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Die über 
die Träume 
wachen

Annette Herold / 13.07.2010, 16:20 Uhr - Aktualisiert 20.07.2010, 18:22
Frankfurt (In House) Das kleine Mädchen scheint etwas unruhig zu sein. Gerade acht Wochen ist es auf der Welt – und verbringt nun gemeinsam mit seiner Mutter eine Nacht im Schlaflabor des Frankfurter Klinikums. Nächtliche Atemaussetzer bereiten den Eltern Sorge; im Krankenhaus soll nun untersucht werden, was dem Kind fehlt.

Dafür behält Daniela Brandt zwei Bildschirme im Auge: Einen, auf dem etwa Hirnströme, Atem- und Herztätigkeit des Säuglings in Kurven abgebildet sind und einen zweiten, der die über eine Infrarot-Kamera aufgenommenen Bilder in den Überwachungsraum überträgt. Über zwei weitere Bildschirme kann sie den Schlaf eines Mannes verfolgen, der diese Nacht ebenfalls im Schlaflabor verbringt. Die Werte werden über an die Körper der Patienten geklebte Elektroden gemessen und übertragen.

Zwei Uhr ist es inzwischen, noch drei Stunden Schlafenszeit für die beiden Patienten. Und drei Stunden Nachtwache für Daniela Brandt. Dabei haben auch professionelle Schlafwächterinnen mit Problemen zu kämpfen, die wohl jeder Schichtarbeiter mit dem toten Punkt zu bewältigen hat. „Zwischen 2 und 3 Uhr ist es schon nicht so ganz einfach“, berichtet Daniela Brandt. Und fügt hinzu, dass jede ihrer Kolleginnen – zwei weitere Medizinisch-technische Assistentinnen arbeiten im Frankfurter Schlaflabor – ihre eigene Methode hat, gegen aufkommende Müdigkeit anzukämpfen.

Dass sie zu viel wach sind, führt dagegen die meisten Patienten ins Schlaflabor. Sie leiden an Ein- und Durchschlafproblemen, Schnarchen, dem Problem unruhiger Beine, also dem sogenannten restless leg syndrom. Anderen Patienten soll wegen nächtlicher Atemaussetzer (auch Schlafapnoe genannt) eine Atemmaske angepasst werden. Erwachsene kommen meist nachts zur Untersuchung; Babys, die auch tags noch schlafen müssen, werden auch am Tage getestet. Die Untersuchungen sind Grundlage für die Entscheidung der Ärzte, welche Therapie für die Patienten die richtige ist.

Seit fünf Jahren arbeitet Daniela Brandt jetzt im Schlaflabor, zurzeit hauptsächlich in der Tagschicht. In einer Nachtschicht wie dieser bleibt ihr auch etwas Zeit nachzudenken, wie wichtig guter Schlaf ist. Und darüber, wie unterschiedlich Menschen schlafen – dass der eine acht Stunden pro Nacht braucht, der andere nach fünf Stunden topfit ist. Dass manche Kinder sich bis in die Pubertät regelrecht in den Schlaf schaukeln, hat sie schon beobachtet und dass sich mancher Patient nachts auf die Bettkante setzt, sich umguckt, sich wieder hinlegt, weiterschläft und morgens davon nichts mehr weiß. Andere reden im Schlaf – aber davon sei im Kontrollraum nicht mehr als ein Nuscheln zu vernehmen, versichert Daniela Brandt. Und ist sicher, dass Berichte über Menschen, die im Schlaf Fragen beantworten, nur ein Mythos sind. Daniela Brandt hat auch schon davon gehört, dass sehr vertraute Personen wie Mutter und Kind mitunter im Schlaf kurze Dialoge führen, ohne davon am nächsten Morgen noch etwas zu wissen.

Der kleine Zeiger der Uhr nähert sich inzwischen der Drei, beide Patienten schlafen in ihren Zimmern. Zwei Stunden noch, dann wird Daniela Brandt sie wecken. Schließlich hat sie einen Tipp auch für alle bereit, die keinerlei Schlafprobleme haben. Auch wenn es zu schön ist, am Wochenende etwas länger liegenzubleiben: „Wenn man wach ist, sollte man aufstehen“, sagt Daniela Brandt. „Sonst fühlt man sich später nur wie gerädert.“

 

Alle Teile der Serie 24 Stunden unter www.moz.de/24h

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