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Gute Stimmung
Freude bei der IHK: Elf Prozent mehr Ausbildungsverträge

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Symbolfoto © Foto: Martin Schutt/dpa
Mathias Hausding / 14.08.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie sind Lehrlinge im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr und gehen an die Schulen, um im Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik von ihren Jobs zu erzählen.

Wie ist der Alltag als angehende Bürokauffrau? Wie viel Urlaub, wie viel Geld hat man als Mechatroniker-Azubi? Was ist an der Berufsschule los? Die IHK Ostbrandenburg hat 70 Ausbildungsbotschafter geschult und schickt sie zwischen Templin und Neuzelle in die Spur, um etwa bei Achtklässlern Werbung für das duale System zu machen. "Teenager reden untereinander ganz anders. Das bringt manchmal mehr, als wenn Erwachsene erzählen, wie sinnvoll eine Lehre ist", sagt IHK-Sprecherin Norma Groß.

Die Ausbildungsbotschafter sind eines von mehreren Projekten, mit denen die Kammer dafür sorgen will, dass weniger Lehrstellen frei bleiben und mehr Mädchen und Jungen eine Ausbildung machen. "Wir machen Messen im Einkaufszentrum, wo wir gemeinsam mit den Betrieben Eltern und Jugendliche ansprechen, wir haben die IHK-Lehrstellenbörse noch nutzerfreundlicher gemacht, und wir gehen auf Elternversammlungen", zählt Norma Groß auf.

Der Aufwand scheint sich zu lohnen. "Wir müssen vorsichtig sein. Abgerechnet wird Ende Oktober. Bis dahin kann noch viel passieren. Aber Stand jetzt haben unsere Mitgliedsbetriebe elf Prozent mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge als im Vorjahreszeitraum", betont die Sprecherin. "Die Stimmung ist bei uns gerade sehr gut." Auch bei den Nachbar-Kammern in Potsdam und Cottbus seien die Zahlen nach oben gegangen. Ob sich der positive Trend verfestigt, "hängt auch vom Engagement der Schulen ab", mahnt die IHK-Sprecherin. "Die Berufsorientierung muss dort insgesamt noch besser werden."

Die Arbeitsagentur kommt mit Blick auf die Lehrstellensituation im Land ebenfalls zu einem tendenziell positiven Zwischenfazit. Die Zahl der unversorgten Jugendlichen ist laut Pressesprecher Matthias Loke leicht gesunken, ebenso die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. 6089 Lehrstellen sind im Moment noch frei, 58 weniger als vor einem Jahr um diese Zeit.

Mehr Stellen als Bewerber

Unter dem Strich gebe es im Land derzeit mehr Lehrstellen als interessierte Bewerber. Die regionalen Unterschiede seien hier aber groß. "Deshalb empfehlen wir Bewerbern, sich auf der Suche nach einer geeigneten Stelle wenn möglich auch in anderen Landesteilen umzusehen", sagt Matthias Loke.

In Berlin ist das Bild übrigens ein anderes. Weil die Stadt viele junge Leute anlockt, kommen hier in diesem Sommer laut Arbeitsagentur auf knapp 15 400 Stellen immerhin fast 19 600 Bewerber.

Interessant ist, wie weit bei manchen Berufen die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auseinandergeht. Wer in Berlin Kosmetikerin lernen will, hat schlechte Karten. Hier kommen laut Arbeitsagentur auf neun Stellen 169 Bewerber. Ähnlich sieht es beim Ausbildungsgang Sportmanagement und Fitness sowie bei einer Zahntechniker-Lehre aus. In Brandenburg hat man es mit besonders vielen Mitkonkurrenten um wenige Stellen zu tun, wenn man Kostümbildner, Bild- und Tontechniker oder Zweiradmechaniker werden will.

Besonders gute Karten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, haben Jugendliche in Berlin-Brandenburg, die Maurer, Dachdecker, Optiker, Fleischer, Bäcker oder Groß- und Außenhandelskaufleute werden wollen. Hier gibt es teilweise deutlich mehr Stellen als Bewerber.

Stiftung bietet Projekt zu Zukunftsberufen an

Bereits 2015 hat das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass 65 Prozent aller Grundschulkinder später in Berufen arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt. Gesucht sind deshalb neue Ansätze bei der Studien- oder Berufsorientierung. Die auf gesellschaftliche Innovationen fokussierte Körber-Stiftung will Schulen im Rahmen eines Projekts fit dafür machen. "#MissionUtopia – Zukunftswege in der Berufsorientierung" heißt das Vorhaben, bei dem 20 Schulklassen aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitmachen können. Ab 20. August können sich Lehrkräfte aller Schularten bei der Stiftung darum bewerben, das Unterrichtskonzept kennenzulernen, um noch im laufenden Schuljahr mit ihren Schülerinnen und Schülern dabei zu sein. mat

www.koerber-stiftung.de

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