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Das Gesundheits- und Lebenszentrum "Thomas Müntzer" in Reichenberg hatte mit vielen Verzögerungen zu kämpfen. Teile können nun in Betrieb gehen.

Neubau
Lebenszentrum "Thomas Müntzer" in Reichenberg: Erste Starts Anfang Oktober

Thomas Berger / 07.09.2019, 06:45 Uhr
Märkische Höhe Auf der Baustelle herrscht rege Betriebsamkeit. Schon von draußen ist die ehemalige Schule, einstmals ein grauer Betonklotz am Reichenberger Ortseingang, im Grunde kaum wiederzuerkennen. Sobald auch auf dem Hauptdach noch die Photovoltaikanlage installiert ist, können die letzten Abschnitte des Gerüstes verschwinden, erklärt Käte Roos. Die halbe Front ist auch schon frei, weiß wie zuvor nur der Anbau mit der künftigen Kita, der baulich als erstes fertig war, erstrahlt nun auch sonst die Fassade. Ab kommender Woche kann dann auch der Garten- und Landschaftsbau Matthias Jahncke mit den Außenarbeiten weitermachen, heißt es.

Die Erleichterung und Freude steht Käte Roos, vormals Vorsitzende des Fördervereins, der vor einiger Zeit mit dem DRK-Kreisverband Märkisch-Oder-Havel-Spree mit Hauptsitz in Fürstenwalde fusioniert war, ins Gesicht geschrieben. Es gab und gibt etliche Mitstreiter, doch gerade sie in vorderster Front hatte sich über die Jahre mit beinahe übermenschlicher Energie und Nervenstärke für das Projekt eingesetzt, bei dem sich Bauabschnitt eins nun der Fertigstellung nähert. Anfang Oktober werden Arztpraxis und Tagespflege loslegen, nach dem Eingang von Betriebserlaubnis und Nutzungsgenehmigung, auf die noch einmal lange gewartet werden musste, steht auch die Kita nunmehr unmittelbar vor dem Einzug in ihr künftiges Domizil.

Kita-Umzug in Vorbereitung

Einen genauen Termin dafür will Märkische Höhes Bürgermeister Stefan Neumann, als Kommunalpolitiker inzwischen in der Angelegenheit Gesundheits- und Lebenszentrum "Thomas Müntzer" auch schon deutlich krisenerprobt, bewusst noch nicht nennen. "Ich bin aber optimistisch, dass es auch Anfang Oktober werden kann, wenn alles auf den letzten Metern wie geplant läuft", sagte er bei einem Telefonat am Donnerstag. Nötig sei eine koordinierte "Punktlandung" bei den Verträgen. Intensive vorletzte Gespräche sind dazu gerade diese Woche gelaufen. Wenn die Vorlagen alle stehen, fallen dann in der Gemeinderatssitzung am 25. September die endgültigen Beschlüsse.

Wegen der Ladungsfristen war es jetzt noch mal so eng, schließlich müssen die Dokumente zum Einlesen rechtzeitig verschickt werden. Es geht um den Mietvertrag, die Anschlussnutzung für das alte Kita-Gebäude und den Betreibervertrag. Obwohl der DRK-Kreisverband die zuvor in Amtsträgerschaft befindliche Kita schon zum 1. Januar von der Gemeinde übernommen hatte, muss auch dieses Papier angepasst und neu unterzeichnet werden, erklärt Neumann: "Schließlich ist im Betreibervertrag auch konkret die Betriebsstätte vermerkt." Bei einer Modifizierung der Betriebserlaubnis gehe es noch einmal um die konkrete Zahl der Kinder. In jedem Fall Anfang nächsten Monats loslegen wollen Ärztin und Tagespflege. Heike Belian, von Haus aus Internistin, freut sich schon darauf, mit ihrer Hausarztpraxis einzuziehen. Mit der saß sie in Berlin-Karlshorst, wohnt allerdings mit Woltersdorf schon länger im Brandenburgischen. "Ich werde jetzt 56, habe bewusst diese neue Herausforderung gesucht, die auch die Möglichkeit bietet, meine Tochter mit einzubeziehen, die mit ihrem Medizinstudium in den letzten Zügen liegt."

Bewusst schon auf die nächsten 20, 30 Jahre angelegt sei dieser Neubeginn, und von der Zeitspanne wolle sie selbst noch einen guten Teil aktiv gestalten. Angedacht ist überdies, dass auch ihr Mann Thomas sich mit einer Zweitpraxis in Reichenberg niederlässt – der Antrag des Facharztes für Nervenheilkunde (das vereint Neurologie und Psychiater) bei der Kassenärztlichen Vereinigung ist eingereicht. "Wir wollen die ländliche Versorgung stärken", benennt Heike Belian das zentrale Ziel. Dazu gehöre in einem nächsten Schritt auch die Einbindung von Frauenarzt, Chirurg, Kinderarzt und vielleicht noch anderen Fachmedizinern mit Zweitpraxis oder wenigstens punktuellen Sprechstunden.

Generell wird größter Wert auf Kooperation gelegt. Das betont ebenso Franziska Templin vom Diakonischen Werk Oderland-Spree, das Träger der neuen Tagespflege ist. "Reichenberg liegt geografisch wunderbar im Zentrum", verweist sie nicht nur auf die Tagesstätten in Seelow und Bad Freienwalde, die gerade 18- bzw. 15-jähriges Bestehen gefeiert haben, sondern auch weitere Stützpunkte des sozialen Trägers in Strausberg und Wriezen. Das Gesundheits- und Lebenszentrum mit seinem Einzugsbereich von 28 Orten und Siedlungsteilen soll Knotenpunkt eines ganzen Netzwerks werden, lautete schon in der ersten Konzeption für das Projekt das Ziel.

Schon fertig und wenigstens provisorisch eingerichtet ist der Beratungsraum. Dort haben die Verantwortlichen gerade erst mit einem Vertreter von Fapiq, der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier des Landes Brandenburg, gesprochen. Denn wenn die einzelnen Angebote im Haus erst einmal laufen, soll es auch einen Koordinator geben. Für eine solche Person die passende Finanzierung zu finden, dabei sind die Berater der Fachstelle die passende Hilfe. Schließlich gehe es den Partnern im Lebenszentrum nicht nur um medizinische und pflegerische Angebote, sondern auch um die Stärkung häuslicher Situationen, sagt Franziska Templin.

Eines der ersten Angebote der neuen Diakonie-Tagespflege mit bewusster "Außenwirkung" wird deshalb eine achtteilige Kursreihe "Hilfe beim Helfen" sein. Die Pflegekasse bei der Barmer, das Diakonische Werk und das Kompetenzzentrum Demenz für das Land Brandenburg in Trägerschaft der Alzheimergesellschaft sind dabei die Partner. Erster Termin wird der 23. Oktober, 17 bis 19 Uhr, sein. Angehörige von Menschen mit Demenz sollen in der Seminarreihe Unterstützung erhalten. Info und Anmeldung läuft über die Diakonie-Sozialstation Wriezen (Tel. 033456 1509910), das Angebot ist für Versicherte aller Kassen kostenfrei.

Für den Regionalladen ist auch ein Betreiber gefunden, blickt Käte Roos weiter voraus. Er wird mit von der künftigen Großküche im Haus profitieren, die vom DRK-Kreisverband selbst betrieben wird, neben der Versorgung von Kita und Tagespflege zusätzliche Potenziale haben wird.

Auch kulturelle Angebote

Sogar Kultur wird es geben. In einem Raum steht schon der Flügel, den Vereinsmitglied Monika Lauritsen über einen Bekannten organisiert hat. Musikerin Ishlar Smolny, die sich das Instrument anschaute, stellte dabei fest, dass es sich um den Flügel ihres ehemaligen Professors handelte, der ihn wegen Umzugs in ein Heim abgeben musste. Mit dem Klavierstimmer Tim Heßbrüggen in Batzlow nebenan gibt es zudem einen Fachmann, der sich um das Instrument kümmern kann.

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