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In Altlandsberg plädiert die Ausstellung "Demensch" für Humor im Umgang mit dem Thema Demenz. Sie läuft bis 25. Oktober.

Karikaturen
Ausstellung "Demensch" in Altlandsberg

Gabriele Rataj / 17.10.2019, 21:00 Uhr
Altlandsberg (MOZ) Ein alter Herr in Schlafanzug, Pantoffeln, mit Hut und Stock wartet an der Ampelkreuzung. "Sie trauen sich was", sagt der nebenstehende Banker-Typ zu ihm. "Der ist maßgeschneidert", lautet dessen lakonischer Kommentar. Oder: "Ein Mischbrot, zwei Mehrkornbrötchen und eine Brezel – kannst du dir das merken?", fragt Omi. "Klar!", antwortet Opa und macht sich auf zum Bäckerladen. Dort fragt die Verkäuferin nur "Wie immer?" und Opa antwortet "Klar".

Schmunzeln, Lächeln oder gar Lachen ist angesagt, wer sich in die Karikaturen von Peter Gaymann zum Thema Demenz vertieft. Sie zeichnen Alltagssituationen nach, wie sie im Leben von und mit an Demenz erkrankten Menschen passieren können oder Realität sind. Sie nähern sich einem ernsten und zunehmend verbreiteten Thema in unserer Gesellschaft von freundlicher bis heiterer Seite.

Seniorenresidenz als Galerie

Seit vergangener Woche sind zwei, drei Dutzend von diesen, einheitlich hinter Glas gerahmten und farbenfrohen Cartoons in der Seniorenresidenz Altlandsberg zu sehen. Für insgesamt drei Wochen macht die Wanderausstellung "Demensch" von Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg und Barmer Krankenkasse dort Station und kann täglich, auch am Wochenende, zwischen 8 und 18 Uhr besucht werden.

Da schmettert der Opa auf dem Dach des gelben Postautos sitzend "Hoch auf dem gelben Wagen", was die unten versammelte Familie so gar nicht lustig findet. Da reagiert die Buchhändlerin auf den Einkaufswunsch des Herrn Professor nach Salami seelenruhig mit der Bemerkung, sie könne das für morgen besorgen. Von Graffito bis Kühlschrank, von Malerei bis Wahrsagerei reicht das Spektrum.

Der Alltag mit Betroffenen sei für Angehörige und ihre Familien wie auch für Pflegekräfte nicht unbedingt leicht, weiß Thorsten Kohl, Prokurist der Paritätischen Gesellschaft für Pflege, Gesundheit und Sozialdienste GgmbH, die seit dem 1. Januar auch Träger der vormals privat geführten Seniorenresidenz Altlandsberg ist. Dennoch kennt er aus 30 Berufsjahren auch sehr humorvolle Situationen. "Ich habe viel gelacht im Umgang mit dementen Menschen", sagt er, und das helfe im oft schwierigen Umgang.

Gerade deshalb hat Kohl die Wanderausstellung auch nach Altlandsberg geholt. "Zuvor war sie schon in Oranienburg und auch im Brandenburger Landtag wird sie noch gezeigt." Dass sie nicht nur ein Angebot für die Mieter der Residenz sei, habe die bisherige Resonanz schon gezeigt, bestätigt Petra Meinhardt von der Verwaltungsleitung der Paritätischen Gesellschaft.

55 000 Erkrankte im Land

"Vielen Dank für die Einladung zu der total sehenswerten Ausstellung", haben zum Beispiel zwei Familien aus Bruchmühle und Fredersdorf in das ausliegende Gästebuch geschrieben. "Nicht immer ist der Alltag mit unseren dementen Angehörigen so lustig wie auf den Bildern, aber Schmunzeln tut gut."

Ortsvorsteherin Eva-Maria Strys hat nach der Vernissage mit vielen interessierten Gästen,  Ärzten und Partnern der Paritätischen Gesellschaft treffende Worte gefunden: "Wir alle müssen daran arbeiten, die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Demenz und das Zusammenleben mit ihnen zu fördern." Denn als Tabu-Thema sind Demenz bzw. Alzheimer längst nicht mehr tauglich. Das untermauern Zahlen wie die laut Alzheimer-Gesellschaft derzeit im Land daran erkrankten 55 000 Menschen. Sie ist Alltag.

Sie habe zuerst geglaubt, dass die Krankheit lächerlich gemacht werde, sagt Residenz-Bewohnerin Therese Jürgen, doch vielleicht schaffe man es einfach mit Humor besser.

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