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Weniger junge Frauen machen eine Ausbildung

Wollten nach der Schule "was Technisches machen": Christoph Mehnert und Julia Augat lernen bei Diehl Metal Applications in Teltow Werkzeugmechaniker.
Wollten nach der Schule "was Technisches machen": Christoph Mehnert und Julia Augat lernen bei Diehl Metal Applications in Teltow Werkzeugmechaniker. © Foto: Ina Matthes/MOZ
Ina Matthes / 28.11.2019, 09:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Schon ihre Großmutter hat in der Firma gearbeitet, ihre Mutter ist hier beschäftigt. Julia Augat (16) lernt in dem Metallunternehmen Diehl Metal Applications in Teltow Werkzeugmechanikerin.

"Ich finde Technik spannend." Insgesamt sechs Azubis im Bereich Werkzeugbau bildet Diehl derzeit aus, darunter sind vier junge Frauen wie Julia Augat. Sie hat im August die Lehre begonnen. Damit hat sie sich gegen einen Trend entschieden: Denn das Interesse junger Frauen an einer dualen Berufsausbildung nimmt in Brandenburg ab, wie Bernd Becking, Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit sagte. Vor zehn Jahren waren noch 46 Prozent der Bewerber weiblich, jetzt sind es 38 Prozent. Die Agentur stellte am Mittwoch die  Brandenburger Ausbildungsbilanz 2918/19 bei der Firma Diehl in Teltow vor.

Gründe für den Rückgang der Interessentinnen für eine Lehre konnte Becking nicht nennen, das müsse weiter untersucht werden. Insgesamt haben sich in diesem Ausbildungsjahr 472 Jugendliche weniger als im Vorjahr bei der Agentur für Arbeit gemeldet, was an der geringeren Zahl der Schulabgänger liegt. Abgefangen wurde der Rückgang durch 831 geflüchtete Bewerber - 75 mehr als 2018. Insgesamt hat Brandenburg – nach den bei der Bundesagentur gemeldeten Stellen – für fast jeden Azubi eine betriebliche Lehrstelle zu bieten: 14 197 Suchenden standen 13 754 Lehrstellen gegenüber, eine Zahl, die seit drei Jahren etwa konstant ist.

Trotzdem sind derzeit noch fast 1800 Stellen unbesetzt und rund 1200 junge Leute unversorgt. Allerdings bestehen in Brandenburg große regionale Unterschiede bei Angebot und Nachfrage. Während es in Potsdam und der Prignitz sehr viele ausbildende Betriebe und zu wenig Bewerber gibt, bezeichnete Becking die Situation in Frankfurt (Oder) als "angespannt", ebenso im Barnim, der Uckermark und Oberhavel, wo es "viel zu wenige Ausbildungsstellen" gibt. Christian Hoßbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, forderte Sonderanstrengungen, um die Lage im Nordosten zu ändern. Es böten noch zu wenige Betriebe Lehrstellen an und die Firmen hätten den demografischen Wandel ihrer Belegschaften zu lange nicht beachtet.

Dabei muss die Wirtschaft im Land aufpassen, dass sie ihre jungen Leute nicht verliert. Schon jetzt pendeln 7000 Azubis nach Berlin und nur 2500 Berliner ins Umland. Die guten Noten, die Brandenburgs Schulbildung jüngst erhalten hat, wirken sich aus. "Brandenburger Jugendliche sind auch für andere attraktiv", sagte Becking. Er sieht eine ungebrochenen Nachfrage nach Arbeitskräften am Markt. Zugleich ist eine Verrentungswelle in den kommenden zehn Jahren zu erwarten. Die Schere zwischen dem Bedarf an Fachkräften und ihrer Verfügbarkeit werde weiter auseinandergehen, warnte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD).

515 Euro sind "Unterkante"

Nicht nur für die geplante Ansiedlung von Tesla werden Leute gebraucht. Auch erste Anfragen von Zulieferern Teslas nach Ansiedlungsmöglichkeiten gibt es. Und  der Großflughafen BER soll demnächst mehr Personal brauchen.  Minister Steinbach warb dafür, bestimmte Berufe aufzuwerten, die gebraucht werden, aber nicht das beste Image haben. Kanalreiniger beispielsweise. Er sieht zugleich die Entlohnung von Azubis kritisch. Nach der neuen Mindestausbildungsvergütung für Lehrlinge erhalten sie ab 2020 im ersten Jahr mindestens 515 Euro. Das sei die "Unterkante", meinte Steinbach. "Das reicht nicht." Obwohl er auch sehe, "dass das für einige Betriebe durchaus eine Herausforderung ist."

Azubi Julia Augat steht bei Diehl besser da. Im ersten Lehrjahr zahlt die Firma 1050 Euro, im vierten 1150 Euro, wie Erik Richter erklärte, der für Ausbildung zuständig ist. Das Unternehmen arbeitet an Zukunftstechnologien – es stellt Teile für autonomes Fahren und für E-Autos her. Diehl Teltow möchte zwei Azubis pro Jahr neu einstellen. "Das klappt nicht immer", sagte Richter.

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