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Familie Drabsch hat in Steinsdorf bei Neuzelle das Glück gefunden / Ohne die acht Pferde ist das Leben für sie nicht mehr vorstellbar

Angekommen in Brandenburg
Wo Möhren zum Festmahl werden

Endlich angekommen: Stephanie und Michael Drabsch mit einem ihrer Kinder namens Olli sowie den Pferden „Take Off“ und „Follow Me“ auf ihrem Lindenhof in Steinsdorf.
Endlich angekommen: Stephanie und Michael Drabsch mit einem ihrer Kinder namens Olli sowie den Pferden „Take Off“ und „Follow Me“ auf ihrem Lindenhof in Steinsdorf. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 19.12.2018, 07:30 Uhr
Steinsdorf (MOZ) Es gibt viele Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren oder als Zuzügler ein neues Leben zwischen Prignitz, Uckermark, Fläming und Lausitz neu zu beginnen. In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die im märkischen Land angekommen sind.

Eine etwas andere Weihnachtsmusik dürfte Familie Drabsch in wenigen Tagen genießen. Dort wird in der Heiligen Nacht nämlich laut geschnurpst. Möhren gibt es als Festmahl – zumindest für die acht Pferde. „Ein 25-Kilo-Sack reicht da nicht wirklich lange“, sagt Michael Drabsch. „Aber wenn jedes Tier für den Moment erst einmal drei Möhren und zwei Äpfel hat, dann ist alles gut.“

Der 53-Jährige und seine Frau Stephanie (43) haben sich im vergangenen Jahr einen Lebenstraum erfüllt. Sie sind gemeinsam mit ihren zwei Kindern Olli (6) und Fritzi (8) umgezogen – noch tiefer in den Osten geht es in Brandenburg kaum. Steinsdorf ist nun ihr neues Zuhause, ein kleines Dorf mit etwa 380 Einwohnern zwischen Neuzelle und Guben.

Vorher hat die Familie am Berliner Rand gewohnt, genau genommen in Großziethen, also auch im Brandenburgischen. „Aber das sind ja nur drei Meter bis Berlin“, meint Michael Drabsch. Vom Prinzip gehörten sie zur Hauptstadt, waren Großstädter.  Gefühlt zumindest. Ein Haus hatten sie schon damals. Aber da war eben nur Platz für die Zweibeiner. „Unsere Pferde, damals noch drei und manchmal vier, mussten wir in Pensionsställen unterbringen.“ Auf Dauer keine Option. Irgendetwas fehlte zum perfekten Glück. „Wir haben uns im Internet nach anderen Grundstücken umgesehen, wollten die Pferde gern bei uns haben“, erzählt Michael Drabsch, der in „MOL“ aufgewachsen ist, wie er mit etwas Stolz in der Stimme sagt. „Ick bin aus Strausberg.“ Seine Frau Stephanie hingegen ist ein echtes Berliner Gewächs.

Zwei Möglichkeiten boten sich im weltweiten Netz: Genthin in Sachsen-Anhalt oder eben Steinsdorf in der Gemeinde Neuzelle. „In Genthin gab es aber zu wenig Land“, erinnert sich der 53-Jährige. Blieb Steinsdorf. Am 29. Dezember 2016 waren wir das erste Mal dort und haben uns alles angesehen“, berichtet der Familienvater, der bei der Polizei arbeitet. „Und dann haben wir gleich gesagt: Mensch, daraus kann man was machen.“

Gut vier Monate später waren sie Besitzer eines riesigen Anwesens, bei dessen Anblick sogar Pippi Langstrumpf Freudensprünge gemacht hätte. „Ganz, ganz früher waren hier mal Schweine- und Rinderställe“, weiß Drabsch. Nach der Jahrtausendwende sei das Anwesen dann mit Fördermitteln richtig aufgepeppt worden: Gastwirtschaft, Pension, Tennisplatz gehörten dazu. Doch der Eigentümer zog weg, das kleine Paradies verkam. „Wir haben richtig viel Geld investiert und alles wieder hergerichtet.“ Seine Frau betreibt nun vor Ort eine kleine Physiotherapiepraxis, die Tennishalle gibt es noch, einen Reitplatz, einen Wellnessbereich, ein Wohnhaus und in der Pension vier Zimmer und eine Ferienwohnung. „Zurzeit sind wir voll belegt mit Bauarbeitern“, erzählt der Hausherr. Doch die Arbeiter sind nicht die einzigen Gäste. Das Ehepaar bietet in Steinsdorf Voltigier-Training, also Turnen auf dem Pferderücken, an. Das wird sehr gut angenommen.

„Wir fühlen uns wohl hier“, betont Drabsch, und man nimmt es ihm sofort ab. Die Kinder finden das Landleben klasse, vor allem, weil sie die Pferde um sich herum haben. „Und die Steinsdorfer sind auch richtig nett, die haben uns super aufgenommen.“ Nein, mit der Großstadt möchte er dieses Landidyll nicht eintauschen. Nur eines vermisst er, sagt er: „Wenn ich in Berlin zum Arzt wollte, dann war das kein Problem. Hier muss man schon sehr viel suchen, gucken und machen, um einen Termin zu bekommen.“

Aber ansonsten? Er grinst. Familie Drabsch ist in der ostbrandenburgischen Provinz angekommen, hat eine Heimat und neue Freunde gefunden. Im vergangenen Jahr wurde mit mit 70 Steinsdorfern auf dem Anwesen Silvester gefeiert. „Früher habe es hier auch immer Partys gegeben“, wurde ihm erzählt. Warum nicht, dachte sich das Ehepaar. Wenn jeder etwas mitbringt, könnte das klappen. Es klappte so gut, dass die Feier in diesem Jahr wiederholt wird. Aber vorher werden die Vier am Vormittag des 24. Dezember noch als Wichtel verkleidet durchs Dorf fahren – in der Kutsche. Ganz stilecht. Danach bekommen die Pferde ihr Festmahl.

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