Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

RE1-Strecke
Pendler üben sich in Geduld

Nadelöhr: Wegen Instandhaltungsarbeiten an dieser Bahnbrücke über die A 10 ist der Bahnverkehr zwischen Erkner und Fangschleuse unterbrochen. Ein Stabbogen müsse geschweißt werden, teilte die Bahn mit.
Nadelöhr: Wegen Instandhaltungsarbeiten an dieser Bahnbrücke über die A 10 ist der Bahnverkehr zwischen Erkner und Fangschleuse unterbrochen. Ein Stabbogen müsse geschweißt werden, teilte die Bahn mit. © Foto: Joachim Eggers
Joachim Eggers, Annemarie Diehr / 20.07.2019, 06:30 Uhr
Erkner (MOZ) Verunsichert schauen sich einige der Fahrgäste, die mit der S 3 nach Erkner gekommen sind, auf dem Bahnhofsvorplatz um: Wo wohl der Schienenersatzverkehr abfährt, fragen sich einige. Eine Beschilderung gibt es nicht. Sie folgen den routinierten Pendlern, die sich auskennen und Richtung Omnibusbahnhof trotten.

Tatsächlich steht dort ein Bus bereit, der die Pendler zum Bahnhof Fangschleuse bringen soll. Von dort soll der Regionalexpress in Richtung Fürstenwalde und Frankfurt wieder fahren. Grund der Unterbrechung: An der Bahnbrücke über die A 10 muss ein Stabbogen geschweißt werden, teilt die Bahn mit.

Zu den Fahrgästen, die Erfahrung mit dem Baustellen-Betrieb auf der RE 1-Strecke haben, gehört die Studentin Giuliana Schaffert. Sie hatte sich am Freitag auf die Situation vorbereitet. Zwei Stunden statt eine Stunde und 20 Minuten brauche sie von Berlin nach Frankfurt, schätzt sie. "Ich schaue standardmäßig nach, ob was ausfällt", sagt sie gelassen.

Drei Stunden unterwegs

Nur scheinbar gelassen äußert sich ein älterer Fahrgast, der seinen Namen nicht preisgeben will. Auch er pendelt regelmäßig zwischen Berlin und Frankfurt. "Drei Stunden bin ich heute unterwegs, und zwar pro Richtung", sagt der Mann, der in Frankfurt noch eine längere Strecke zu bewältigen hat. Er fragt angesichts der ständigen Unterbrechungen verbittert, was andere Akteure wie die Landesregierung täten. "Bekommt die Bahn dann auch weniger Geld vom Land, das ja die Leistung bestellt?", fragt er.

Im Prinzip ist das so, erläutert Birgit Schuster aus der Pressestelle des Potsdamer Verkehrsministeriums. Demnach gibt es Abzüge bei Fehl- und Minderleistungen. Wie Schienenersatzverkehr eingestuft wird, konnte sie allerdings nicht sagen.

Pendlerin bemängelt Anschluss

Gut organisiert sei diesmal der Schienenersatzverkehr, findet Bernd Stiege. "Ruck zuck, einer nach dem anderen, fuhren drei Busse in Erkner ab", sagt der 67-Jährige. In Fangschleuse dann Ernüchterung: Weil ein defekter Güterzug die Gleise versperrt, fällt der Zug um 9.28 Uhr Richtung Fürstenwalde und Frankfurt aus. "Eigentlich würde man trotz Bus denselben Takt schaffen wie bisher, jetzt wo die S-Bahn nach Erkner nur alle 20 Minuten fährt", sagt der Berliner.

Über den Anschluss zwischen Regional- und S-Bahn kann sich Beate Schmidt leidenschaftlich aufregen: "Wenn ich zur Spätschicht von Fürstenwalde nach Berlin fahre, kommt der Regio genau so an, dass uns die S-Bahn vor der Nase wegfährt. Wer denkt sich so was aus", fragt sie kopfschüttelnd. Über den zusätzlichen Ersatzverkehr ab bzw. nach Fangschleuse ärgert sie sich weniger. "Sind wir Pendler ja gewohnt", sagt die Fürstenwalderin.

Ab Donnerstag, fünf Uhr, sollen die Züge wieder durchgängig fahren. Schon ab 8.15 Uhr entfallen einige erneut, diesmal zwischen Erkner und Fürstenwalde.

Warum nehmen Sie den Ersatzverkehr auf sich?

Bart Janssen (25) aus Holland: "Ich bin per Interrail unterwegs von Amsterdam nach Warschau. Mich hat das total überrascht. Ich hoffe, dass ich den Anschluss in Frankfurt erreiche. Man erfährt nicht, wo der Bus abfährt."

Maria Blacha  (48) aus Berlin: "Ich will mit meinem Mann und den Kindern zum Polenmarkt nach Slubice. Dass der Zug nicht durchfährt, haben wir erst heute Morgen am Bahnhof Friedrichstraße mitgekriegt."⇥Fotos (2): J. Eggers

Elke Jüngling (29) aus Frankfurt: "Ich fahre täglich zu meinem Sohn nach Berlin. Die ständigen Fahrplanänderungen finde ich nervig, sie machen den Weg umständlich. Aber ich stelle mich drauf ein und fahre früher los."⇥Foto: Annemarie Diehr

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG