Eine verkürzte Ausbildung ist bei Anlagenmechanikern laut IHK Ostbrandenburg sehr selten. Nur zwei Prozent der Azubis in diesem Beruf würden sich auf Grund guter Leistungen zur vorzeitigen Abschlussprüfung anmelden und diese erfolgreich bestehen. Generell kämen Verkürzungen in technischen Berufen seltener vor, häufig dagegen in der kaufmännischen Ausbildung. "Von 1566 neuen Ausbildungen im vergangenen Jahr wurden 277 und damit fast jede fünfte von vornherein verkürzt angemeldet", nennt IHK-Pressereferent Robert Kaltschmidt die aktuellsten Zahlen. Bedingung sei ein hohes Bildungsniveau der Azubis, wie bei Abiturienten. Eine andere Gruppe Auszubildender entscheidet sich während der Ausbildung, wenn sich gute Leistungen abzeichnen. Der Notenschnitt muss bei mindestens 2,5 liegen. "Das traf bei den 1408 Prüfungsteilnehmern vor einem Jahr auf 129 zu", so Kaltschmidt.
Diesen zweiten Weg sind auch die drei EWE-Azubis gegangen, die dem ersten Jahrgang angehören, den das Oldenburger Unternehmen an seinem brandenburgischen Standort in Strausberg ausbildet. Der Antrag auf Verkürzung bei der IHK Ostbrandenburg erfolgte in gemeinsamer Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb, den Ausbildern des Fürstenwalder Aus- und Weiterbildungszentrum (FAWZ) und den Berufsschullehrern der Max-Taut-Schule Berlin. "Die theoretischen Grundlagen des letzten halben Ausbildungsjahres habe ich mir im Selbststudium bereits im Laufe des dritten Lehrjahres erarbeitet. Im Ergebnis bin ich sehr zufrieden und glücklich mit meiner Entscheidung", erzählt Marcus Rübe.
Der Älteste im Trio hat 16 Jahre als Augenoptiker gearbeitet, bevor er sich entschloss umzusatteln. Zur EWE Netz ging er, weil sie den Ruf habe, ein guter Arbeitgeber zu sein und die Qualität der Ausbildung sehr gut sein solle. Zudem: "Technik hat mich schon immer begeistert. Dass ich in meinem neuen Beruf einen Beitrag für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung leisten kann, finde ich sehr gut", betont Rübe. Auch könne er trotz Bereitschaftsdiensten Beruf und Freizeit gut in Einklang bringen.

Für Projekte verantwortlich

Die praktische Ausbildung war ein Herantasten an den Beruf. In der technischen Meisterei in Schöneiche hat Marcus Rübe durch die Begleitung von Kollegen sehr viel gelernt. "Verantwortung konnte ich in der Lehrwerkstatt des Aus- und Weiterbildungszentrums übernehmen. Ich habe dort Projekte von der Planung bis zur Fertigstellung umgesetzt und beispielsweise mit meinen beiden Ausbildungskollegen Fahrradständer für die Schulen des FAWZ gebaut. Unser Folgejahrgang hat sich zuletzt mit dem Bau einer Treppe beschäftigt. Das sind alles sehr praktische Projekte", lobt Rübe. An seinem Arbeitsplatz befindet er sich noch in der Einarbeitungsphase. "Derzeit beschäftige ich mich mit der Koordinierung der Gasnetzkontrollen. Dabei überprüfen und warten wir das lokale Erdgasnetz sowie die Hausanschlüsse in Schöneiche und Umgebung."
Wer seine Ausbildung verkürzen will, dem rät der frisch gebackene Anlagenmechaniker, rechtzeitig das Gespräch mit seinen Ausbildern zu suchen. "Gemeinsam kann man dann entscheiden, ob eine Chance auf einen guten Abschluss besteht. Dieser ist wichtig, denn je besser das Ergebnis ist, desto offener sind die weiteren beruflichen Perspektiven."

Kaufleute und Techniker in Ausbildung


Die EWE Netz bildet seit drei Jahren Anlagenmechaniker auch in Brandenburg aus. Nach bisher zwölf jungen Leuten sind am Montag drei weitere in ihre Ausbildung gestartet.

Insgesamt bildet der EWE-Konzern kaufmännische und technische Fachkräfte aus. Über alle Jahrgänge hinweg arbeiten und lernen fast 500 Azubis und dual Studierende dort, überwiegend am Standort Oldenburg. nau