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Während anderswo händeringend Azubis gesucht werden, gibt es in Barnim und Uckermark mehr Jugendliche als Lehrstellen.

Berufsausbildung
Regionales Phänomen: Mehr Jugendliche als Lehrstellen

Viola Petersson / 04.11.2019, 18:56 Uhr - Aktualisiert 05.11.2019, 13:39
Eberswalde (MOZ) Für unsere Berufsberater war am 30. September Silvester", sagt Constanze Hildebrandt, stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit in Eberswalde, scherzhaft. Denn: Das Berufsberatungs- und Ausbildungsjahr 2018/19 endete. Grund, die Sektkorken knallen zu lassen, hatten die Kollegen allerdings nicht unbedingt. 230 Jugendliche haben nämlich bislang keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden, sind also noch auf der Suche. Ihnen stehen 124 unbesetzte Stellen gegenüber.

Hildebrandt spricht von einem regionalen Phänomen. Im Gegensatz zu anderen Teilen Brandenburgs gab es in Barnim/Uckermark erneut nicht für jeden Bewerber ein Ausbildungsplatzangebot. Trotz des allgemein beklagten Fachkräfte- und Nachwuchsmangels (viele Arbeitgeber haben deshalb die Ausbildung verstärkt), zwischen Ahrensfelde und Tantow übersteigt die Zahl der Jugendlichen nach wie vor die der Lehrstellen. 2018/19 hat die Arbeitsagentur insgesamt 2195 Mädchen und Jungen registriert. Die Firmen hatten indes "nur" 1424 Lehrstellen gemeldet.

Großunternehmen rar

Die Ursache für diese spezifische Situation sieht Hildebrandt in einer gewissen "Gemengelage". Einerseits mangele es in der Region an großen Unternehmen, vor allem im produktiven Bereich.  Für viele klein- und mittelständische Unternehmen sei Ausbildung eine Herausforderung.  Auch personell. Andererseits spiele die Infrastruktur eine Rolle.  Die Frage der Erreichbarkeit und von Mobilität. In Ballungsgebieten wie Berlin und Potsdam sei der öffentliche Personennahverkehr deutlich besser ausgebaut als in ländlichen Regionen wie Barnim/Uckermark.

Gleichzeitig stehe zu befürchten, dass die eigentlich begrüßenswerte Einführung des Mindestlohnes für Azubis 2020 nicht unbedingt förderlich in puncto Angebot wirkt. Ungeachtet dessen werbe die Agentur weiter bei Firmen, Einrichtungen und Institutionen um Ausbildungskapazitäten. Vor allem im Handwerk wolle man verstärkt aktiv werden.

"Für alle die, die noch auf der Suche sind, bieten sich Alternativen und Überbrückungsmöglichkeiten", erklärt Hildebrandt weiter. "Unsere Beratungsfachkräfte sind weiter darum bemüht, auch diesen unversorgten Bewerbern Chancen zu eröffnen." Mit verschiedenen Fördermöglichkeiten könnten Jugendliche, etwa mit Hauptschul- oder ohne Schulabschluss, unterstützt werden.

Hildebrandt macht in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem aufmerksam: Unter jenen aktuell 230 unversorgten Jugendlichen befänden sich auch Mädchen und Jungen, die im Herbst eine Ausbildung aufgenommen, diese aber nach wenigen Tagen schon wieder abgebrochen haben. Weil sie ihre Vorstellungen vom Beruf nicht erfüllt sahen oder sie den Anforderungen nicht gewachsen sind.

Gastronomie unbeliebt

Auf der Hitliste der Wunschberufe der Jugendlichen, die bislang leer ausgegangen sind, stehen: Verkäufer, Kaufmann/-frau im Einzelhandel sowie Kaufmann/-frau für Büromanagement. Die Top 3 der unbesetzten Ausbildungsplätze sind: Koch/Köchin, Restaurantfachkraft sowie Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk.

Für den Landkreis Barnim stellt sich die Situation konkret so dar: 1230 Bewerber hatten sich bei der Agentur gemeldet, zur Verfügung standen denen 879 Ausbildungsplätze. Ende September waren 145 Jugendliche unversorgt und 109 Stellen waren noch vakant. Was zeigt: Mitunter passen Nachfrage und Angebot nicht zusammen. Wobei Hildebrandt darauf hinweist, dass Schulabgänger, je nach Flexibilität, natürlich nicht nur am aktuellen Wohnort nach einer Lehre suchen. Gerade im Niederbarnim sei dank S-Bahn-Anschluss auch eine Ausbildung in Berlin möglich. Und Praxis.

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