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Ein blau-grüner Teppich an der Oberfläche des beliebten Badegewässers verunsichert Einwohner von Polßen. Untersuchungen laufen.

Angler in Aufruhr
Trübe Brühe auf dem Haussee von Polßen

Sieht nicht gerade appetitlich aus: Handelt es sich bei der Verunreinigung des Haussees von Polßen um Fäkalien oder gar chemische Substanzen? Das Umweltamt geht von Cyano-Bakterien aus, hervorgerufen durch Sauerstoffmangel im Wasser. Die Badestelle bleibt vorerst gesperrt.
Sieht nicht gerade appetitlich aus: Handelt es sich bei der Verunreinigung des Haussees von Polßen um Fäkalien oder gar chemische Substanzen? Das Umweltamt geht von Cyano-Bakterien aus, hervorgerufen durch Sauerstoffmangel im Wasser. Die Badestelle bleibt vorerst gesperrt. © Foto: Wolfgang Herrmann
Oliver Schwers / 04.06.2019, 21:00 Uhr
Polßen (MOZ) Alarm in Polßen: Auf dem beliebten Badesee direkt am Ortsrand breitet sich eine undefinierbare blau-grüne Schicht aus. Die Angler sind in heller Aufregung. Erste Vermutungen konzentrieren sich auf einen akuten Blaualgenbefall. Sind das die ersten Auswirkungen der Sommerhitze? Doch der Haussee ist von Bäumen umgeben und bekommt viel Schatten. Es wäre ungewöhnlich, wenn Blaualgen so schnell auftreten, meinen die Angler.

Anwohner fahren an den Strand und versuchen, mit Harken und Stangen die trübe schmierige Masse von der Oberfläche zu ziehen. Doch das gelingt nur bedingt. Die Verunreinigung bleibt. Der Vorfall macht in rasanter Geschwindigkeit im Dorf die Runde. Der Angelverein Meichow bangt um seine Fische.

Dann kommt ein Verdacht auf: Es sind gar keine giftigen Blaualgen. Vermutlich hat jemand aus Unfug das am Ufer stehende mobile Klo ins Wasser geworfen. Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, denn Polßen hat am Wochenende die große 700-Jahr-Feier hinter sich gebracht. Da gab es auch eine Party am See. Das für diesen Zweck aufgestellte WC ist stehen geblieben. Und es steht auch jetzt noch oder wieder an seinem Platz. Nach Einschätzung von Einwohnern soll es aber Schleifspuren gegeben haben.

Badestelle gesperrt

Ortsvorsteher Jörg Brandt hat vorsorglich den gesamten Uferbereich an der Badestelle mit einem gelben Band abgesperrt. Denn niemand weiß, was da tatsächlich auf dem Wasser wabert. "Es gibt zwei Varianten", sagt Antje Lemmer, Chefin des zuständigen Ordnungsamtes Gramzow. "Entweder es sind tatsächlich Blaualgen oder jemand hat sich an der mobilen Toilette zu schaffen gemacht." Das Amt fährt raus, macht Fotos und leitet die Sache an die Untere Wasserbehörde der Kreisverwaltung weiter.

"Der See bleibt vorerst gesperrt", so Antje Lemmer. In der Zwischenzeit habe sie mit dem Anbieter der mobilen Toiletten gesprochen. Der bestätige, dass die in den Häuschen verwendete blaue Flüssigkeit biologisch abbaubar sei.

Schließlich gibt das Umweltamt der Kreisverwaltung bekannt: Das Klo ist definitiv nicht schuld. Es sind Cyano-Bakterien, gemeinhin als Blau-Algen bezeichnet. "Auch wir haben erst gedacht, dass es sich um Farbe oder ähnliches handelt", so Behördenleiter Jörg Schubert. "Aber der auffällige hellgrüne bis bläuliche Teppich lässt sich eindeutig den Cyano-Bakterien zuordnen. Wenn die sich entwickeln, tritt diese typische Färbung auf."

Wasserstand in Seen fällt

Zurückzuführen ist ihr plötzliches Auftreten auf zu wenig Sauerstoff im Wasser. Die Wasserstände vieler Seen in der Uckermark seien gefallen, so Jörg Schubert. Zu wenig Umschichtung im Wasser könne die Bakterien noch unterstützen.

Für das Umweltamt ist die Sache damit erledigt, nicht aber für das Gesundheitsamt. Denn es handelt sich um ein offizielles Badegewässer. "Die Kollegen nehmen Proben", so Jörg Schubert. "Sie entscheiden dann, wie es weitergeht."

Cyano-Bakterien können Toxine abgeben. Das Gift kann unter Umständen gefährlich werden für Fische und auch für die Gesundheit von Menschen. Aufgrund der extremen Hitze und des schnellen Erwärmens der Seen geht das Umweltamt davon aus, dass auch an anderen Stellen in der Uckermark die Bakterien demnächst auftreten.

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