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Tierarzt Wilhelm Drewes übernimmt den Hof des Großvaters in Frankenfelde und verwirklicht sich damit einen Lebenstraum

An(ge)kommen in Brandenburg
Zurück zu den Wurzeln der Familie

Hof mit Froschkönig: Wilhelm Drewes mit Hovawart Fred auf seinem Hof in Frankenfelde. Die große Scheune vereint Wohnen und Wirtschaft. Den Brunnen entdeckte er vergangenes Jahr beim Pflastern seines Hofes.
Hof mit Froschkönig: Wilhelm Drewes mit Hovawart Fred auf seinem Hof in Frankenfelde. Die große Scheune vereint Wohnen und Wirtschaft. Den Brunnen entdeckte er vergangenes Jahr beim Pflastern seines Hofes. © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 14.12.2018, 07:30 Uhr
Frankenfelde (MOZ) Es gibt viele Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren oder als Zuzügler ein neues Leben zwischen Prignitz, Uckermark, Fläming und Lausitz neu zu beginnen. In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die im märkischen Land angekommen sind.

„So lange wie hier, habe ich nirgends gelebt“, sagt Dr. Wilhelm Drewes (61). Der Tierarzt und Fachtierarzt für Pferde hat sich in Frankenfelde bei Wriezen (Märkisch-Oderland) seinen Lebenstraum erfüllt. Dies hat er seiner Großmutter zu verdanken. Sie übergab dem Ältesten von 25 Enkeln den Hof in Frankenfelde, den sie und ihr Mann 1945 zusammen mit ihren acht Kindern verlassen hatte. Drewes kehrte an die Wurzeln seiner Familie zurück. Er hat den Schritt nie bereut, obwohl er nicht in Brandenburg geboren ist.

„Meine Großmutter floh am 17. April 1945, mein Großvater einen Tag später, weil er dem Volkssturm zwangsverpflichtet war“, erzählt Wilhelm Drewes. Frankenfelde lag unter schwerem Beschuss. Auf der Flucht trafen sie sich wieder. Ein Zurück gab es für sie nicht. Die Großmutter stammte aus Rosenkopf, einem Dorf in Rheinland-Pfalz an der Grenze zum Saarland. Nach einigen Jahren in der Lüneburger Heide, wo die Familie  des Vaters herkam, zog sie in die Pfalz. Dort, in Zweibrücken, kam Wilhelm Drewes zur Welt.

Haustiere gab es Zuhause keine. „Ich fing aber schon als Schüler mit dem Imkern an“, berichtet Drewes, der  früh die Naturwissenschaften für sich entdeckte. In seiner Heimatstadt Homburg weckte die medizinische Universität sein Interesse. Während der Schulzeit verdiente er sich etwas Geld mit Sitzwachen im Krankenhaus, vor allem in der Psychiatrie und Neurologie. „Ich erkannte dass es in der Tiermedizin humaner zugeht“, erinnert sich Drewes und entschied sich für dieses Fach. Nach dem Studiumstart in Antwerpen wechselte er nach Berlin und später nach Hannover.

1990 begleitete er den Großvater, der damals schon 85 Jahre alt war, zum Amt für offene Vermögensfragen nach Bad Freienwalde. Sie konnten den Hof in Frankenfelde und 15 Hektar Land sofort übernehmen. Die große Feldsteinscheune diente als Lager für Isolationsmaterial, das Wohnhaus war abgerissen worden. Die Großmutter setzte sich dafür ein, dass er das Erbe bekam. „Bei mir passte es am besten“, so Drewes. Er sah sich der Großmutter verpflichtet und sanierte die Scheune, in deren Dachstuhl er heute mit Frau, auch Tierärztin, und Kind lebt. Im Erdgeschoss befinden sich Pferdeboxen, Pferde-OP, Sozialräume und  die Imkerei. Ab 1997 gründete der Tierarzt in Frankenfelde ein Therapeutisches Reitzentrum.  Eltern kamen mit ihren behinderten Kindern vor weither. „Das war gelebte Inklusion“, erzählt Drewes. Doch die Unterstützung der Krankenkassen war recht mager.

Wirtschaftliche Säule ist die Tierarztpraxis in Strausberg, wo Drewes alles außer Nutztiere behandelt. Seit zwölf Jahren betreibt er die Praxis auf eigenem Grund im Gewerbegebiet. „Mir war die Pfalz immer zu eng, ich bin der nordische Typ und mag die Weite“, sagt Drewes.

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