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Das ganz normale Chaos

Roland Becker / 18.10.2013, 17:09 Uhr
(MOZ) Eigentlich soll es in diesen S-Bahn-Geschichten lustig zugehen. In dieser Woche aber verkünde ich ganz ernst: Schluss mit lustig! Es gab nur einen Tag, an dem ich pünktlich an mein Ziel kam, und das war der Montag. Da fahre ich nämlich mit meinem Auto. Erstaunlich war nicht nur, wie viel Verspätungs-Minuten ich in dieser Woche sammeln konnte. Umwerfend war auch der Strauß an Entschuldigungen, die für die Unpünktlichkeit herhalten mussten. Das begann am Dienstag: Erst war ein Arzt-, dann ein Polizeieinsatz die Ursache für die Verspätung. Da ich zu Wochenbeginn der S-Bahn gegenüber noch gnädig gestimmt bin, verzieh ich meinem Beförderer: Okay, gegen solche Notfälle ist auch bei der S-Bahn kein Kraut gewachsen. Als die Anzeigetafel beim zweiten Umsteigen aber ohne Angabe von Gründen "unregelmäßigem Zugverkehr" verkündete, wurde ich erstmals ein klein bisschen verärgert. Am Mittwoch wurden mir auf der Ringbahn ein Zugschaden, Richtung Hennigsdorf dann eine Fahrzeugstörung verkündet. Als ich noch beim Grübeln war, worin der Unterschied zwischen beiden Begriffen zu finden ist, tönte es in mein Ohr: "Der Zug endet in Heiligensee. Dort haben Sie sofort Anschluss." Ich durfte lernen, dass das Wörtchen "sofort" bei der S-Bahn sieben Minuten Wartezeit heißt. Am selben Tag berichtete mir ein Reisender, dass eine S-Bahn die Umsteiger vom Prignitz-Express in die S-Bahn stehen ließ, weil der Regionalzug vier Minuten Verspätung hatte. Besagte S-Bahn stand dann in Heiligensee acht Minuten, weil sie auf den Gegenzug warten musste. "Anscheinend fehlen dem Fahrdienstleiter wichtige Fähigkeiten wie logistisches Mitdenken", frotzelte der Reisende. Am Donnerstag verlor ich schließlich sieben wertvolle Minuten Freizeit, weil der Gegenzug zu spät in Tegel eintraf. Merken Sie, dass es heute in dieser Kolumne wirklich nicht so lustig und locker zugeht, wie Sie es gewohnt sind? Stimmt. Manchmal vergeht mir beim Warten auf oder Sitzen in der S-Bahn wirklich der Humor. Pünktlich ist in diesem Verkehrsunternehmen wirklich nur eines: die alljährliches Preiserhöhung.

Trotz all meines Ärgers will ich mal nicht ungerecht sein. Am Freitag klappte auf dem Weg nach Hennigsdorf dann doch einmal alles ganz perfekt. Über so viel Normalität kann ich mich derart freuen, dass ich ganz aus dem Häuschen gerate. Roland Becker

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