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Der neue Flughafen in Schönefeld

Der neue Flughafen in Schönefeld

Die Kosten steigen ins Unermessliche, hinzu kommt eine Korruptionsaffäre nach der anderen: Das Debakel um den Hauptstadtflughafen BER in Berlin-Schönefeld ist eine unendliche Geschichte.

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Mit Herz und Sachverstand

Der Thüringer Universitätsorganist Dr. Wieland Meinold kann die Orgeln nicht nur bespielen, er kann die jeweiligen Instrumente auch erklären.
Der Thüringer Universitätsorganist Dr. Wieland Meinold kann die Orgeln nicht nur bespielen, er kann die jeweiligen Instrumente auch erklären. © Foto: MZV
Bärbel Kraemer / 29.09.2017, 13:42 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 18:00
Niemegk/Brück (MZV) Der Thüringer Universitätsorganist Dr. Wieland Meinold ist aktuell auf Orgeltour im Land Brandenburg. Unter anderem gastierte er in der Niemegker St. Johannis- und der Brücker St. Lambertuskirche.

Knapp 15 Interessierte hatten sich bereits am Nachmittag in Niemegk eingefunden. Neugierig auf die angekündigte Orgelführung, direkt am Instrument auf der Empore.

Während der Besuch bei der Klang-Majestät in Brück unter dem Thema "Zu Gast in Italien: Virtuose Orgelmusik" stand, fand er in Niemegk unter dem Titel "Charmanter Klang - Telemann und Frankreich" statt.

Für Meinold bedeuteten die sich an die Orgelführungen anschließenden Konzerte in beiden Kirchen teilweise auch ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. Hatte er doch letztmals im Frühling 2013 in beiden Kirchen gastiert.

Der Niemegker Pfarrer Daniel Geißler versprach zudem, dass die Königin auf der Empore bei seinem nächsten Besuch mit Sicherheit wieder bei besserer Stimme sei. "Unsere Orgel wird schneller fertig sein, als der Flughafen BER in Berlin", so der Pfarrer zuversichtlich.

So werden in vier Wochen die seit 1994 ausgebauten und in großen Kisten und Kartons verstauten Orgelpfeifen von der in Berlin-Zehlendorf ansässigen Orgelbaufirma Karl Schuke abgeholt, um über den Winter in der dortigen Werkstatt aufgearbeitet zu werden. Im Frühjahr des kommenden Jahres sollen sie wieder eingebaut und damit der erste von fünf Bauabschnitten zur Orgelrestaurierung beendet werden. Im zweiten darauf folgenden Bauabschnitt ist unter anderem die Restaurierung des unteren Manuals geplant. Damit der Nachwuchs das Orgelspiel erlernen kann. Bereits 1994 hatten die Arbeiten zur Restaurierung des riesigen Orgelwerks begonnen. Damals wurde ein Manual wieder bespielbar gemacht und ein Teil der Balganlage restauriert.

250.000 Euro sind für die komplette Sanierung des in den Jahren 1853/54 durch den Niemegker Orgelbaumeister Wilhelm Baer erbauten Instruments noch erforderlich. Vollkommen gesichert ist die Finanzierung der Restaurierung jedoch noch nicht. Geißler hofft auf weitere Sponsoren und Fördergelder. Immerhin ist die Niemegker Orgel nicht nur das größte Instrument welches Baer je hergestellt hat, sondern zugleich auch die größte Orgel im ganzen Landkreis Potsdam-Mittelmark. Mangelnde Pflege und ein unsachgemäßer Umbau nennt der Pfarrer als Gründe für die aktuelle Situation. Zudem waren die kostbaren Prospektpfeifen des Instruments bereits während des Ersten Weltkrieges in den Schmelzöfen der Rüstungsindustrie aufgegangen.

Danach fährt Meinold mit der Orgelführung auf der Empore fort. Er erklärt, dass das Instrument derzeit nur mit dem schon reparierten Manual bespielbar ist und damit quasi auch nur mit halber Kraft musiziert werden kann. Mehr als die Hälfte der vorhandenen nahezu 1.700 Pfeifen sind ausgebaut. "Sie werden die Orgel nach der Restaurierung nicht wieder erkennen", so Wieland Meinhold und eröffnet im Anschluss die angekündigte musikalische Klangreise. Mit Paul Gerhards "Geh auf mein Herz und suche Freud" verabschiedet er sich aus Niemegk, um sogleich nach Brück aufzubrechen.

Das Publikum bleibt teils berührt und beseelt zurück, reist teils mit dem Organisten weiter ins Planestädtchen. Die Niemegker ihrerseits gehen mit dem Wissen nach Hause, dass Meister Baer ein handwerkliches Genie seiner Zeit war. Anders ist das Zusammenspiel der vielen Orgelpfeifen hinter der hölzernen Fassade des tonnenschweren Instruments auch kaum denkbar.

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