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Nostalgie-Trip
Im Trabi rund um die Ostsee

In einer Woche um die halbe Ostsee: In seinem Trabant, Baujahr 1989, und mit Freund Carsten Wehner bricht Mirko Schade heute zu einer 1600 Kilometer langen Reise auf.
In einer Woche um die halbe Ostsee: In seinem Trabant, Baujahr 1989, und mit Freund Carsten Wehner bricht Mirko Schade heute zu einer 1600 Kilometer langen Reise auf. © Foto: Joachim Eggers
Joachim Eggers / 14.06.2019, 06:30 Uhr
Erkner (MOZ) Ganz so wie 1991, als er nach Jordanien fuhr, oder wie bei der China-Fahrt 1997 wird es nicht mehr sein. Aber wenn sich Mirko Schade und sein Freund Carsten Wehner am heutigen Freitag ans Steuer von Schades Trabi setzen, fährt die Nostalgie ein bisschen mit. In einer Woche wollen die beiden Männer die Ostsee halb umrunden.

"Ich bin kein besonderer Autofreak", sagt der 53-jährige Schade von sich. Auf seinen Trabant vom Baujahr 1989 – Erstzulassung 1990 – legt er aber Wert. "Damit fahre ich immer durch Erkner, zum Bahnhof und zum Einkaufen", sagt er. Seit drei Jahren nennt Schade ihn sein eigen. Ist das sein einziges Auto? "Auf meinen Namen ist kein anderes zugelassen", sagt der Bahn-Mitarbeiter. "Aber meine Frau hat eins", setzt er augenzwinkernd dazu.

Schade liebt Reisen in Länder, die wenig touristisch erschlossen sind. Seine Lust zum Abenteuer brachte ihn dazu, 1991 mit Freunden in einem Trabi des Baujahrs 1966 gen Südosten zu fahren. "Eigentlich sollte es nur bis in die Türkei gehen", erinnert er sich. Dann reiste die Truppe weiter nach Syrien, schließlich nach Jordanien. "Und von dort haben wir noch ein Boot nach Ägypten und zurück genommen."

Die Männer und ihr Trabi schafften es auch zurück nach Berlin-Köpenick, wo auch Schade damals noch lebte. 1997, bei der zweiten Trabi-Reise, die ins Reich der Mitte und bis nach Nepal, aufs Dach der Welt, führte, war das nicht mehr so. "Der Trabi blieb damals auf der Rückreise im Iran zurück und wurde verschrottet", erinnert sich Schade.

Das sollte dieses Mal nicht passieren. Der Trip von Mirko Schade und Carsten Wehner geht auf der alten Reichsstraße 1 bis nach Kaliningrad und weiter nach Tallinn. Von dort geht es mit der Fähre nach Helsinki, und eine Fähre soll die beiden Freunde dann auch zurück nach Travemünde bringen. Vieles ist ganz anders als bei jenen früheren Fahrten, aber eines ist wie beim Jordanien-Trip: Ursprünglich sollte die Reise gar nicht so weit gehen. "Eigentlich wollten wir nur bis Kaliningrad, aber dann kam immer noch ein Land dazu", sagt Mirko Schade grinsend.

Die Route ist dieses Mal genau geplant, jede Übernachtung steht fest. "Wir gehen in Hotels, Zimmer und Jugendherbergen, alles quer durch", sagt Schade. "Wenn man vor Ort noch eine Übernachtungsmöglichkeit suchen muss, kostet das viel Zeit", weiß er von früher. Der erste Stopp ist im polnischen Malbork (deutsch Marienburg) südlich von Danzig vorgesehen. Auf einer Karte hat Schade überall Sehenswürdigkeiten notiert, die er und Wehner anlaufen wollen.

Nur mit Landkarte, ohne GPS

Und wenn der Zweitakter aussetzt? Ein großer Schrauber sei er nicht, sagt Mirko Schade und verweist grinsend auf seinen Kumpel. "Der ist Elektriker." Zwei Ersatzräder befördern die beiden aber auf dem Dach mit, außerdem "ein bisschen was für den Vergaser und einige Lampenkappen". Sollte der Trabi tatsächlich den Geist aufgeben, würde das wohl bedeuten, die Reise abzubrechen.

Wie vor 20 Jahren wollen die beiden nur mit Landkarte fahren, ohne GPS. Da hat die Route entlang der alten Reichsstraße, auf die sie bei Vogelsdorf auffahren wollen, einen klaren Vorteil: Es geht immer nur geradeaus. Die Strecke soll rund 1600 Kilometer umfassen, haben Schade und Wehner ausgerechnet – "aber nur, wenn wir uns nicht verfahren".

Hand anlegen müssen die Trabi-Piloten beim Kraftstoff: "Wir müssen das Öl selber mischen, die Tankstellen dafür gibt es nicht mehr", sagt Schade. Ehrensache ist für das Team, dass sie nur da essen, wo auch die jeweiligen Einheimischen hingehen. Was die Verständigung angeht, setzt Schade auf die Hilfsbereitschaft der Menschen und sein Schul-Russisch. "Da kann man schon mal die Sachen lesen."

Damals, für den China-Trip, nahm Schade unbezahlten Urlaub. Die Reise dauerte länger als der reguläre Jahresurlaub. Diesmal ist das anders. "Und der eigentliche Jahresurlaub kommt dann noch, mit Frau und Kind", verrät Mirko Schade.

ZugelasseneTrabis

Sie waren die einzigen Pkw-Typen, die in der DDR produziert wurden: der Trabant und der Wartburg. Und sie sind immer noch auf den Straßen unterwegs. Aktuell sind im Landkreis Oder-Spree 381 Trabanten und 25 Wartburge zugelassen, teilt die Pressestelle mit.⇥je

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