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Verkehr
RE1 ab 2022 unter neuer Flagge

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Andreas Wendt / 25.01.2019, 16:07 Uhr - Aktualisiert 25.01.2019, 18:16
Potsdam (MOZ) Mehr Züge, mehr Angebote, mehr Service – das versprechen die Länder Brandenburg und Berlin sowie der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) Bahnreisenden in der Region ab Ende 2022. Das von Deutscher Bahn und Ostdeutscher Eisenbahn GmbH (Odeg) bewirtschaftete Elbe-Elster-Netz ist VBB-Chefin Susanne Henckel zufolge eines der größten in Europa.

Joachim Trettin, Konzernbevollmächtigter bei der Deutschen Bahn, ist mit gemischten Gefühlen beim großen VBB-Termin am Freitag zum Berliner Hardenberg-Platz gekommen. Auf der einen Seite die Freude darüber, dass die Bahntochter DB Regio mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 für zunächst zwölf Jahre lang die roten DB-Züge mit dem RE2 von Cottbus über Berlin nach Nauen auf die Schienen schicken wird und sich bei der Ausschreibung den Flughafen-Express und eine Reihe von Regionalbahnlinien gesichert hat. Auf der anderen Seite steht Ende 2022 der Abschied von seinem Baby, dem Regionalexpress 1 (RE1) von Magdeburg über Brandenburg/Havel und Berlin nach Frankfurt (Oder) an. „Wenn man sieht, wie ein Baby wächst und dann das Haus verlässt, schwingt da schon etwas Wehmut mit“, sagt Trettin. Denn der RE1 wechselt seine Farbe von rot in gelb-grün-weiß. Er fährt künftig unter der Flagge der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH.

DR Regio und Odeg sind die Gewinner der europaweiten Ausschreibung des Elbe-Spree-Netzes mit jährlich 28 Millionen Zugkilometern – das entspricht nach Berechnungen von VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel einem Mehrangebot von 30 Prozent. Vor allem die Odeg muss über sich hinauswachsen und verdoppelt ihre Leistung ab 2022. Während DB Regio Loks und Waggons, die bis dahin noch für den RE1 fahren, mit WLAN und modernerer Fahrgastinformation aufrüstet und dann als Flughafen-Express zum BER fahren lässt, muss die Odeg tief in die Tasche greifen. 21 neue Triebfahrzeuge will Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann bei Siemens bestellen, um in knapp vier Jahren den RE1 zu übernehmen.

Die dann sechsteiligen Züge vom Typ Desiro HC haben 637 Plätze, Ledersitze in der 1. Klasse und sind sogar mit einem Defribrillator ausgestattet. Wenn es nötig ist, kann die Kapazität durch zwei vierteilige Züge sogar auf 800 Sitzplätze erhöht werden. Theoretisch. Denn solch langen Zügen sind nicht alle Bahnhöfe entlang der RE1-Linie gewachsen. An 14 Stationen müssten 30 Bahnsteige verlängert werden. Schuchmann schwebt ein Express-Zug vor, der eben nur an ausreichend langen Bahnsteigen stoppt. Aber das, sagt Schuchmann, müssen die Auftraggeber entscheiden. Die Pendler im RE1 haben dann nicht nur wie andere Fahrgäste auf den übrigen Linien kostenloses Internet an Bord, sondern müssen nicht mehr so lange auf einen Zug warten. In der Hauptverkehrszeit verkehren drei statt bislang zwei Züge pro Stunde. Der VBB verspricht einen 20 Minuten-Takt zwischen Erkner und Potsdam.

Beim RE2 zwischen Berlin und Cottbus strebt der VBB einen Halbstundentakt an, doch der ist erst möglich, wenn zwischen Lübbenau und Cottbus ein zweites Gleis verlegt ist. DB-Manager Joachim Trettin ist froh, mit dem Leistsungsvolumen den Personalbestand halten zu können. Die Odeg muss Personal einstellen. Allein 100 Lokführer braucht Odeg-Chef Schuchmann bis 2022. „Wir werden sie gewinnen müssen und wir müssen ausbilden, ausbilden, ausbilden“, sagt er. Kurzzeitig hatte Schuchmann auch erwogen, in Frankfurt (Oder) eine Instandhaltungswerkstatt zu bauen, glaubt aber, mit der in Eberswalde auszukommen.

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Kurt Cr. 25.01.2019 - 18:31:13

Wir bauen auf, wir reißen nieder, so haben wir Arbeit immer wieder.

Welch ein ökonomischer Irrsinn. Vor 15- 20 Jahren noch wurden die Bahnsteige auf Bahnhöfen und Haltepunkten der RE1-Linie eingekürzt bzw. genau an die Länge der jetzt fahrenden Züge angepasst. Für die nächsten 15 Jahre plant man nun die (Wieder)Verlängerung. Ausweichgleise wurden auf ein Minimum reduziert, obwohl klar war, dass der Verkehr zunehmen wird. Da kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen. Die ständigen Betreiberwechsel haben zur Folge, dass das Bahnpersonal entweder vor Ort wohnen bleibt und den Arbeitgeber(mit allen Nachteilen, wie immer wieder von vorn beginnende Betriebszugehörigkeit) wechselt oder mit diesem durchs Land vagbundiert und Familienfeindlich umziehen muss. Und das wichtige Bahnstrecken über 70 Jahre nachdem sie als Reparationsleistungen herausgerissen wurden immer noch nicht wieder hergestellt worden sind ... da fällt mir nichts zu ein.

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