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Wächter über Strom und Wärme

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Karin Sandow / 13.07.2010, 16:53 Uhr - Aktualisiert 20.07.2010, 18:15
Frankfurt (In House) Wenn Sie heute früh zwischen 
6 und 7 Uhr ihre Dusche aufdrehen, dann gehören Sie auch zu den Menschen, die für einen recht kräftigen Ausschlag einer Kurve auf einem der Monitore in der Leitwarte des Frankfurter Heizkraftwerkes sorgen. Gegen 
6.15 Uhr wird an Werktagen besonders viel Warmwasser in der Stadt verbraucht, zeigt Schichtmeister Jens Möbis den entsprechenden Verlauf. Im Winter sind die Ausschläge wesentlich höher, denn dann wird schließlich nicht nur Warmwasser, sondern auch Fernwärme benötigt. Der Spitzen-Leistungswert im Winter lag bei 118 Megawatt, klärt Jörg Dvorak, als Hauptabteilungsleiter bei den Stadtwerken für das Kraftwerk und das Fernwärmenetz verantwortlich, auf. Einen solchen Wert schafft das Heizkraftwerk unterhalb des Fernsehturms nicht allein. Denn seine thermische Kapazität liegt bei 80 Megawatt. Was darüber hinaus benötigt wird, kommt dann aus dem Spitzenheizwerk in Nord, das allerdings auch durch die Leitwarte im Kraftwerk überwacht wird.

Was Jens Möbis und seine Kollegen nicht sehen, ist, wann die Frankfurter besonders viel Strom verbrauchen. Denn mit der Liberalisierung des Strommarktes wurden Vertrieb und Netz voneinander getrennt. „Damit soll gewährleistet werden, dass jeder Stromhändler auf dem Markt gleichberechtigt ist, sich nicht irgendeinen Vorteil verschaffen kann“, so Jörg Dvorak. Die Frankfurter überwachen also nur die eigene Produktion, beim Strom werden maximal 49 Megawatt Leistung erreicht, wie der aber beim Kunden ankommt, liegt nicht mehr in ihrer Verantwortung.

Erzeugt werden Strom und Fernwärme in Kraft-Wärme-Kopplung, das heißt, die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme wird zu Fernwärme für Wohnungen, Kitas, Betriebe, Schulen... Als Energieträger können Erdgas und Braunkohlenstaub zum Einsatz kommen. Dieser kombinierte Brennstoff-
einsatz ermöglicht immer eine effektive Fahrweise des Werks. Vom Braunkohlenstaub ist immer so viel vorrätig, dass in einem kalten Winter das Heizkraftwerk vier Tage lang produzieren kann, ohne beliefert werden zu müssen.

1997 ist das 165 Millionen DM teuere Heizkraftwerk übergeben worden. Schon viel länger, nämlich 33 Jahre, arbeitet Renate Frickert als Maschinistin. Sie war früher im Kraftwerk Brieskow-Finkenheerd beschäftigt. Dann hat sie sich für das neue Frankfurter Werk beworben und ist genommen worden. „Natürlich musste ich erst einmal umlernen. Früher haben wir alles per Hand gemacht. Hier dagegen bekam ich es mit Computern zu tun“, erzählt die Frau, die nach wie vor in Finkenheerd wohnt, den Drei-Schicht-Betrieb trotzdem nicht als Belastung empfindet. „Das bin ich ja gewohnt“, sagt sie.

Erst fünf Monate dagegen ist Björn Lezius als Maschinist in der Leitwarte. Der 22-Jährige hat sich um die Arbeit dort beworben und ist hoch zufrieden. Die Arbeit ist so, wie er sie sich vorgestellt hat und das Privatleben bekommt er trotz der Schichten „mehr oder weniger gut“ organisiert, sagt er.

Anstrengend ist ihre Arbeit wegen des langen Sitzens, des hohen Maßes an Konzentration, das ihnen abverlangt wird und mitunter auch ein wenig für die Augen, sind sich der Schichtmeister und die beiden Maschinisten einig. Denn auch, wenn die Bildschirme heute mit denen von früher, die stark flimmerten, nicht mehr zu vergleichen sind, der ständige Blick darauf macht den Augen dennoch zu schaffen.

Für Beobachter sieht es in der Leitwarte so aus, als würde alles sehr ruhig und entspannt laufen. Doch wenn etwas passiert, eine Störung auftritt, muss das Team schnell reagieren. Glücklicherweise tritt dieser Fall eher selten ein. Die Anlagen sind gut in Schuss, werden regelmäßig gewartet und in der Leitwarte rund um die Uhr überwacht. Damit wir alle auch heute wieder beruhigt Licht und Radio einschalten und das warme Wasser aufdrehen können.

 

Alle Teile der Serie 24 Stunden unter www.moz.de/24h

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