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Den Ferien entgegen

Karin Sandow / 13.07.2010, 16:55 Uhr - Aktualisiert 20.07.2010, 18:12
Frankfurt (In House) Es ist zehn vor Sieben, da kommt Oliver Krausemann zur Bushaltestelle ganz am Ende von Neuberesinchen. Der Elfjährige sieht noch müde aus und mag eigentlich so gar nicht gern zur Schule. Obwohl dies doch der letzte Schultag vor den Ferien ist. Grund zur Freude also. Aber da ist ja noch das Zeugnis, und davor hat Oliver ein wenig Fracksausen. Trotzdem: Als der große grüne Erdgasbus kommt, steigt er tapfer ein. Als erster kann er sich seinen Sitzplatz noch aussuchen. Und dann freut er sich doch noch, schließlich steigen an einer der nächsten Stationen Freunde ein, mit denen er wie jeden Tag den Schulweg absolviert.

Auch Michael Hoffmann und David Meister sitzen meist gemeinsam im Bus. Da sie an einer der ersten Stationen zusteigen, bekommen auch sie ihren Sitzplatz und widmen sich sofort ihren Computerspielen. Die Mädchen nebenan – Emely und Sarah (2. Klasse), Vanessa (5.) und Jessica (4.) reden dagegen über Mädchenthemen, die Frisur und dass Pickel mit der Pubertät kommen zum Beispiel. Auch sie sind an diesem Tag entspannt. Manchmal aber, so erzählen sie, gebe es im Bus schon Rangeleien. Vor allem die Kleineren hätten da mitunter zu leiden, wenn die Großen anfangen zu drängeln und ihnen die Sitzplätze streitig machen.

Der Bus wird voller, immer mehr Kinder steigen auf der Tour durch Neuberesinchen ein. Längst finden nicht mehr alle einen Sitzplatz und es wird lauter. „Doch das sind nun mal Kinder, die haben sich auch schon morgens viel mitzuteilen. Darüber muss man hinwegsehen“, sagt Fahrschullehrer Thomas Kliem und erntet Zustimmung bei Roswitha Overbeck von der Verkehrsaufsicht des Stadtverkehrs. Beide sind am letzten Schultag noch mal zur Abfahrt des Busses gekommen. Hin und wieder begleiten sie auch das Jahr über den Bus auf seiner Tour. „Doch das hat sich in den vergangenen Monaten alles gut eingepegelt. Die große Drängelei vom Anfang der Schulbuslinie ins Zentrum, der Ärger vieler Eltern über die Zustände im Schulbus haben sich gelegt“, weiß Roswitha Oberbeck.

Auch Fahrer Eckhard Bartz bleibt an diesem Tag ganz gelassen. Er fährt seit 21 Jahren Bus und Straßenbahn im Frankfurter Stadtverkehr und ist vieles gewöhnt. „Manchmal muss ich auch mal laut werden und die Kinder zur Ordnung rufen. Aber heute sind sie ja geradezu friedlich“, meint er.

An diesem letzten Schultag haben nicht einmal alle ihre Schulmappen mit. Manche brauchen nur eine kleine Tasche mit der Zeugnismappe mit in die Schule zu bringen. Auch das sorgt für mehr Platz im Bus.

Pünktlich biegt der lange Schlenki in die Große Oderstraße ein, hält vor der Schule. Kein Auto stand ihm heute im Weg. Das haben die Kinder in den vergangenen Tagen auch schon anders erlebt. Vor allem nachmittags, wenn sie auf dem Weg zum Hort oder nach Hause waren, konnte es schon passieren, dass der Bus minutenlang warten musste, weil parkende Autos ihm im Weg standen. Einmal saßen die Kinder sogar eine dreiviertel Stunde deswegen im Bus fest. Vergessen – jetzt stürmen alle raus, zum letzten Tag des Schuljahres, den Ferien entgegen.

 

Alle Teile der Serie 24 Stunden unter www.moz.de/24h

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