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Nachbildung bei Diebstahl
3D-Scan der Frankfurter Stadtmusikanten

Thomas Bauer und Mark Praus von der Firma TrigonArt aus Berlin vermessen in der Magistrale in Frankfurt (Oder) mit einem Streifenlichtscanning die Bronzeplastik der Stadtmusikanten vom Künstler Lutz Hähnel.
Thomas Bauer und Mark Praus von der Firma TrigonArt aus Berlin vermessen in der Magistrale in Frankfurt (Oder) mit einem Streifenlichtscanning die Bronzeplastik der Stadtmusikanten vom Künstler Lutz Hähnel. © Foto: Patrick Pleul
Jan-Henrik Hnida / 21.05.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 21.05.2020, 07:02
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wenn moderne Technik auf Kunst trifft, sind Thomas Bauer und Mark Praus von der Firma TrigonArt nicht weit. Am späten Abend stehen die beiden Männer aus Berlin in der Magistrale und projizieren mit ihrem Streifenlichtscanner ein Gitternetz auf die Brunnenplastik des Künstlers Lutz Hähnel, der in Anlehnung an die Bremer Stadtmusikanten fünf Tiere übereinandergestapelt hat.

"Für diesen Vorgang muss es dunkel sein. Manchmal bauen wir auch ein Zelt über das Objekt", erklärt Bauer. Die erzielte Messgenauigkeit garantiere hoch präzise 3D-Scanergebnisse, die gerade bei der Darstellung filigraner Details oder für die Abnahme von Maßen notwendig sei.

Sicherungsdatensätze in 3D

Nachdem die Kamera die 3D-Koordinaten aufgenommen hat, entsteht aus den Messpunkten, die Bauer und sein Kollege aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen haben , eine "Point-Cloud" – Punktwolke. Diese wiederum wird dann am PC zu einer dreidimensionalen Fläche verbunden, das spätere 3D-Modell der Frankfurter Stadtmusikanten kann als Grundlage für eine Kopie oder Gussform dienen. "Mit solchen Sicherungsdatensätzen können Kopien oder Ersatzteile durch unsere 3D-Drucker geschaffen werden", sagt Bauer. Die Stadt prüfe zurzeit den Test-Scan.

Unbekannte rissen sich in der Vergangenheit  immer wieder Bronzekunstwerke aus dem öffentlichen Raum unter den Nagel. Der letzte Diebstahl – es traf eine Thälmann-Büste von Walter Kreisel – liegt erst ein halbes Jahr zurück. Mit einer Reihe von Maßnahmen versucht das städtische Kulturbüro die Kunst im öffentlichen Raum nun besser zu sichern. So wurde beispielsweise die Plastik "Mädchenakt" von Werner Stötzer mit einer Alarmanlage ausgestattet und wieder im Lennépark aufgestellt und für den "Betenden Knaben" wurde eine zusätzliche Beleuchtung installiert. "Trotz dieser präventiven Maßnahmen bleiben Diebstähle nicht ausgeschlossen", sagt Magdalena Scherer vom Kulturbüro.

Der Einsatz von digitalen 3D-Modellen biete immerhin die Möglichkeit, Kunstwerke nach einem Diebstahl zu rekonstruieren. Mithilfe dieser innovativen Technik können "detailgetreue Kopien" erzeugt werden, die auch als Grundlage für die Reparatur oder Vervollständigung von beschädigten Kunstwerken – wie die Kranichgruppe am Hansaplatz – dienen könnten. Der Künstler müsse natürlich damit einverstanden sein. "Manche haben Sorge, dass ihr persönlicher Fingerabdruck durch das Scannen verloren geht", sagt sie.

Regen und Sonne stören

Vierzehn solcher 3D-Modelle hat das Kulturbüro bei TrigonArt in Auftrag gegeben, unter anderem die "Bildhauerin" von Arnold Walter und mehrere Figuren vom Bildhauer Axel Schulz. "Das Scanverfahren ist sehr wetterabhängig. Es darf nicht regnen", erklärt Bauer, der mit seinem Partner seit 2007 international unterwegs ist. Mit ihrem Know-How begleiteten sie bereits Grabungen in Ägypten. Beim 3D-Scan dürfen keine Reflektionen aufgenommen werden, etwa durch Sonnenlicht. Ebenso stören schmierige Fingerabdrücke auf den Figuren eine präzise Messung.

Denn wenn wieder ein Langfinger auf Kunstraub gehen sollte, kann nur mit einer genauen Erfassung der Kunstobjekte eine Kopie im Drucker produziert werden. Um dem persönlichen Fingerabdruck des Künstlers nahe zu kommen.

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