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Wat Jette Bath noch sagen wollte

Jette Bath (Martina Dorn), Foto: Weißapfel, Festumzug, Omnibusfahrerin


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Jette Bath (Martina Dorn), Foto: Weißapfel, Festumzug, Omnibusfahrerin ora-160607-lol-oburg-jette-hw-kw1623 © Foto: MOZ/Heike Weißapfel
Heike Weißapfel / 07.06.2016, 02:00 Uhr
Oranienburg (MOZ) Ach, war dit scheen! Zu meine Zeit sachte man immer noch "danke", wenn wat jut war. Und der Festumzug am Sonnamd war jut. Ich war ja janz uffgerecht, dass ick nach so ville Jahre wieder in mein' jeliebten Omnibus sitzen konnte.

Und meine Fahrjäste ooch: Wir hatten uns alle fein jemacht und waren janz pünktlich. Die Sonne meinte es jut mit uns. Zu meine Zeit war ja Anfang Juni Friehling und es waa nich so heiß. Aber dit nur so am Rande.

Als alle endlich saßen - bisken eng waret ja schon - jing's noch nich jleich los. In mein' Alter uffn Kutschbock klettern war ooch anstrengend. Aber der Jeruch der Ferde und dit Rumpeln der Kutsche war alles eine Freude für sich. Zur Feier des Tages stoppte ick mir meine Piepe mit dit vaterländische Kraut, "Vierradener Girz mit Weichsel". Für alle Fälle hatte ick meine Flasche "Schluck" dabei, "Stolpe mit Schönfließ". Wer nich weeß was dit is: na Korn mit Luft, also pur, jepanscht mit nüscht. Dann kam die wichtigste Frage: "Wann geht's denn endlich los?"

Die Kleene hatte schon keen Sitzefleisch mehr nach zwee Minuten. Also hab ich se uffjeklärt: "Wann wir fahren, det weeß ick nich. Ick weeß nur, wenn ick fahre. Wenn ick fertig bin - und wer keene Zeit hat, kann losloofen, det is jesünder." Aber loofen wollte keener.

Vonne Stralsunder jing es zum Bahnhof. Da kamen doch die Erinnerungen wieder hoch: Im Juli 1877 bin ick dit letzte Mal nach Berlin mit mein' Omnibus jefahren, wegen de Bahn. Die Leute wollten dann nur noch mit Dampf nach Berlin fahren. Naja, konnten se ja ooch.

Anne Straße standen ville Leute und ham jewinkt. Manche kiekten noch een bisken komisch, weil ick uff de Straße geroocht hab. Beim Lächeln, Winken und Quatschen hab ick meine Piepe doch glatt paarmal fallen lassen, aber zum Glück isse nie inne Ferdeäppel jefallen.

Ick hab ma dolle jefreut, det die Menschen mir erkannt haben - nach so ville Jahre. "Da is ja unsre Jette!" Klar bin ick da, und zu meine Stadt jehöre ich dazu. Die hätten doch nich ohne mir feiern können. Ham se ja ooch nicht. Vorne, inne scharfe Kurve, war die Bejeisterung groß. Ick wusste nich, wo ick zuerst hinkieken sollte. Hatte ick vergessen, dass die Oranienburger so feiern können! Ham ja ooch allen Grund zu. Ick erkenn meene Stadt ja janich wieder! So ville orange! Ick weeß schon, wegen de Holländer und meene jeliebte Kurfürstin.

Nich nur ick hatte Spaß, meene Fahrjäste och. Da jab es nüscht zu meckern. Anne neue Schloßbrücke hatt ich ja'n bisken Dusel. Zu meine Zeit war die ja anders, und meene Ferde mussten nich übern Berg fahren. Aber jing allet jut. Wir hätten ooch jeschoben.

Inne Breite Strasse war dann Schluss. Schade. Ick hätte noch lange fahrn könn'n. So ville bejeisterte Leute und so ne Stimmung jab et ja lange nich.

Dit musst ick mal loswerden. Und ein großes Dankeschön an die Leute, die dit orjanisiert ham! Daran kann ick ma erinnern bis zur nächsten Feier. Und sicher nich nur ick.

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