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Covid-19
Corona-Pandemie verzögert Abschluss-Prüfungen für Azubis

Hunderte Azubis bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor. Diese wurden zuvor wegen der Corona-Krise verschoben. (Symbolbild)
Hunderte Azubis bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor. Diese wurden zuvor wegen der Corona-Krise verschoben. (Symbolbild) © Foto: Felix Kästle/dpa
Ina Matthes / 07.05.2020, 03:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Ohne Corona hätte sie diese Aufregung schon hinter sich: Am 29. April sollte Josefine Müller ihre Prüfung schreiben. Jetzt ist der Termin auf Mitte Juni verlegt. Mehr Zeit zum Zittern. "Ich bin vor Prüfungen immer sehr aufgeregt", sagt die 19-jährige. Sie lernt Kauffrau für Büromanagement beim Papierhersteller Leipa in Schwedt. Insgesamt 50 junge Leute werden bei Leipa derzeit ausgebildet, sechs von ihnen machen im Sommer ihren Abschluss.

Josefine Müller wird in den nächsten Tagen noch Post bekommen von der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg: die Einladung zur schriftlichen Prüfung. Die Corona-Pandemie hat auch die Zeitpläne für die Abschlussprüfungen Hunderter Azubis in Ostbrandenburg durcheinandergebracht.

Die Industrie- und Handelskammern  haben sich deutschlandweit auf einen neuen, einheitlichen Zeitraum verständigt: Mitte Juni schreiben rund 1500 junge Männer und Frauen bei der IHK Ostbrandenburg ihre Prüfungen - fünf bis sechs Wochen später, als ursprünglich geplant. Mehr als die Hälfte von ihnen – rund 60 Prozent - erlernen einen kaufmännischen Beruf. In insgesamt 120 Berufen wird bei der IHK in Ostbrandenburg geprüft.

Die logistische Herausforderung bei der Organisation ist in diesem Jahr größer, beschreibt Michael Völker, Leiter des Bereichs Aus- -und Weiterbildung bei der IHK Ostbrandenburg. Abstandsregeln sind einzuhalten. Die IHK nutzt unter anderem die großen Messehallen in Frankfurt (Oder), aber auch kleinere Konferenzräume in den Regionen. Da können dann möglicherweise nicht mehr so viele Menschen an einem Termin geprüft werden.

Dabei ist das Platzproblem nicht die größte Herausforderung. Die Aufsicht bei den Prüfungen übernehmen häufig Rentner. Doch sie gehören jetzt zur Risikogruppe. Auch die Besetzung von Prüfungsausschüssen ist kniffliger: Mündliche und praktische Prüfungen könnten teils auch in die Sommerferien fallen. Das könnte ein Problem werden bei der Verfügbarkeit der Lehrer, die in den Ausschüssen mitarbeiten. Die Prüfungen laufen in diesem Jahr anders als sonst. Aber, sagt Völker: "Wir bekommen das hin, definitiv."

Michaela Schmidt von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) - Region Ostbrandenburg sieht das genauso: "Das ist zu schaffen", sagt die Abteilungsleiterin Berufsbildung. Rund 500 Lehrlinge absolvieren im Sommer ihre Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfungen. Diese finden im Handwerk relativ spät statt – von Anfang Juni bis Ende August  – an diesem Zeitraum ändert sich jetzt nichts. Die meisten Ausbildungsverhältnisse enden im August. So kann das Gros der Lehrlinge rechtzeitig den Abschluss erhalten und  in eine Anstellung wechseln.  Mitunter laufen Lehrverhältnisse im Handwerk aber auch früher aus.  Sollten Prüfungen jetzt nicht mehr vor dem Ausbildungsende  abgelegt werden können, gibt es die Möglichkeit, Verträge nach Abstimmung mit der Kammer zu verlängern.

Auch im Handwerk sind die theoretischen Prüfungen eher nicht das Problem.  Die Gruppen sind in den einzelnen Berufen nicht größer als etwa 30 Leute, beschreibt Michaela Schmidt.

Schwieriger ist hingegen der praktische Part zu organisieren.  Dafür gibt es beispielsweise bestimmte Werkstätten, in denen  jetzt aufgrund der Abstandsregeln nicht mehr so viele Azubis  zugleich arbeiten dürfen. Das heißt, die Prüfer sind stärker gefordert. Darunter sind auch Fachleute aus  den Betrieben, die dafür freigestellt werden. Michaela Schmidt sieht die Lehrlinge im Prinzip gut auf die Prüfungen vorbereitet.  An den zwischenzeitlich geschlossenen Berufsschulen seien maximal zwei Wochen Unterricht ausgefallen. Das versuchten die Schulen jetzt noch nachzuholen. In den Betrieben haben die Lehrlinge zumeist weitergearbeitet. Eine  Ausnahme bilden Kosmetikerinnen und Friseure. Die Salons mussten wegen der Eindämmungsverordnung schließen.  Dort hat man sich aber zum Teil mit Training an Puppen geholfen, erzählt Michaela Schmidt.

Lernen mit Mails und Videos

Gut vorbereitet geht auch Josefine Müller aus Schwedt an ihre Prüfung heran. Der Ausfall durch die Schließung der Berufsschule war nicht groß. Den Stoff hat sie sich selbst erarbeitet – mit Lehrmaterial, you-tube-Videos sowie Telefon- und Mailkontakten zu ihren Lehrern. In der Berufsschule gab es jetzt noch einmal  persönliche Konsultationen. Ein zweitägiges Vorbereitungsseminar bei der IHK steht auch noch an. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagt die 19-Jährige.

Im Juni oder Juli steht dann noch die mündliche Prüfung an. Wie es danach für sie weitergeht, weiß die junge Frau noch nicht. Sie würde gern bei Leipa bleiben. Das Unternehmen plane, die Azubis zu übernehmen, heißt es bei Leipa.

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