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Bahnverkehr
RE1 fährt seit 25 Jahren im Takt

Andreas Wendt / 25.05.2019, 09:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Ein Vierteljahrhundert verkehrt Deutschlands erster Regionalexpress zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin.

Uwe Stage kann es nicht lassen. 47 Jahre war er mit der Bahn verheiratet, bis zu seiner Rente Ende 2017. Der heute 64-Jährige war als Kundenbetreuer mit an Bord, als am 27. Mai 1994 der erste Regionalexpress Deutschlands den Frankfurter Bahnhof in Richtung Berlin-Ostbahnhof verließ. Trotz Ruhestands hat der Frankfurter als Mini-Jobber erneut beim RE1 angeheuert. "Mir hat einfach was gefehlt", sagt Stage am Freitag bei der RE1-Geburtstagsparty auf Gleis 3 des Potsdamer Hauptbahnhofs.

Ein Vierteljahrhundert ist der RE1 inzwischen alt. In Potsdam überschlagen sich die Offiziellen in ihren Reden, weil auch die Zahlen für den Erfolg sprechen. Beim Start 1994 nutzten knapp 4000 Fahrgäste täglich den Zug, inzwischen, sagt Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse, sind es Tag für Tag fast 60 000 Fahrgäste, die zwischen Brandenburg/Havel, Potsdam, Berlin und Frankfurt unterwegs sind.

"Der RE1", lobt Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), "ist eine Premiumlinie." Ein Aushängeschild für DB Regio, und mit einer Pünktlichkeitsquote von 95,3 Prozent und 0,3 Prozent ausgefallenen Fahrten in den ersten drei Monaten dieses Jahres ziemlich zuverlässig, wie Henckel betont.

Was Uwe Stage in den Jahrzehnten als Kundenbetreuer beim RE1 erlebt hat, darüber könne er mehrere Bücher schreiben, erzählt er. Im heutigen Regionalexpress macht ihm sein Minijob mehr Spaß als im mintgrünen Doppelstockzug, mit dem der RE1 vor 25 Jahren an den Start rollte. "Die Arbeit ist leichter geworden. Wir konnten früher keine Rollstühle mitnehmen, hatten kein Handy", sagt er.

Die hohe Nachfrage nach dem RE1 hat das Land dazu bewogen, den Takt ein weiteres Mal zu verdichten. Ab 2022 werden die Züge drei Mal in der Stunde unterwegs sein und über mehr Sitzplätze verfügen. "Dazu werden die Züge und Bahnsteige verlängert, dort wo es notwendig ist", verspricht Verkehrsstaatssekretärin Lange. Ein entsprechendes Investitionsprogramm hatten Bahn und Land am Donnerstag vorgestellt.

An Bauarbeiten sind die Pendler des RE1 gewöhnt. "Es gab oft Unterbrechungen und Schienenersatzverkehr, als die Strecke auf 160 km/h ausgebaut worden ist", weiß Joachim Trettin, Vorsitzender der Region Nordost bei DB Regio.  Mit der Ausschreibung von Regionalverkehrsnetzen wird die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) ab Ende 2022 die Strecke übernehmen. Mit neuen Zügen, Wlan inklusive.

Die Geburtsstunde des Regionalexpress

Anfang der 90er-Jahre endeten und starteten die Nahverkehrszüge noch an den Bahnhöfen der Berliner Peripherie und die Fahrgäste mussten in Richtung Innenstadt auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Der damalige Ministerpräsident Brandenburgs, Manfred Stolpe, rief 1992 eine Arbeitsgruppe ins Leben, die unter dem Konzepttitel "Zielnetz 2000" einen leistungs- und zukunftsfähigen Nahverkehr mit guten Bahnverbindungen in die Region erarbeitete. Neben der Direktverbindung ins Zentrum Berlins sollten ein dichter, regelmäßiger Takt und kurze Reisezeiten Merkmale eines Regionalexpress sein.  ⇥ndt

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