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Der neue Flughafen in Schönefeld

Der neue Flughafen in Schönefeld

Die Kosten steigen ins Unermessliche, hinzu kommt eine Korruptionsaffäre nach der anderen: Das Debakel um den Hauptstadtflughafen BER in Berlin-Schönefeld ist eine unendliche Geschichte.

© Foto: dpa

Was der Staat den Bürgern schuldet

Andrè Bochow
Andrè Bochow © Foto: Heinz Köhler
André Bochow / 19.04.2013, 19:31 Uhr
(MOZ) Für wen, sollte es jemals fertig werden, wird dieses "größte Infrastrukturprojekt Deutschlands" da sein? Dieser "Airport Willy Brandt"? Die Verantwortlichen werden sagen: Für die Wirtschaft. Für die Entwicklung. Für das Ansehen der Hauptstadt. Ach ja, natürlich auch für die Menschen, die dann einen der neuen Arbeitsplätze abbekommen. Und was ist mit den Menschen, die dort leben, wo jetzt und vor allem künftig massenweise Flugzeuge über ihre Häupter fliegen?

Von Anfang an wurde beim Schönefeld-Airport gelogen, dass sich die Balken bogen. Den Bürgern wurde der falsche Standort als der richtige verkauft. Flugrouten wurden verschwiegen, geändert und wieder geändert. Die Kostenvoranschläge für den BER waren komplett unrealistisch. Und was die Sicherheit der Berliner betrifft: Munter wird darüber diskutiert, ob man nicht doch den städtischen Flughafen Tegel weiter betreiben sollte.

Nun kommt heraus: Das Wenige, was der Staat lärmgeplagten Anwohnern bieten kann, nämlich einen anständigen Schallschutz, sollte mit dem Wissen des zuständigen Ministeriums in Brandenburg systematisch unterlaufen werden. Die Flughafenerbauer wollten Geld sparen und der auftraggebende Staat lässt wissen, dass er dem nicht zustimme. Dann schaut er weg. Ein Fall von unterlassener Hilfeleistung. Am Ende muss die Justiz den Bürgern helfen. In der kommenden Woche ist es wieder einmal so weit. Dann wird das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg festlegen, wie viel für den Lärmschutz von 14 000 Wohnungen ausgegeben werden muss.

Warum eigentlich? Weshalb ist es zum Normalfall geworden, dass Bürger ihre Rechte gegenüber dem Staat, den sie selbst finanzieren, einklagen müssen? In wessen Interesse glauben die Vertreter dieses Staates zu agieren? Ist es wirklich eine großartige demokratische Errungenschaft, wenn Menschen ihre Freizeit in Bürgerbewegungen und bei Demonstrationen verbringen mit dem einzigen Ziel, den Behörden etwas abzuringen, das ihnen zusteht? Hat schon einmal jemand die Lebenszeit errechnet, die an Proteste vergeudet wird, die es nicht geben müsste, wenn die Behörden ihre Pflicht erfüllen würden?

Natürlich braucht die Region einen anständigen Flughafen. Der soll auch so groß sein, dass keiner die beim Fliegen eingesparte Zeit in der Warteschlange bei der Gepäckabfertigung wieder verliert. Die wenigsten Zeitgenossen wollen darauf verzichten, Urlaubs-und Geschäftsreisen im Flugzeug anzutreten. Und selbstverständlich ist es unmöglich, einen riesigen Airport so zu betreiben, dass niemand unter den Flugbewegungen leidet. Genau deshalb aber können die betroffenen Bürger ein Maximum an Hilfe und Schutz erwarten. Ein Maximum und nicht ein Minimum. Wer Geld sparen will, soll von größenwahnsinnigen Vorhaben wie der Sanierung des ICC abrücken.

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Brockenhexe 26.04.2013 - 04:10:46

dem Größenwahnsinn angepasst

Oh Gott, man muss sich das mal bildlich vorstellen: Jedesmal, beim Starten und Landen, blicken die Passagiere durch die Fensterluken auf einen internationalen Friedhof von der Größe eines Großflughafens. ... Da könne einem schon mal das Grübeln über den Sinn oder Leichtsinn des Fliegens kommen.

Buchhalter 24.04.2013 - 00:35:36

dem Größenwahnsinn angepasst

Mal etwas anderes, als einen großen Friedhof unter der Einflugschneise zu errichten, wäre sowieso das einzige, was dort noch möglich wäre. Denn Wälder mit hohen Bäumen und Vogelflug, geht nicht. Bei Betreibung von Windmühlen oder Solaranlagefeldern wäre bei Abstürzen, oder Kerosinablassens bei ‘ner Notlandung, der Schaden zu hoch. Ackerbau und Viehzucht wäre wegen Bodenverseuchung bzw. Lärmbelästigung des Weideviehs, nicht möglich. Der brachliegende Ackerboden würde außerdem nach kurzer Zeit davon geflogen sein. Siedlungen können ebenso nicht lange bestehen bleiben. Ebenso würden die Mitarbeiter der Gewerbebetriebe ebenso nicht lange unter dem Dauerlärm eines unmittelbaren Großflughafens gesund bleiben können. Vielleicht wären unter Umständen noch ein paar ferngesteuerte Lagerhallen angebracht? Und, da gebe ich Ihnen mal ausnahmsweise Recht, Herr "klaus tretner": Ein riesengroßer, internationaler Zentralfriedhof aller Religionen der EU und Zuwanderer der Nicht-EU hätte dort für alle Zukunft reichlich Platz, wenn statt bald unbezahlbarer, einzelner Grabstätten mit Grabstein und Bepflanzung, nur noch Grabplatten aus Beton (zur Vermeidung von Blendung) auf einer gemähten Wiese lägen. Der Friedhof wäre nach modernem Vorbild, pflegeleicht, kostengünstig. Für All-incluse-Urlaubsflieger sogar im Preis mit inbegriffen. ;-)

klaus tretner 21.04.2013 - 13:35:25

Ich habe da mal einen Geheimtipp

Wenn der Flugbetrieb genauso beginnt, wie der Bau vielleicht endet, dürfte sich ein Bestattungsunternehmen eine goldene Nase vor Ort verdienen können. Darum mein Rat. Gleich nebenan einen Friedhof dazu planen, damit die Leichen einen kürzeren Weg unter die Erde finden. Es mag makaber klingen, aber ein Chaos zieht immer das nächste Chaos an. So, wie es in den Geschichtsbüchern steht.

Deichkind 19.04.2013 - 23:32:31

Ob Mehdorn und seine Gehilfen,

die Fertigstellung des Onkel Willy ist Abgebrand Airport je miterleben werden ? Man muss den Bau wohl in seiner grösseren, historischen Dimension betrachten. Nur noch vergleichbar der Errichtung saklaler Kathedralen des Mittelalter ;) Die grossen Architekten des 13 Jahrhundert wussten jedenfalls schon zu Lebzeiten die Fertigstellung Ihrer Gotteshäuser nicht mitzuerleben .... Bauzeiten mit Unterbrechung so an die 500-600 Jahre .... http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom http://de.wikipedia.org/wiki/Mail%C3%A4nder_Dom

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