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Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele

In Bayreuth finden jährlich die Richard-Wagner-Festpiele statt. Das Musik- und Theater-Festival lockt zahlreiche Besucher nach Bayreuth in das Festspielhaus auf dem grünen Hügel. Jedes Jahr findet dort das Schaulaufen von Theater-, Fernseh- und Politprominenz statt.

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Kolumne
Jonathan Meese zum 50. Geburtstag

gratuliert Erzkünstler Jonathan Meese zum 50. Geburtstag
gratuliert Erzkünstler Jonathan Meese zum 50. Geburtstag © Foto: Gerd Markert
Christina Tilmann / 22.01.2020, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Eine gehörige Portion Größenwahn gehört dazu. Ohne die hätte Richard Wagner kein Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth bekommen. Hätte keine Gesamtkunstwerke wie "Tristan und Isolde" oder den "Ring" geschaffen. Wäre nicht auf die Barrikaden gegangen, 1849 in Dresden. Und hätte auch nicht Gott und die Welt und König Ludwig II. um Geld angepumpt, um seinen Lebensstil zu finanzieren.

Ein Künstler, der sich selbst als Erzkünstler bezeichnet, am "Gesamtkunstwerk Deutschland" arbeitet und gern in Performances als "GröFaZ der Kunst" den Hitler-Gruß zeigt, könnte sich an keinem besseren messen. Jonathan Meese, der am morgigen Donnerstag seinen 50. Geburtstag feiert, gibt bekannt, er würde gern die Wagner-Festspiele übernehmen. Er traue es sich zu, "jede Inszenierung zu machen. Gleichzeitig. Und der Chef des Hauses zu sein."

Die Seelenverwandtschaft lässt sich weiter verfolgen. Gehören die Familiendramen des Wagner-Clans seit jeher zum Urstoff des Grünen Hügels, ist auch Meeses enges Verhältnis zu seiner 90-jährigen Mutter nicht ohne. Und sollte seine Vorliebe für japanische Samurai-Kultur ("Ich bin ein totaler Samurai der Kunst. Ich habe mein Schwert, das ist der Pinsel") nicht Parallelen zum Nibelungenkult samt Schwert Nothung haben?

Eine Bewerbung im Wagner’schen Geist also, auch wenn Katharina Wagner, die seit 2015 alleinige Herrin am Grünen Hügel ist, die Zusammenarbeit mit Meese damals nach "erheblichen Finanzierungsproblemen" schnöde rechnend beendete. Meese hätte 2016 den "Parsifal" inszenieren sollen und rächte sich 2017 in Berlin mit einem "Mondparsifal". Und entwickelt nun konkrete Vorstellungen für eine Rückkehr auf den Hügel: "Dann würde ich nur die Radikalinskis holen, nur die Profis. Also niemanden, der politisch gleichgeschaltet ist. Für mich ist das ja alles zu gefällig, zu anbiederisch." Ein Trauma, ganz offenbar. "Bayreuth tut mir immer noch sehr weh, wie man damals mit mir und Richard Wagner umgegangen ist", sagt Meese. "Richard Wagner kann man nicht gleichschalten." Der Komponist sei eine extreme Figur mit "harten Gesten und harten Sachen", der sich nicht glattbügeln lasse.

Richard Wagner traf mit 50 auf Ludwig II. – und auf Cosima, seine zweite Frau, die nach seinem Tod lange Herrin am Grünen Hügel blieb. Bei ihr in den Villa Wahnfried war auch Adolf Hitler regelmäßiger Gast. Womit der Kreis zum "GröFaZ der Kunst" geschlossen ist.

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