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Das Abo auf Störfaktoren mitgebucht

Roland Becker / 27.08.2012, 18:42 Uhr - Aktualisiert 27.08.2012, 19:31
Hennigsdorf (MZV) Es gibt Freunde, die fahren mit mir nicht mehr gern S-Bahn. Vielleicht liegt das daran, dass ich sozusagen ein Abonnement auf die S25 habe, die wiederum ein solches für Störfaktoren zu besitzen scheint. Da ich gern über all diese Eskapaden der S-Bahn plaudere, entsteht bei manchen mir näher stehenden Menschen der Eindruck, ich ziehe S-Bahn-Unregelmäßigkeiten magisch an. Am Sonnabend wagte mal wieder ein Freund eine gemeinsame S-Bahn-Fahrt mit mir. Auf ging’s nach Wannsee.

War übrigens schön dort. Sonne, Wasser und fröhliche Menschen bei der Langen Nacht der Museen. Leider mussten wir auch wieder zurück. Dass die Bahn zu spät einfuhr, war – da wir selbst unpünktlich angerannt kamen – durchaus in unserem Sinn. Dass sie dann aber bis zum Bahnhof Zoo weit mehr als eine halbe Stunde benötigte, verbuchte ich bereits unter ärgerlich. Wir sollten noch viel Zeit bekommen, uns zu ärgern. Denn dort stand der Zug einfach, und stand, und stand.

Um eine Zigarettenpause handelte es sich nicht, schließlich herrscht Rauchverbot auf deutschen Bahnsteigen. Nach einer kleinen Ewigkeit verkündete der Zugführer, dass sich „die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögert“. Dieses Wort „unbestimmt“ in Zusammenhang mit S-Bahn löst bei mir ein starkes Unwohlsein aus. Ich komme mir dann wie beraubt vor. Um Zeit nämlich, meistens um viel Zeit. Wir sind dann irgendwie zum Potsdamer Platz gekommen. Ich weiß nicht mehr genau wie. Was weniger mit meinem Alkoholspiegel dieses Abends, sondern eher mit dem undurchschaubaren Berliner Busnetz zu tun hat.

Irgendwann jedenfalls stand ich auf der Hochhausterrasse eines Museums, schaute zufrieden in den Abendhimmel und prostete in die Richtung, in der ich meine gestrandete S-Bahn vermutete. Für die restlichen Wege dieser Nacht haben wir übrigens Busse und Straßenbahnen benutzt. Der Freund wollte nicht mehr so gern mit mir S-Bahn fahren. Am nächsten Tag hörte ich im Radio, dass diesmal ein Kabelbrand Schuld gewesen sei und dass die vom S-Bahn-Fahrer angekündigte „unbestimmte Zeit“ noch sehr lange gedauert hat.

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Fred 29.08.2012 - 09:08:21

Klo's und Bierautomaten in die S-Bahn einbauen!

Zum Glück fühlt sich noch jemand anderes verantwortlich. Ich dachte nämlich, ich wäre der Magnet, der diese unfreiwilligen Betriebspausen an sich zieht. Diese mehr oder weniger ausgedehnten Unterbrechungen nehme ich nicht so tragisch. Man kommt mit Menschen ins Gespräch, kann Details der Strecke unter die Lupe nehmen, die man während der Fahrt nicht wahrnimmt oder hat mehr Zeit sich in sein Buch zu vertiefen. Diese schöne Zeit wird jedoch umso schöner, wenn man sie mit einem kühlen Bier krönt. Leider gibt es nicht auf jedem Bahnhof eine Möglichkeit an Bier zu kommen und manchmal hält dieser liebgewonnene Lohnsklaventransporter auch auf freier Strecke. Deshalb sollten in den Zügen Bierautomaten installiert werden (andere Getränke machen keinen Sinn - die gammeln nur vor sich hin und nehmen dem Bier den Platz weg). Und wo wir schon dabei sind: ein Klo sollte aus naheliegenden Gründen ebenfalls eingebaut werden. S-Bahn-Fahren ist schon ein Highlight! Nachher geht's wieder los. Ich freu mich schon. Vielleicht gibt's wieder 'ne Überraschung.

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