer die Aufsicht führen", hat sie bei den Jüngeren auf dem Schulhof beobachtet. Geht es aber eher um Mobbingsituationen in der eigenen Altersklasse, "muss man zu zweit oder zu dritt sein", ist Jessicas Erfahrung. "Man muss sich Leute suchen, die dagegen sind."
"In meiner Klasse gibt es viel Streit, auch zwischen den siebten und achten Klassen", berichtet Marie Bestritzki, die in der achten ist. Sie habe schon häufig versucht zu schlichten und damit angekündigte Prügeleien verhindert. "Ich laufe dann zwischen den Streitenden hin und her, höre mir an, was sie zu sagen haben. Manchmal habe ich sie auch schon zusammengeholt."
Einzuschreiten, wenn zwei oder mehr sich streiten, erfordert Mut. Aber auch einiges an Ausbildung ist nötig. Nach einem Einführungsseminar sind das zehn bis zwölf Termine. "Manchmal ist es zum Beispiel schwer, neutral zu bleiben", sagt der zwölfjährige Wilhelm Beuster. "Beispielsweise, wenn gute Freunde an dem Streit beteiligt sind." Bei den wöchentlichen Treffen erlernen die Streitschlichter in Rollenspielen solche Techniken aus der Mediation.
"Wichtiger als das astrein durchzuspielen, ist mir aber, dass sie selbstbewusst auftreten, Lust haben, sich für Mitschüler einzusetzen und einen Fahrplan haben, wie sie aktiv werden können", sagt Kerstin Hildebrandt.
Insgesamt ist das Gewaltpotential an der Goethe-Schule eher gering, stimmen auch die Streitschlichter zu. "Am Anfang dachten wir, wir bräuchten sie täglich", sagt Lehrerin Jördis Makowski, die für die Schüler vor Ort da ist. "Das hat sich aber anders herausgestellt." Zumal nicht jeder Zwist ein Fall für die Streitschlichter ist. "Sie unterbreiten das Angebot", ergänzt Kerstin Hildebrandt.
Im vorigen Jahr haben die Streitschlichter das Programm daher erweitert und folgten einem Hilferuf aus der Grundschule. Seit vorigem Jahr sind sie in der großen Pause auf dem Grundschulhof im Einsatz.
Übung macht den Streitschlichter: Marie Bestritzki und Kendy Kastner im Rollenspiel mit Dario Klagges und Wilhelm Beuster (r.). Foto: MOZ/Ellen Werner
Arbeitsgemeinschaft an der Eberswalder Goetheschule seit fünf Jahren aktiv / Verein bildet Nachwuchsmediatoren aus
Haupteinsatzort für die jungen Vermittler in Konflikten ist der Grundschulhof