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An(ge)kommen in Brandenburg
Zurück in der alten Heimat

Heimwerker und Rückkehrer: Falk Budach und Christine Schilg haben alle Hände voll zu tun im neuen Haus in Groß Lindow (Landkreis Oder-Spree). Vor der Tür haben sie ein kleines Paradies, der Helenesee liegt zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt.
Heimwerker und Rückkehrer: Falk Budach und Christine Schilg haben alle Hände voll zu tun im neuen Haus in Groß Lindow (Landkreis Oder-Spree). Vor der Tür haben sie ein kleines Paradies, der Helenesee liegt zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 12.12.2018, 06:00 Uhr
Groß Lindow (MOZ) Es gibt viele Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren oder als Zuzügler ein neues Leben zwischen Prignitz, Uckermark, Fläming und Lausitz zu beginnen. In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die im märkischen Land angekommen sind.

Wenn Falk Budach abends von der Baustelle nach Hause kommt, geht die Arbeit erst richtig los. Im neuen Heim muss verputzt, gestrichen und tapeziert werden. Das große Haus gleich neben der Waldschänke in Schlaubehammer, einem Ortsteil von Groß Lindow (Oder-Spree), ist das neue Zuhause von Christine Schilg und ihrem Freund Falk – und zugleich ein kleines Paradies zwischen Helenesee und Schlaubetal. Die kleine Ostsee von Brandenburg liegt zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt, wenn man richtig strampelt, acht Minuten, schwärmt Christine Schilg.

„Es ist idyllisch und ich bin überglücklich, zurück in der alten Heimat zu sein“, sagt die 35-Jährige. Die gebürtige Eisenhüttenstädterin verließ ihre Heimat vor etwa drei Jahren, fand eine Stelle als Chefsekretärin im baden-württembergischen Kurort Bad Herrenalb. Er ging vor zwölf Jahren in den Südwesten, wollte mehr Geld auf dem Bau verdienen. Erst im Juli kamen sie zurück – gemeinsam.

„Ich habe die Heimat vermisst, am meisten Familie, Freunde und mein altes Leben.“ Die Medienberaterin – blonde Haare, blaue Augen, Tattoos an Armen und Hals – hat in der Jugend Fußball gespielt, dazu hat sie Rock-und Popmusik gesungen. Dem will sie wieder nachgehen, sie sucht einen Verein und eine neue Band. Aber zunächst muss das Haus fertig werden. „Das hat Priorität“, betont die Rückkehrerin in der Küche. Es ist eines der wenigen Zimmer, die keine Baustelle sind. Dort ist spürbar, dass Weihnachten ansteht: Ein Adventskranz ziert den Tisch, Lichterketten die Fenster.

Das Meiste am Haus macht der Mann, Falk Budach, selbst. „Wir haben nur für die Heizung eine Firma beauftragt, sonst könnten wir uns das nicht sofort leisten“, sagt Budach, ein paar Köpfe größer als seine Freundin. Schließlich haben er und seine Frau gerade erst das Haus erworben. Beim Umbau gibt es Hilfe von Familie und Freunden, die sich über die Rückkehrer freuen. Der Papa ist Elektriker, ein Kumpel kann verputzen, der andere Fliesen legen. Auch Christine Schilg hilft, wo sie kann. „Das strengt schon an nach der Arbeit“, sagt sie. „Ich will in zwei Jahren fertig sein – erst kommt das Wohnzimmer, dann das Bad, später die Garage auf dem Hof“, überlegt Falk Budach beim Verputzen des Wohnzimmers. Am Sonnabend kommt ein Kumpel zum Fliesenlegen vorbei.

In der alten Heimat von Christine und Falk hat sich einiges verändert: Viele alte Klassenkameraden, Kindheitsfreunde und Azubi-Kolleginnen sind weggezogen, nach Köln, Stuttgart, Hamburg und sehr viele nach Berlin. Aber einige kommen wieder zurück. „Zwei Wochen vor uns kam ein befreundetes Pärchen zurück, Freunde aus der Jugend. Sie wohnen in Eisenhüttenstadt“, freut sich Schilg.  Viele ziehe es wieder zurück in die Heimat. Die Gründe liegen für sie auf der Hand. „Ich verdiene hier genauso gut wie in Baden-Württemberg und das Baugrundstück ist bedeutend billiger – außerdem habe ich die alte Heimat immer vermisst“.

Mit dem neuen Grundstück geht ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung: 1560 Quadratmeter, eine große Garage, ein Teich mit ganz vielen kleinen Goldfischen, Birnen- und Apfelbaum und – ein paar Tannen. „Es hat schon ein bisschen Schwarzwälder Flair“, sind sich die beiden Rückkehrer einig. Auch wenn das junge Paar dort eine schöne Zeit hatte, sind sie froh, zurück in der alten Heimat zu sein. „Früher haben wir die Freunde in der alten Heimat Eisenhüttenstadt besucht, heute geht es öfter mal in den Schwarzwald.“

Und die Nachbarn?  „Wir haben uns bei ihnen vorgestellt und Wein getrunken, das Gefühl ist durchweg positiv“, sagt Christine Schilg. Mit einem anderen Nachbarn hat Falk schon ein Bier am Zaun getrunken, wie man es in Brandenburg eben so macht. „Ich komme jeden Tag gern nach Hause, das ist unser neues Heim, ich muss keine Miete zahlen und weiß, wofür ich arbeite. Die Natur hier ist schön und in Groß Lindow kann ich gleich am Kanal oder drüben an der Helene angeln“, sagt er und nimmt sie in den Arm.

Falk und Christine kommen aus demselben Stadtteil in Eisenhüttenstadt. Kennengelernt hat sich das tätowierte Pärchen aber erst im September 2014 beim Grillen auf einem Hof in Fürstenberg an der Oder. „Wir haben so viele gemeinsame Freunde – und sind uns trotzdem nie über den Weg gelaufen.“ Das hat sich inzwischen geändert.

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Christine Schilg Weihnachten Falk Budach Verputzen Zuzügler

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Norbert Wesenberg 30.12.2018 - 13:21:59

" Es gibt viele Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren"

Einer davon ist zum Beispiel, das nach fast 30 Jahren für Ostdeutsche im öffentlichen Dienst im alten Bundesgebiet für Krankenkasse und Gehalt bei gleicher Tätigkeit immer noch der Osttarif gilt. Damit abgestempelt zum "Zonendödel" ist es wohl doch besser hier unter Seinesgleichen zu bleiben.

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