Viele Produkte werden nach dem Kauf selten verwendet und landen schnell im Müll oder verstauben im Regal. Das kann verhindert werden, indem viele Menschen ihre Besitztümer untereinander teilen.
Wenn ich in meine erste eigene Wohnung ziehe, muss ich Regale anbringen. Statt mir einen Werkzeugkasten im Baumarkt zu kaufen, den ich alle zwei Jahre mal brauche, leihe ich mir einen von Freunden aus. Oder: ich schmeiße zu meinem Geburtstag eine Gartenparty und brauche Sitzgelegenheiten für 30 Personen. Ich borge mir Bierzeltgarnituren, die ich nach der Party zurückbringe.
Wenn ich mir auch noch ein Kleid ausleihe, kann ich zu jeder Feier etwas anderes Schönes tragen - das ist besonders praktisch, wenn im gleichen Sommer zwei Hochzeiten, eine Familienfeier und mehrere Geburtstagspartys anstehen.
Das Prinzip des Teilens ist so alt, wie die Menschheit selbst, erlebt aber gerade einen neuen Aufschwung, besonders bei jungen Leuten. Wer als armer Student in einer winzigen Wohnung lebt, freut sich, dass Geld und Platz nicht an Umzugskartons und Riesen-Kochtöpfe verschwendet werden. Außerdem kann man viele Dinge ausprobieren. Das ist bei Sportarten und Küchenzubehör nützlich: Einen Entsafter kauft man nur, wenn man sich sicher ist, dass man ihn auch benutzt. Inlineskating probiert man erst aus, bevor die teuren Schuhe angeschafft werden.
Dazu entlastet Kokonsum die Umwelt, denn die geteilten Gegenstände werden nicht neu produziert. Noch ein Vorteil: beim Teilen und Tauschen kann man Nachbarn und Umgebung besser kennenlernen.
Vermittelt werden die Gegenstände meistens über das Internet. Zum Beispiel bei www.alles-und-umsonst.de. Unter www.foodsharing.de kann man Essen verschenken, das zu viel gekauft wurde, vor dem Urlaub noch weg muss oder im eigenen Garten wächst.
Auf www.pumpipumpe.ch (der Name ist inspiriert von der Notwendigkeit, eine Luftpumpe zu "pumpen") erhält man Sticker für den Briefkasten, die den Nachbarn mitteilen, wo was zu verleihen ist.
Es gibt auch "echte" Läden in Berlin, wo man stöbern, Dinge leihen oder mitnehmen kann: Dazu gehören die Kleiderei in Mitte (www.kleiderei.tumblr.com), die ausdrücklich weibliche Umsonstlädin Ula in Charlottenburg (www.ula.blogsport.de), der Schenkladen Systemfehler in Friedrichshain (www.systemfehler-berlin.de.vu) oder der Leihladen Leila im Prenzlauer Berg (www.leila-berlin.de). Hier muss man erst einen Gegenstand zum Verleih mitbringen und dadurch Mitglied werden, bevor man sich aus dem Sortiment etwas ausleihen kann. Alle Läden freuen sich über Hilfe in Form von Sach-, Geld- und Zeitspenden.
Auf www.kokonsum.org kann man sich über die verschiedensten Spielarten der kollaborativen Gemeinschaft und über Events in ganz Europa informieren.