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Julia von Stünzner bringt in Sieversdorf ihre Großfamilie, Konzerte und den Pensionsbetrieb unter einen Hut

Angekommen in Brandenburg
Drei Generationen im Gutshaus

Unter barocken Stuckdecken: Julia von Stünzner (48) betreibt im Sieversdorfer Gutshaus eine kleine Pension, organisiert im großen Saal regelmäßig Klassikkonzerte und tafelt hier auch mal für große Jagdgesellschaften auf.
Unter barocken Stuckdecken: Julia von Stünzner (48) betreibt im Sieversdorfer Gutshaus eine kleine Pension, organisiert im großen Saal regelmäßig Klassikkonzerte und tafelt hier auch mal für große Jagdgesellschaften auf. © Foto: MOZ/Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 18.12.2018, 08:00 Uhr
Sieversdorf (MOZ) Es gibt viele Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren oder als Zuzügler ein neues Leben zwischen Prignitz, Uckermark, Fläming und Lausitz zu beginnen. In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die im märkischen Land angekommen sind.

„Wir sind es gewohnt einen Pullover anzuziehen, aber für die Gäste ist es nebenan immer schön warm“, sagt Julia von Stünzner-Karbe. Dass man alle Räume im Sieversdorfer Gutshaus (Oder-Spree) mit seinen Deckenhöhen von mehr als vier Metern ständig durchheizen kann, sei illusorisch und kaum zu bezahlen, fügt sie lächelnd an. Im Besitz der Familie von Stünzner-Karbe ist das 1690 erbaute Gutshaus schon seit 1789. Das Herrenhaus im preußischen Stil hat auch dem Gilly-Stil folgend ein großes Halbmondfenster, das bis heute das Haus unverwechselbar macht.

1945 musste die Adelsfamilie das Gut und Sieversdorf verlassen, wurde im Rahmen der Bodenreform enteignet. Das vom Krieg unversehrte Haus wurde zur Hälfte abgetragen, stand 30 Jahre offen und wurde erst mit einem Betongiebel an der Seite in den 1970er-Jahren verschlossen. Im Haus fanden zeitweise Konsum, Wohnung, Sitz des Rates der Gemeinde, Arztpraxis und die Kita ihren Platz.

Mit der Wendezeit kaufte Julias Schwiegervater Karl-Christoph von Stünzner-Karbe – der als Kind aus Sieversdorf vertrieben wurde – das Gutshaus von der Treuhand zurück und kehrte 1992 mit seiner Familie aus der Nähe Bonns zurück. Mit dabei war Literaturstudentin Julia, die ihren Mann Jürn schon beim Studium in Bonn kennengelernt hatte. Gemeinsam haben sie jetzt sechs Kinder – von 9 bis 22 Jahren. Jürn von Stünzner (48) – auf den Karbe-Zusatz legt man aus praktischen Gründen nicht so großen Wert – ist längst als Allgemeinarzt in Briesen und Müllrose anerkannt. Julia kümmert sich um die Großfamilie, leben doch drei Generationen unter einem Dach. Gemeinsam hat man seit 1992 mit viel Liebe, auch mit Unterstützung einiger Fördertöpfe das Haus saniert, auch die 300 Jahre alten Stuckdecken im Barocksaal gerettet. Darin erklingen regelmäßig Klassikkonzerte, die Julia von Stünzner als Vorsitzende des Vereins der Kunst und Denkmalpflege organisiert.

Seit 2008 führt sie mit zwei Mitarbeitern im Gutshaus aber auch noch eine Pension für bis zu 14 Gäste. Die laufe gut, sagt die 48-Jährige stolz. Angekommen fühlen sich Stünzners in Sieversdorf schon lange. „Wir haben hier eine Heimat gefunden, die mein Mann und ich vorher nicht hatten“, sagt die Tochter eines Bonner Diplomaten. Glück habe man mit dem Dorf gehabt, wo sich viele Kreative angesiedelt hatten. Oft zeigen die Familien ihr Gutshaus nebst neugestaltetem Innenhof beim Tag des offenen Denkmals und der Landpartie. Jagdgesellschaften bekocht Julia von Stünzner und engagiert sich als Gemeindekirchenrätin. Mit dem Pfarrer lädt sie morgen, 18 Uhr,  zur Adventsandacht an den Kamin in das Halbmondzimmer ein. Damit, so hofft die Sieversdorferin, beginne nach einem arbeitsreichen Jahr auch für sie die besinnliche Zeit. Weihnachten wird ganz traditionell mit der Familie gefeiert.

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