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Lesung
Paul Bokowski stellte sein Buch in Neuruppin vor

Mag die Zahl 5: Schriftsteller Paul Bokowski berichtete dem Publikum auch von allerhand liebenswert komischen Eigentümlichkeiten.
Mag die Zahl 5: Schriftsteller Paul Bokowski berichtete dem Publikum auch von allerhand liebenswert komischen Eigentümlichkeiten. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 20.10.2019, 15:40 Uhr
Neuruppin Was haben ein Staubsauger-Roboter aus China und der Regionalexpress zwischen Magdeburg und Berlin gemeinsam? Paul Bokowski klärte die gut 50 Zuhörer in der Neuruppiner Fontanebuchhandlung am Freitagabend auf. Beide Vehikel sind unberechenbar. Der Sauger scheint große Freude dabei zu entwickeln, nach und nach alle nicht digitalen Haushaltsgeräte ins Technik-Jenseits zu befördern. Und der abendliche Zug erreicht dank Schienenersatzverkehrs und Desorganisation erst nach vielen Stunden am Morgen sein Ziel. Zwischenzeitlich wird an Bord ein Kind geboren. Mutter und Sohn müssen noch weiter nach Frankfurt (Oder). "Wie alt wird der Junge wohl sein, wenn sie es bis dorthin geschafft haben?", höhnte Bokowski. Das Publikum klatschte stark. Sicherlich befanden sich auch einige regelmäßige Nutzer des vielfach verspäteten oder total ausfallenden Regionalexpresses 6 im Raum.

Der 37-jährige Schriftsteller und Poetry-Slammer Bokowski tritt mit seinen abenteuerlichen Kurzgeschichten unter anderem an der Lesebühne Fuchs & Söhne in Berlin-Moabit auf. "Bitte nehmen Sie meine Hand da weg" heißt sein aktueller Geschichtenband, der im August bei Goldmann in München erschienen ist.

Wortwitzig und mit schauspielerischem Talent gab Bokowski den vor lauter Frust im Flieger zur Flasche greifenden Kapitän einer insolventen Fluglinie. Die 2,9 Promille des verzweifelten, erst schwer lallenden und schließlich eher luftarm grunzenden Kapitäns brachte Bokowski herrlich naturnah rüber.

Die Lieblingszahl 5

"Fünf ist eine warme Farbe" hieß eine weitere Geschichte. Ja, der Titel sei ein bisschen komisch. Doch diese Fünf, und nur sie, sei tatsächlich seine absolute Lieblingszahl, stellte Bokowski klar. Logisch, dass der Lautstärke-Regler seines Fernsehers nur in Fünfer-Schritten bedient wird. Wer das begriffen hatte, den wunderte auch nicht mehr, dass die Riegel der wohl bekanntesten Kinderschokolade mit ihren jeweils fünf Stücken die reine Schikane sind. Fünf an sich gehe ja noch sehr in Ordnung. Doch so ein Riegel lasse sich nur schwer am Stück verzehren. Und in gleiche Teile teilen, gehe gar nicht. Einmal zwei, das andere Mal drei Stücke essen, unmöglich. Diese urkomische Zwangsneurotiker-Nummer bekam ebenfalls sehr viel Beifall und erinnerte wie auch andere Geschichten an Poetry-Slam-Großmeister Torsten Sträter, den das Neuruppiner Publikum schon im Stadtgarten erleben durfte.

Späte Ankunft mit Folgen

Die Komik steckte im Detail, auch als Schirmmützenträger Bokowski aus seinem Tourentagebuch vorlas. An Verden sei das Interessanteste die größte Pferdebesamungsanstalt Deutschlands. Und in der Lutherstadt Eisleben  hatte die Rezeption seines Hotels abends schon geschlossen, als Bokowski eintraf. Damit ganz sicher nur er Zugang zum Zimmer erhielt, hatte das Personal an der leeren Rezeption einen Zettel hinterlassen. Darauf stand: "Zimmerschlüssel für Bokowski im Blumenkübel neben der Garage."

Der urkomische Literat bot 75 Minuten lang sehr gute Unterhaltung. Zum Schluss lud Bokowski das Publikum ein, seine Bücher zu kaufen. Jedes einzelne davon werde er durch seine Unterschrift garantiert entwerten. Dieses launige Angebot wurde von vielen Besuchern sehr gern angenommen.

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