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Flüssigwachs und Briefe sind passé, Facebook und E-Paper alltäglich

Zeitung im Wandel der Zeit

Tilman trebs / 25.06.2015, 14:00 Uhr
(MZV) Papierzeitung, Internet, Facebook, E-Paper. Als der Generalanzeiger vor 25 Jahren gegründet wurde, gab es drei der vier Begriffe noch gar nicht. Heute sind elektronische Nachrichtenkanäle in der Lokalberichterstattung alltäglich. Wird nachts in Vehlefanz die Volksbank gesprengt, steht es am Vormittag auf unserer Internetseite. Ertönen nach erfolgreicher Bombenentschärfung in Oranienburg die Sirenen, werden unsere mehr als 2000 Facebook-Freunde in Echtzeit über die Aufhebung des Sperrkreises informiert. Zu verdanken ist das dem technischen Fortschritt, der die Verbreitung von Nachrichten zwar zu einer komplexen Angelegenheit, die Produktion der Zeitung aber in vieler Hinsicht auch einfacher gemacht hat.

"Wenn wir vor 25 Jahren zur Arbeit kamen, haben wir nach der noch heute üblichen Zeitungslektüre erst Briefe geöffnet, dann schnell die Filme beim Fotografen zum Entwickeln abgegeben und geguckt, ob das einzige Redaktionstelefon gerade frei ist", erinnert sich Jürgen Liebezeit, damals im Sport beschäftigt und heute Redakteur für die S-Bahn-Gemeinden. Heute liest er statt Briefen E-Mails, spielt seine Fotos von der Kamera direkt auf den Rechner und recherchiert, ob in den lokalen Facebook-Gruppen seiner Gemeinden irgendetwas Interessantes debattiert wird. "Früher haben wir Informationen aus den Schaukästen abgeschrieben. Wollten wir jemanden erreichen, mussten wir beim Pfarrer oder in der Dorfkneipe anrufen, weil es kaum andere Anschlüsse gab."

Seitenlayouts wurden mit einem Typometer auf Millimeter-papier per Hand gezeichnet und mit einem Taschenrechner ermittelt, auf welchen Koordinaten der Text platziert wird. Die Koordinaten wurden in das Redaktionssystem eingegeben, der Text also mehr oder weniger blind platziert. "Hat abends alles gepasst, waren wir zufrieden." Heute wird alles am Computer erledigt. Das Layout und Einlesen von Bildern ist eine Angelegenheit von Minuten. Abends reicht ein Knopfdruck, um die Seite ins Druckhaus zu schicken.

Früher sah auch das noch anders aus. Das zweite Obergeschoss unseres Oranienburger Verlagshauses war bis 2006 mit riesigen Gerätschaften zugestellt. Dort wurden ausgedruckte Zeitungsartikel, Wohnungs-, Auto- und Stellenmarkt, gewerbliche Anzeigen sowie Fotos noch per Hand mit flüssigem Wachs auf Papier geklebt. Die Druckvorlagen wurden dann in großen Belichtungsautomaten hergestellt. "Das war oft aufwendige Fummelarbeit", erinnert sich Gundula Wackerhagen, die damals als Setzerin schon mit an Bord war. Farbige Unterzeilen wurden mit Zierklebeband gesetzt, Ostereier in Werbeanzeigen per Hand ausgeschnitten, Blumen mit Permanentstift ausgemalt. Der Job war stressig. Die Setzer arbeiteten oft bis tief in die Nacht.

Gundula Wackerhagen und ihre Kollegen, die keine Setzer mehr sind, sondern ausgebildete Mediengestalter, arbeiten heute in der Abteilung "Herstellung" unter der Leitung von Stephanie Remer, die in unserem Haus ausgebildet wurde. Noch immer bringen sie redaktionelle Seiten und Anzeigenseiten in die passende Druckform. Heute helfen ihnen ausgeklügelte Datenbanken und Grafikprogramme, die die Arbeit schnell und zuverlässig zu erledigen. Gundula Wackerhagen: "Das macht vieles einfacher." Ihre Nachtschichten sind längst Geschichte.

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